Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0708/53851.html    Veröffentlicht: 01.08.2007 12:33    Kurz-URL: https://glm.io/53851

Angetestet: Blackberry 8310 alias Curve

Vodafone-Modell mit GPS

Vodafone nimmt den Blackberry Curve 8310 von Research in Motion (RIM) ins Programm: Das Gerät ist baugleich zum Curve 8300, den es bei T-Mobile gibt - bis auf einen wesentlichen Unterschied: Der Neuling ist mit einem GPS-Empfänger ausgestattet. Auf WLAN und UMTS muss der Nutzer allerdings verzichten. Was das neue Gerät taugt, hat Golem.de in einem kurzen Test untersucht.

Blackberry 8310
Blackberry 8310
Designtechnisch bleibt RIM seiner Linie treu: Der 8310 misst 106,8 x 60,4 x 16,4 mm und ist mit 110 Gramm durchaus hemdentaschentauglich. Das 50 x 38 mm große Farbdisplay stellt bis zu 65.534 Farben dar, die Auflösung liegt bei 320 x 240 Pixeln. Bei starkem Gegenlicht fängt das Display jedoch zu spiegeln an und das Lesen wird mühselig, aber nicht unmöglich, wie es bei dem HTC Touch beispielsweise der Fall ist. Insgesamt zählt der Bildschirm zu einem der besseren auf dem Markt.

Blackberry 8310
Blackberry 8310
Das Menü ist umfangreich und lässt sich je nach Geschmack mit verschiedenen Skins unterschiedlich darstellen. Leider passen nicht alle Menüpunkte auf den Bildschirm, der Nutzer muss also scrollen und hat daher niemals alle Menüpunkte im Blick. Dies geht zu Lasten der Übersichtlichkeit. Nicht neu, aber nach wie vor gelungen: Falls ein Icon mal nicht gleich deutlich verrät, welcher Menüpunkt sich dahinter verbirgt, steht noch als Text darunter, wofür das Symbol steht.

Neu ist die integrierte GPS-Funktion, die auf das Kartenmaterial des Vodafone Navigators zugreift und Geodaten von Navteq benutzt. Der Nutzer kann sich Adressen aus seinem privaten Telefonbuch, aus dem öffentlichen Telefon- und Branchenbuch (Klicktel) oder aus den "Points of Interest" heraussuchen und mit dem Vodafone Navigator den Weg lotsen lassen. Dabei lässt sich zwischen Fußgänger- und Autofahrermodus wählen.

Blackberry 8310
Blackberry 8310
Der Test von der U-Bahn zur Redaktion im Fußgängermodus hat allerdings noch nicht überzeugen können. Geht der Anwender nicht die von Vodafone vorgegebene Route, aktualisiert das System auch nicht automatisch neu, zumindest nicht, wenn der Nutzer einen schmalen Fußweg gehen will, den das System nicht kennt. Die Bestimmung des Standortes via GPS dauerte etwa drei Minuten, als wir aus der Münchener U-Bahn kamen, danach konnte das System die Position jedoch innerhalb einer halben bis einer Minute lokalisieren. Das System arbeitet offboard, d.h. die Karten liegen auf einem zentralen Vodafone-Server, aktuelle Verkehrsbehinderungen wie Staus oder Straßensperrungen werden bei der Routenplanung automatisch berücksichtigt.

Blackberry 8310
Blackberry 8310
Wer die Navigation nutzen möchte, muss die entsprechende Option für 5,- Euro pro Monat dazubuchen. Dafür erhält er Zugriff auf die Karten von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Allerdings wird der Traffic zusätzlich berechnet.

Um sich den Punkt, an dem sich der Nutzer gerade befindet, als Satellitenbild von oben anzeigen zu lassen, steht Google Earth vorinstalliert zur Verfügung. Die Daten liefert Google, auf dem Vodafone-Server werden sie mit dem Standort des Nutzers abgeglichen und anschließend als Bild aufs Mobiltelefon geschickt. Da das 8310 Daten nur via EDGE oder GPRS überträgt, gestaltet sich der Bildaufbau leider recht gemächlich.

Für Texteingaben gibt es eine QWERTZ-Tastatur, deren Tasten allerdings sehr eng beieinander liegen und so manchmal schwer zu treffen sind. Ein bisschen mehr Wölbung wäre wahrscheinlich hilfreich, um das Verwechslungsrisiko der Tasten zu minimieren. Eine integrierte und lernfähige Rechtschreibkorrektur soll helfen, Tippfehler zu vermeiden.

