Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0709/54638.html    Veröffentlicht: 10.09.2007 14:37    Kurz-URL: https://glm.io/54638

Spieletest: Jack Keane - Guybrush Threepwoods Nachfolger

Grandioses neues Adventure der Ankh-Macher

Mit dem Überraschungshit Ankh bewiesen die Entwickler von Deck13 im Jahr 2005, dass auch in Deutschland Adventures entwickelt werden, die es qualitativ mit Genre-Hits wie Runaway oder Syberia aufnehmen können und die ganz in der Tradition früher Meisterwerke aus dem Hause Lucas Arts stehen. Das neue Werk eben dieser Entwickler hört auf den Namen Jack Keane - und gehört zum Besten, was seit langer Zeit auf dem PC in diesem Genre zu erleben war.

Jack Keane (Windows-PC)
Jack Keane (Windows-PC)
Leicht trottelige Helden mit großem Ego, gutem Aussehen und unverschämt viel Glück waren schon immer gern gesehene Adventure-Helden - und Jack Keane, Kapitän im Indischen Ozean mit kurioser Crew und reparaturbedürftigem Schiff, reiht sich nahtlos in diese Riege ein. Gleich zu Spielbeginn findet sich eben dieser Jack dann auch gleich in einer recht unbequemen Situation wieder: Bedrängt von zwei fiesen Geldeintreibern und an einen Stuhl gefesselt gilt es zunächst, durch geschickte Wortwahl die Kontrahenten perfekt zu beleidigen und so des ersten Rätsels Lösung nahe zu kommen - die Fechtkämpfe aus Monkey Island lassen grüßen, und der Spieleinstieg ist ganz ohne Tutorial fließend geglückt.

Jack Keane
Jack Keane
Kurz darauf wird Keane dann von der britischen Regierung angeheuert, um einen recht unfähigen Spezialagenten auf die mysteriöse Tooth Island zu bringen. Dort treibt nämlich der böse Mr. T sein Unwesen, der England durch teefressende Pflanzen um sein Nationalgetränk bringen möchte. Und da Keane einerseits jeden Vorwand, um London und die dort wartenden Gläubiger zu verlassen, gut gebrauchen kann und andererseits dringend Aufträge braucht, um seine nach Rum dürstende Belegschaft bei Laune zu halten, nimmt er natürlich an. Die Besatzung des Schiffs wird gleich darauf um noch eine Person vergrößert - die freche Amerikanerin Amanda nämlich, die von Dr. T als Gehilfin engagiert wird und fortan als eine Art Gegenspielerin von Jack fungiert. Amanda wird später übrigens auch vom Spieler direkt gesteuert; nur eine von unzähligen Ideen, um für Abwechslung und Überraschungen im Spielablauf zu sorgen.

Prinzipiell steuert sich Jack Keane wie jedes gute Point-&-Click-Adventure: Die Bildschirme werden mit dem Mauszeiger abgesucht, der sich je nach Interaktionsmöglichkeit verändert; sobald Gegenstände aufgenommen oder kombiniert, Gespräche geführt oder Hindernisse erklommen werden können, wird das optisch auch angezeigt. Per Multiple Choice-Dialogen erhält man neue Aufgaben und Informationen, die den Spielablauf vorantreiben - und für ein spannendes, im Verlauf immer stärker forderndes, aber dabei stets fair bleibendes Rätseldesign sorgen.

Jack Keane
Jack Keane
Das Inventar besteht meist aus einer gut überschaubaren Menge an Objekten, die jeweils zu besuchenden Schauplätze wurden ebenfalls intelligent begrenzt - langes und ausuferndes Suchen nach der nächsten Lösung wird so zur Seltenheit. Nur an wenigen Stellen kann es auf Grund etwas abstruser Lösungswege doch mal zu einem Hänger kommen; aber das war bei LucasArts-Adventures ja nie anders.

Jack Keane überzeugt aber nicht nur durch witzige Story, gutes Rätseldesign und intuitive Bedienung; gleichzeitig ist es vor allem der unterhaltsame Humor, der den Titel auszeichnet. Da philosophieren die Charaktere plötzlich über die Auswirkungen von Computerspielen auf Jugendliche, werden irrwitzige Bezeichnungen für Personen und Gegenstände gefunden oder diverse Anspielungen auf berühmte Filme unternommen. Der Hauptheld ist bravourös gezeichnet und wächst einem schnell ans Herz, wenn auch die Parallelen zum Fluch-der-Karibik-Kapitän Jack Sparrow - und damit automatisch auch zu Guybrush Threepwood aus Monkey Island - sehr deutlich sind. Auch die restlichen Charaktere, denen man im Spiel begegnet, überzeugen durch Skurrilität und eigene Persönlichkeit.

Jack Keane
Jack Keane
Optisch ist Jack Keane sicherlich kein Meisterwerk, die farbenfrohe Grafik hat aber viel Charme und läuft auch auf etwas betagteren PCs noch flüssig. Die komplett deutsche Sprachausgabe ist dafür erstklassig - und wartet mit so illustren Sprechern wie den deutschen Stimmen von Johnny Depp, John Cleese und Charlize Theron auf.

Jack Keane ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 40,- Euro.

Fazit:
Ankh war erst der Anfang - mit Jack Keane beweisen die Entwickler von Deck13, dass sie es sogar noch besser können. Ein vergleichbar witziges, unterhaltsames und nahezu perfekt designtes Adventure hat man am PC lange nicht gesehen. Wer auch nur ansatzweise dieses Genre mag, sollte auf diesen Titel aus eigenem Interesse nicht verzichten.  (tw)


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