Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0707/53501.html    Veröffentlicht: 16.07.2007 08:15    Kurz-URL: https://glm.io/53501

Ermittlungsbehörden hören über Handy heimlich mit

Handys werden zu Wanzen

Früher brauchte die Polizei teure Abhörgeräte und einen Zugang zur Wohnung des Verdächtigen, den es abzuhören galt. Nun kaufen sich die Verdächtigen die Technik selbst, mit der sie überwacht werden. Nach einem Bericht des Spiegel nutzen deutsche Ermittlungsbehörden zum Abhören von Tatverdächtigen deren Mobiltelefone.

Zwar wird nicht näher darauf eingegangen, wie dies technisch im Einzelnen funktioniert, doch sollen die Geräte dabei wie ausgeschaltet aussehen, in Wirklichkeit aber Umgebungsgeräusche übertragen. Mehrere Landeskriminalämter setzen laut Spiegel die Methode ein.

Die Software-Manipulation aktiviert die Freisprecheinrichtung, obwohl beispielsweise das Display und die Betriebsleuchte aus seien. Mit der automatischen Rufannahme verbindet sich der Fahnder mit dem Gerät. Diese Methode ist allerdings schon des längeren bekannt.

Wie die Firmware geändert wird, ist nicht bekannt. Beispielsweise könnte die WLAN- oder Bluetooth-Schnittstelle das Einfallstor sein oder auch heruntergeladene Spiele, Bilder und Klingeltöne entsprechend "verseucht" werden, schreibt der Spiegel.

Die Methode funktioniert natürlich nur, wenn das Handy mit Strom versorgt werden kann. Fehlt der Akku, hat das Gerät auch für die Ermittler Sendepause. Auch versteckte oder gar offen herum liegende Handys, die die Polizei in den Räumen der Überwachten platziert hat, können preiswerte Wanzen abgeben.  (ad)


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