Zwischen Display und Tastatur befindet sich der bekannte Blackberry-Trackball, um darüber alle wesentlichen Funktionen des Gerätes zu bedienen. Es ist Geschmackssache, ob man lieber die Kugel schiebt oder ein Scrollrad am Rand bevorzugt wie es beispielsweise das SGH-i600 von Samsung anbietet. Einen Touchscreen hat Blackberry wie gewohnt nicht verbaut.

Blackberry 8310
Blackberry 8310
Der Handheld unterstützt den BlackBerry-Push-E-Mail-Dienst, bei dem eintreffende E-Mails automatisch auf dem Display des Geräts angezeigt werden. Die Erstellung eines Kontos ist unkompliziert, die wichtigsten und auch ein paar unbekannte Provider sind bereits hinterlegt, so dass der Nutzer nur noch den Provider auswählen und seine Zugangsdaten eingeben muss. Das System ermöglicht es, E-Mail-Anhänge herunterzuladen und in allen gängigen Formaten wie Microsoft Word, Excel, PowerPoint, Adobe PDF sowie Bilddateien der Formate JPEG, BMP und TIFF zu öffnen. Allerdings lassen sich die Dokumente auf dem 8310 nicht bearbeiten.

Testfoto
Testfoto
Die 2-Megapixel-Kamera mit 5fachem Digitalzoom und LED-Beleuchtung für schwache Lichtverhältnisse lässt sich über einen Knopf an der rechten Seite des Gerätes aktivieren - in etwa zwei Sekunden ist sie startbereit. Die Bildqualität lässt jedoch zu wünschen übrig. Wie die meisten in Smartphones verbauten Kameras ist sie auflösungsschwach, so dass die Bilder zu einem milchigen Einheitsbrei ohne Detailzeichnung verschwimmen. Das Grün gibt die Kamera gut wieder, braune Farbtöne zeigen dagegen eine Tendenz ins Magentafarbene. Zudem hat das Testgerät eine dezentrierte Linse, die Bilder entstehen lässt, die links scharf und rechts unscharf sind. Praktisch: Aufgenommene Bilder lassen sich direkt nach der Aufnahme als MMS, E-Mail oder über den BlackBerry-Messenger verschicken.

Neben der Kamera findet sich auch ein Media-Player an Bord. Der Mediaplayer erlaubt es, Videos als MPEG4-, H263 oder WMA-Filme zu betrachten und MP3-Musikdateien in den Formaten MP3, MIDI, AMR-NB, AAC/AAC+/eAAC+ und WMA abzuspielen. Für die ersten 5.000 verkauften Geräte verspricht Vodafone zusätzlich vorinstallierte 100 Songs (u.a. Abba) und 20 Videos des Labels Universal.

Der 64 Megabyte große interne Speicher lässt sich für sämtliche Musik-, Foto- und Videodaten durch Micro-SD-Speicherkarten auf bis zu 4 GByte erweitern.

Das BlackBerry Curve 8310 ist als Quadband-GSM-Gerät ausgelegt, das fast überall auf der Welt auf Empfang bleibt. Zur Kommunikation mit anderen Geräten stehen eine USB- und eine Bluetooth-Schnittstelle zur Verfügung. Der Akku soll laut Research in Motion bis zu 4 Stunden im Gespräch und 17 Tage im Standby durchhalten.

Die Sprachqualität ist mittelmäßig, die Lautstärke tendenziell eher einen Tick zu leise. So klingt die Stimme von Festnetz zu Handy sehr scheppernd, teilweise kommen die Worte auf dem Smartphone zerhackt an. Von Handy zu Smartphone ist der Klang weniger metallisch, dafür stark nasal, auch hier werden hie und da Silben verschluckt. Die integrierte Freisprecheinrichtung ist praxistauglich, allerdings muss der Gesprächspartner manchmal mit einem Echo leben. Reden beide Partner gleichzeitig drauf los, kommt es zu Aussetzern, die Gegenseite hört hier teilweise nicht alles.

Fazit

Vodafone und RIM haben dem 8310 alias Curve neben einer QWERTZ-Tastatur umfangreiche Software spendiert. Besonders praktisch ist das eingebaute GPS-Modul. Dennoch lässt das Mobiltelefon wichtige Funktionen wie WLAN und UMTS/HSDPA vermissen.

Der BlackBerry Curve 8310 soll bei Vodafone ab sofort für 99,90 Euro zu haben sein, wenn der Nutzer das Business KombiPaket Zuhause 240 für 54,95 Euro pro Monat kauft. Bis Ende Oktober wird es den Curve 8310 exklusiv bei Vodafone geben.  (yg)


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Links zum Artikel:
RIM - Blackberry: http://rim.com/
Vodafone: http://www.vodafone.de/

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