Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/9911/5318.html    Veröffentlicht: 26.11.1999 09:52    Kurz-URL: https://glm.io/5318

MS baut Hardware-Kopierschutz in Windows ein

Microsoft wird seinen OEM-Partnern eine Technologie zur Verfügung stellen, mit der die OEM-Versionen von Windows 95, 98, NT und 2000 ab kommenden Jahr mit der vertriebenen Hardware gebunden werden.

Anstatt mitgelieferter Vollversionen wird vom jeweiligen Integrator nur noch eine sogenannte Recovery-CD für das neue System beigelegt, die die Installation des Betriebssystems im Notfall ermöglicht. Das funktioniert aber nur auf dem jeweiligen Rechner, mit dem die CD abgegeben wurde. Auf anderen Modellen soll der Installationsvorgang nicht ausgeführt werden können.

Nach Meinung von Microsoft wurde die juristische Situation durch die engere Verknüpfung von Software und Hardware im OEM-Geschäft nicht tangiert: Microsoft OEM-Software durfte und darf aufgrund der Lizenz-Bestimmungen nur in Verbindung mit Hardware verkauft und eingesetzt werden.

Rein technisch war es aber bisher möglich, die Software illegal mehrfach zu installieren und einzusetzen.

"Gängig ist zum einen das getrennte Verkaufen von CDs mit OEM-Software und der eigentlich dazu gehörigen Hardware als eigenständige Vollprodukte", erläutert Rolf Schauder, Direktor der OEM- Abteilung der Microsoft GmbH.

Der jeweilige PC Hersteller kann entscheiden, ob er dem Endkunden eine an das jeweilige BIOS gebundene Recovery-CD mitliefert oder das Betriebssystem auf einer geschützten Partition der Festplatte zur Verfügung stellt.

Dies gilt aber nur für OEM-Partner, die einen direkten Lizenzvertrag mit Microsoft abgeschlossen haben.

Andere PC-Hersteller, die über die OEM-Distribution Microsoft DSP (Delivery Service Partner) -Produkte beziehen und mit ihren selbst hergestellten PCs vertreiben, sind von dieser Regelung nicht betroffen. Hier wird weiterhin eine Microsoft-CD Bestandteil des DSP-Produktes sein, dass nicht mit der Hardware verbunden ist.

Kommentar:

Mit den Problemen, die sich mit Bios-Updates, Mainboard- Wechseln und Software-Inkompatibelitäten ergeben dürften, werden letzendlich die großen PC-Hersteller, die sich dem Diktat von Microsoft beugen müssen, umzugehen haben.

Spricht sich herum, wie problematisch die PCs der großen Hersteller damit potentiell werden, ist das die große Chance kleinerer PC-Hersteller, die weiterhin normale Windows CDs beilegen dürfen. Bei ihnen hat der Kunde nicht zu befürchten, nach einem Boardwechsel ein neues Windows erstehen oder eine teure Vollversion kaufen zu müssen.

Unter diesem Gesichtspunkt ist Microsofts OEM Politik als Stärkung des kleinen Händlers um die Ecke zu bewerten.  (ad)


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