Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0710/55111.html    Veröffentlicht: 02.10.2007 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/55111

Spieletest: Halo 3 - Shooter-Business as usual?

Bungie beendet berühmte Shooter-Trilogie

Kein Xbox-360-Spiel wird 2007 wohl so sehnsüchtig erwartet worden sein wie Halo 3 - die beiden Vorgänger waren schließlich äußerst gute Argumente, sich eine Xbox zuzulegen, mit Halo 3 soll nun der Verkauf der Xbox 360 angekurbelt werden. Über die Absatzzahlen des Spiels muss man sich bei Microsoft und Entwickler Bungie dank im Vorfeld massiv gerührter Werbetrommel wohl auch kaum Sorgen machen; ein paar enttäuschte Gesichter dürfte es allerdings trotzdem geben.

Halo 3 (Xbox 360)
Halo 3 (Xbox 360)
An Halo 2 gab es einen Kritikpunkt, in dem sich praktisch alle Spieler und Rezensenten einig waren: das offene und abrupte Spielende, das eher für Unmut denn für Vorfreude auf Halo 3 sorgte. Bungie entschädigt sämtliche Spieler der Vorgänger jetzt allerdings, indem man direkt am Ende von Teil 2 ansetzt und die Geschichte im Spielverlauf zu einem logischen und spannenden Ende führt - der Kampf der vom Master Chief angeführten Menschheit gegen die mächtige Allianz steuert hier jedenfalls schnell auf einen (halbwegs logischen) Höhepunkt zu. Auch wenn die gesamte Geschichte sicherlich nicht gerade Maßstäbe in puncto Umfang und Tiefe setzt, ist sie jedenfalls doch wieder einmal Garant für Spannung und Atmosphäre.

Halo 3
Halo 3
Sobald dann das erste Mal als Master Chief die Waffen in die Hand genommen werden dürfen, stellt sich schnell das typische Halo-Gefühl wieder ein - was ebenso positive wie negative Seiten mit sich bringt. Einerseits waren Steuerung und Gameplay schon in den beiden Vorgängern eine Klasse für sich: Das Bedienen der unterschiedlichsten Schusswaffen im Kampf gegen diverse mehr oder weniger intelligente Aliens, das Strafen und Rennen, das Führen von Fahrzeugen wie dem Warthog-Buggy oder den kleinen Fluggleitern - alles funktioniert wie eh und je nahezu perfekt und spielt sich ausnahmslos hervorragend. Andererseits sorgt eben dies für eine gewisse Enttäuschung: Halo 3 spielt sich wirklich wie eine nahtlose Fortsetzung zu Halo 2 - es ist kein wirklich neues Spiel, sondern eben doch nur eine weitere Episode von dem, was man schon allzu gut kannte.

Ein paar Neuerungen gibt es natürlich trotzdem - und die machen sich spielerisch durchaus bemerkbar. So wurden etwa zahlreiche neue Waffen wie Schnellfeuerpistolen, ein Nahkampf-Hammer und ein Flammenwerfer eingebaut. Zu den bekannten Fahrzeugen sind weitere hinzugekommen - wie etwa das mit Geschütztürmen ausgestattete Bodenfahrzeug Brute Prowler. Und es gibt neue Gimmicks wie etwa Schutzschilde, mit denen sich ein Schirm zum Abhalten von Geschossen um einen errichten lässt. All diese Erweiterungen werten das Spiel zweifellos auf - verändern es im Vergleich zu Halo 2 aber nur minimal.

Halo 3
Halo 3
Bedeutsamer sind da schon die Neuerungen im Multipalyer-Modus - für Freunde von Mehrspieler-Gefechten dürfte Halo 3 jedenfalls eine wirkliche Offenbarung sein. Das beginnt bereits beim Koop-Modus: Den gab es in Halo 2 zwar auch schon, diesmal dürfen allerdings bis zu vier Spieler gemeinsam die Kampagne durchleben - und müssen dabei dank Xbox-Live-Unterstützung noch nicht mal im selben Raum sitzen.

Halo 3
Halo 3
Auch sonst bleiben praktisch keine Wünsche unerfüllt: Diverse Spielmodi à la Deathmatch und Capture The Flag, umfangreiche Einstellmöglichkeiten für Geschwindigkeiten, Bewaffnung, Schwierigkeitsgrad und dergleichen mehr sowie die sehr witzige Option, in Echtzeit die Level umzuformen und etwa Fahrzeuge oder Startpunkte zu versetzen, machen Halo 3 zum derzeit unterhaltsamsten, vielfältigsten und auch umfangreichsten Shooter, der via Xbox Live gespielt werden kann. Die Online-Tauschoption von Karten und die Möglichkeit, Gameplay-Videos aufzunehmen und zu verschicken, erhöht die Community-Ausrichtung von Halo 3 zusätzlich.

Halo 3
Halo 3
Optisch prunkt Halo 3 mit riesigen, weitläufigen Arealen der unterschiedlichsten Art - gekämpft wird im Dschungel ebenso wie in Schneelandschaften oder einer Eiswüste. Trotzdem mag sich der eine oder andere etwas mehr Details und Optikpracht erhofft haben - Halo 3 sieht zweifelsohne gut aus, sorgt aber nicht unbedingt für offene Münder. Ähnliches gilt für den Sound; auch der ist hochklassig, reißt aber nicht zu Begeisterungsstürmen hin.

Halo 3 ist für Xbox 360 bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 60,- Euro. Das Spiel hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.

Fazit:
Halo 3 ist Spiele-Hit und Enttäuschung zugleich: Einerseits bekommt man hier die wohl besten und vielfältigsten Xbox-360-Multiplayer-Schlachten geboten, erhält einen perfekt spielbaren Titel und zudem die Möglichkeit zu erleben, wie sich das Thema User-Generated-Content auch im Games-Bereich sinnvoll nutzen lässt. Und doch hatte man sich, gerade für die Einzelspieler-Kampagne, etwas mehr als nur neue Waffen, Items und Fahrzeuge erhofft - Standards wurden von Bungie früher mal gesetzt, Halo 3 ist im Grunde nur die Fortsetzung von Bewährtem. Wer keinen genredefinierenden Meilenstein erwartet, sollte aber trotzdem ein drittes Mal in die Rolle des Master Chief schlüpfen: Ein mehr als würdiger Abschluss der Trilogie ist Bungie zweifellos gelungen.  (tw)


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Links zum Artikel:
Bungie (.net): http://www.bungie.net/

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