Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0706/52982.html    Veröffentlicht: 20.06.2007 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/52982

EU-Roaming-Tarife: Wie viel billiger wird es denn nun?

Netzbetreiber bieten lieber eigene Sondertarife – meist mit kleinem Haken

Es ist beschlossene Sache: Die von der EU festgelegten neuen Roaming-Gebühren treten Ende Juni 2007 in Kraft. Nun müssen die Netzbetreiber reagieren. Werden sie neue Auslandstarife bieten oder einfach nur strikt die Vorgaben umsetzen? Golem.de hat bei den Mobilfunkern nachgefragt, ob sie die Preise unter die vorgeschriebene Obergrenze senken werden.

In Zukunft dürfen im europäischen Ausland abgehende Gespräche ab Sommer 2007 maximal 49 Cent pro Minute plus Mehrwertsteuer kosten, für eingehende Anrufe können bis zu 27 Cent in der Minute plus Mehrwertsteuer abgerechnet werden. Die Netzbetreiber haben nun einen Monat Zeit, ihre Kunden über die neuen Tarife zu informieren, sie können ihnen aber auch alternative Angebote unterbreiten.

T-Mobile will die neu vorgeschriebenen Roaming-Grenzen bereits zu Beginn der Sommerferien abrechnen: Statt 59 Cent zahlt der Kunde in Zukunft 28 Cent pro Minute für Telefonate von und in die T-Mobile-Ländergruppe 1, die alle EU-Länder und Kroatien abdeckt. T-Mobile betont, dass damit die neuen Preise vor der Frist in Kraft treten, die die EU-Kommission den Mobilfunkanbietern gesetzt hatte. Für weltweite Handytelefonate fallen im Tarif T-Mobile Weltweit 58 Cent die Minute an.

O2 dagegen ist ein wenig zögerlicher: "Wir werden innerhalb von zwei Monaten, nachdem die Verordnung in Kraft tritt, alle Kunden, deren Gespräche im Ausland heute nach dem Roaming-Standardtarif abgerechnet werden, automatisch auf den regulierten Tarif aufschalten", teilt Christine Knöpfler Golem.de mit.

Vertragskunden mit einer speziellen Roaming-Option wie EU-Option, My Europe Top, International Option bei Business sowie Rahmenvertragskunden werden innerhalb eines Monats informiert und können auf Wunsch migrieren. Ihr Tarif wird dann innerhalb eines Monats umgestellt. Hier heißt es, genau rechnen.

Im Tarif My Europe Top beispielsweise werden 8,- Euro monatliche "Grundgebühr" fällig, dafür kosten abgehende Gespräche nur noch 39 statt 49 Cent pro Minute, 100 Minuten Auslandstelefonat in Zone 1 (Europa) sind monatlich inklusive. Hier lohnt sich der Vertrag nur bei sehr vielen oder sehr langen Telefonaten: Es müssen mindestens 80 Minuten Auslandsgespräch pro Monat zustande kommen, damit sich die 10 Cent Ersparnis pro Minute, die dieser Tarif garantiert, als günstiger erweisen.

Auch bei Vodafone werden die neuen Tarife erst später abgerechnet: Zunächst wird der Düsseldorfer Netzbetreiber wie vorgeschrieben binnen eines Monats ab Inkrafttreten der Verordnung alle Kunden über den neuen Eurotarif informieren, die Kunden können jedoch erst ab Ende August in den neuen Eurotarif wechseln. Kunden ohne spezifischen Roamingtarif, die sich nicht bei Vodafone melden, werden gemäß der Verordnung voraussichtlich Ende Oktober automatisch auf den neuen Eurotarif umgestellt. Alle Kunden mit einem spezifischen Roamingtarif wie dem ReiseVersprechen behalten ihren Tarif, es sei denn, sie wollen in den neuen Eurotarif wechseln.

Mit dem ReiseVersprechen telefonieren Vodafone-Kunden in 33 Ländern zum gleichen Minutenpreis, den sie auch zu Hause zahlen. Pro ab- oder eingehendes Telefonat kommt allerdings ein einmaliger Zuschlag von 75 Cent hinzu. Wenn man z.B. einen durchschnittlichen Minutenpreis von 18 Cent für das Telefonieren innerhalb von Deutschland annimmt, würden mit dem ReiseVersprechen auch von Spanien nach Deutschland für ein fünfminütiges Gespräch 5 mal 18 Cent plus einmalig 75 Cent = 1,65 Euro fällig. Mit dem regulierten EU-Roaming-Tarif müsste der Kunde 5 mal 49 Cent = 2,45 Euro bezahlen. Wenn der Vodafone-Kunde in Spanien angerufen wird, zahlt er nur 75 Cent fix.

Das klingt erst mal recht günstig, zumal für das ReiseVersprechen keine monatliche Grundgebühr fällig wird. Der Haken: Der Tarif gilt nur in den Vodafone-Netzen.

E-Plus schließlich will sich ebenfalls an die neuen Gebührenvorschriften halten und sie im Rahmen der gegebenen Fristen umsetzen. "Weitere Preissenkungen oder andere Tarifänderungen, die über die EU-Vorgaben hinausgehen würden, sind aus heutiger Sicht nicht geplant", sagt Jörg C. Müller-Dünow, Manager Corporate Communications bei E-Plus gegenüber Golem.de.

Allerdings hat auch E-Plus schon auf die Diskussion reagiert: Ab 1. Juli 2007 gilt drei Monate lang das "Holiday Special". Mit dem Holiday Special von BASE bzw. E-Plus zahlt der Kunde aus verschiedenen europäischen Ländern 25 Cent pro Minute, wenn er nach Deutschland telefoniert. Ankommende Gespräche werden ebenfalls mit 25 Cent pro Minute berechnet. Hinzu kommen wie bei Vodafone einmalig 75 Cent pro Telefonat. Gespräche unter drei Minuten schlagen damit de facto mit 50 Cent die Minute zu Buche.

Fazit: Die Mobilfunker setzen im Großen und Ganzen weiterhin auf ihre bestehenden Angebote und das Tarifangebot bleibt weiterhin so undurchsichtig wie eh und je.  (yg)


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Links zum Artikel:
E-Plus: http://www.eplus.de
O2: http://www.o2online.de
T-Mobile: http://www.t-mobile.de
Vodafone: http://www.vodafone.de/

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