Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0708/54357.html    Veröffentlicht: 27.08.2007 12:30    Kurz-URL: https://glm.io/54357

GC: id Software zeigt Rage und id Tech 5 - Abkehr von Linux?

John Carmack hat weniger Interesse an Linux

Auch auf der Games Convention hat id Software (Quake, Doom etc.) hinter verschlossenen Türen seine 3D-Engine id Tech 5 und etwas vom darauf basierenden Spiel "Rage" gezeigt. Golem.de sprach mit id-Chef Todd Hollenshead über die fehlende Linux-Version, die Bedeutung von DirectX, den Mac und die problematische Xbox 360.

id Software auf der GC
id Software auf der GC
In dem kleinen Raum fanden sich neben Todd Hollenshead noch zwei weitere id-Software-Mitarbeiter - und eine ganze Menge Hardware. Auf der linken Seite waren ein Mac Pro mit MacOS X, ein Windows-PC, eine PlayStation 3 und eine Xbox 360 aufgebaut. Auf allen vier Systemen lief eine Rage-Demo, große Unterschiede waren nicht zu sehen. Laut Hollenshead ist id Tech 5 eine echte plattformübergreifende Engine, 90 Prozent der Codes-Basis würde für die vier Systeme genutzt und von Portierungen könne nicht mehr geredet werden.

Bei id Software stehen Mac, PC, PS3 und Xbox 360 mit gleichem Monitortyp nebeneinander, um schnell sehen zu können, ob es unerwünschte Unterschiede zwischen den Versionen gibt. Auf die Frage danach, ob unter Windows DirectX 10 eingesetzt würde, betonte Hollenshead, dass id Tech 5 nur DirectX 9 nutzen würde und demnach auch unter XP und nicht nur unter Vista laufe. Auf der Xbox 360 wird das DirectX-Äquivalent und auf dem Mac OpenGL verwendet, für die PS3 wurde ein eigener Renderer entwickelt. Auf allen Plattformen soll Rage bei 60 Bildern/s flüssig laufen, bei den Konsolen mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Bildpunkten (720p).

Todd Hollenshead vor den Demo-Systemen
Todd Hollenshead vor den Demo-Systemen
Id Tech 5 ist vor allem dazu geeignet, umfangreiche Innen- und Außenareale mit vielen riesigen bzw. detaillierten Texturen zu nutzen, diese räumlich wirken zu lassen und dem Designer zu erlauben, auf Pixel-Ebene Veränderungen durchzuführen. Die gezeigte Grafik sieht sowohl bei den Personen als auch den an einen Mad-Max-Film erinnernden Szenen aus Rage recht eindrucksvoll aus.

Allerdings gesteht Hollenshead auch ein, dass andere Engines besser dafür geeignet sind, die 3D-Objekte bzw. 3D-Umgebung während des Spiels dynamisch zu verändern ("Geometry Deformation"). Mit id Tech 5 sei das zwar auch möglich, aber sie sei nicht darauf ausgelegt.

id-Tech-5-Präsentation mit Mac, PC, PS3 und Xbox 360
id-Tech-5-Präsentation mit Mac, PC, PS3 und Xbox 360
Dafür schaffte es die Engine, den gezeigten Level innerhalb von etwa 5 Sekunden zu laden, da die Entwickler eine intelligente Levelverwaltung integriert haben, die berücksichtigt, welche Bereiche der Spieler sehen bzw. erreichen kann. Der Rest wird dann während des Spiels dynamisch nachgeladen. Auf der Xbox 360 wird das allerdings zu einem Problem: Die komprimierten Texturen müssen schnell geladen werden, was eine Festplatte voraussetzt. Nicht alle Xbox-360-Nutzer haben jedoch eine Festplatte, dann muss vom langsameren DVD-Laufwerk gestreamt werden.

"John hat bereits eine Lösung dafür im Kopf, sie ist bloß noch nicht umgesetzt", erklärte Hollenshead mit Verweis auf seinen Kollegen und 3D-Engine-Experten John Carmack - allerdings setzt das DVD-Laufwerk enge Grenzen. Ein weiteres Problem ist die geringe Kapazität der DVD: Die Daten werden laut Hollenshead auf mehreren Scheiben ausgeliefert, auch die Kompression kann das nicht verhindern. Zumindest ohne Festplatte werden Xbox-360-Nutzer dann während des Spielens zum DVD-Wechseln gezwungen sein. Damit zählt Rage dann zu den ersten Spielen, bei denen eine DVD nicht mehr ausreicht. Auch Epic Games' Unreal Tournament 3 und vor allem Rockstar Games' Grand Theft Auto 4 - beide noch nicht erschienen - sprengen die DVD-Kapazität.

id-Tech-5-Logo
id-Tech-5-Logo
Etwas Probleme macht auch noch die Mac-Version von id Tech 5: Hollenshead merkte an, dass sie leicht ruckelt und wegen eines Treiberfehlers die noch langsamste sei. Im Mac Pro steckte dabei eine GeForce-7900-Grafikkarte, nicht die von Apple verkaufte ATI Radeon X1900. Für einen Moment musste Hollenshead überlegen, ob er damit Informationen preisgab, die noch nicht von Apple freigegeben sind - eine 7900er gehört allerdings schon fast zum alten Eisen. Die neue GeForce-8- oder Radeon-X2000er-Generation fehlt beim Mac Pro bzw. lässt sich mangels EFI und Apple-Treibern nur unter Windows einsetzen. Im neuen Aluminium-iMac findet sich hingegen seit kurzem schon ATIs aktueller Mittelklasse-Grafikchip Radeon HD 2600 Pro.

Auf die Frage danach, ob denn Rage bzw. die zu Grunde liegende id-Tech-5-Engine neben Mac, Windows-PC, PlayStation 3 und Xbox 360 auch Linux-PCs unterstützen werden, antwortete Hollenshead, dass dazu noch nichts geplant oder angekündigt worden sei. Technisch möglich wäre es, zumal auch mit MacOS X ein Unix-System unterstützt würde. Hollenshead zufolge ist John Carmack mittlerweile nicht mehr so an Linux interessiert wie zuvor, auch wenn es noch einige Linux-Fans bei id Software gebe. Hier müssen Linux-Fans also noch abwarten.

Auch OpenGL hat mittlerweile nicht mehr die Top-Priorität bei id Software, Hollenshead zufolge habe Microsoft viel aus seinen Fehlern bei früheren DirectX-Versionen gelernt. Carmack sei von DirectX mittlerweile recht angetan. OpenGL werde zwar weiter unterstützt, was auch an der direkten Mac-Unterstützung zu sehen ist, da aber ein ganzes Konsortium hinter OpenGL stehe, brauche OpenGL länger bei der Entwicklung.

Wie lange Rage nebst id-Tech-5-Engine noch in Entwicklung sein werden, war - wie bei id Software üblich - noch nicht zu erfahren. "When it's done", wiederholte Hollenshead den altbekannten Spruch. Den bereits auf der QuakeCon 2007 gezeigten Trailer mit Ingame-Grafik wollte id Software noch nicht herausgeben, er sei noch nicht freigegeben - so gibt es weiterhin nur die abgefilmten Videos im Netz.  (ck)


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Links zum Artikel:
id Software (.com): http://www.idsoftware.com/

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