Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0707/53694.html    Veröffentlicht: 24.07.2007 17:52    Kurz-URL: https://glm.io/53694

Keine Copyright-Verlängerung für Musikaufnahmen im UK

Forderungen der Musikindustrie abgelehnt

Die britische Regierung hat heute die Verlängerung der urheberrechtlichen Schutzfristen für Musikaufnahmen von 50 auf 95 Jahre abgelehnt. Die Musikindustrie protestiert gegen die Entscheidung und sieht in ihr eine Enteignung.

Die heutige Entscheidung bedeutet einen herben Rückschlag für die Musikindustrie. Sie bemüht sich seit Jahren, in der EU und weltweit längere Schutzfristen für Aufnahmen auf Tonträgern durchzusetzen. In Großbritannien wie in den meisten anderen EU-Staaten sind Aufnahmen 50 Jahre lang nach Erscheinen urheberrechtlich geschützt. In den USA beträgt die Schutzfrist 95 Jahre und in Australien 70 Jahre. Die Rechte von Textern und Komponisten sind unabhängig von den Rechten der Aufnahme deutlich länger geschützt. Der Wegfall des Urheberrechtsschutzes betrifft lediglich aufführende Künstler wie Sir Cliff Richard, und die Plattenfirmen, von denen die Aufnahmen ursprünglich auf den Markt gebracht wurden.

Im vergangenen Jahr hatte der so genannte Gowers-Report die Verlängerung der Schutzfristen abgelehnt und heftigen Protest auf Seiten der Musikindustrie ausgelöst. Im Mai 2007 hatte der Kulturausschuss des Parlaments in einem Bericht eine Verlängerung der Schutzfrist auf 70 Jahre empfohlen. Die Regierung begründet in der Reaktion auf den Bericht ihre Ablehnung der Schutzfristverlängerung folgendermaßen: "Berücksichtigt man [...] den Einfluss auf die Gesamtwirtschaft, [...] wäre es für die Regierung unangemessen, auf die [EU-]Kommission [...] entsprechenden Druck auszuüben."

Die britischen Konservativen hatten sich zuletzt auf die Seite der Musikindustrie geschlagen. David Cameron, Vorsitzender der Konservativen, stellte Anfang Juli der Musikindustrie eine Schutzfristverlängerung auf 70 Jahre in Aussicht. Im Gegenzug sollte die Musikindustrie dabei helfen, die sozialen Probleme des Landes zu lösen. Cameron forderte die Musikindustrie kaum verholen zur Zensur auf. Statt Gewalt verherrlichender Songtexte sollten "positive Vorbilder für Jugendliche" angeboten werden, die diese "bewundern" und "zum Vorbild nehmen" könnten.

John Kennedy, Direktor des internationalen Verbands der Musikindustrie (IFPI) kommentierte die Entscheidung der britischen Regierung so: "Schon bald werden einige der großartigsten Werke britischer Musik den Künstlern weggenommen, die sie aufgeführt haben [...]". Alison Wenham, Vorsitzende des Verbandes der unabhängigen Musikproduzenten (AIM), sekundierte ihm: "Es ist einfach ungerecht, den britischen Musikern und Plattenfirmen dieselbe, lebenslange Belohnung zu verwehren, die andere Kreative [...] erhalten.". Geoff Taylor, Vorsitzender des britischen Verbandes der Musikindustrie (BPI), kündigte an, sich mit der Zurückweisung durch die Regierung nicht zufrieden zu geben: "Wie werden auf europäischer Ebene weiter für ein faires Urheberrecht kämpfen."

Auch in Deutschland setzt sich die Musikindustrie energisch dafür ein, eine Verlängerung der Schutzfristen auf 95 Jahre zu erreichen. Dabei wird sie tatkräftig von Veteranen des Musikgeschäfts wie Udo Jürgens unterstützt. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich das Anliegen unlängst persönlich vortragen. [von Robert A. Gehring]  (ji)


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