Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0706/52764.html    Veröffentlicht: 08.06.2007 15:23    Kurz-URL: https://glm.io/52764

Spieletest: Herr der Ringe Online - Die Schatten von Angmar

Atmosphärisch beeindruckendes Online-Rollenspiel in Mittelerde

Turbine und Codemasters haben es endlich geschafft, ein gutes Online-Rollenspiel auf den Markt zu bringen: "Herr der Ringe Online - Die Schatten von Angmar". Mit vielen Geschichten um die Bewohner von Mittelerde und einer sehr schön anzusehenden eigenen Interpretation von J.R.R. Tolkiens Herr der Ringe kann sich der Spieler in die Schatten von Angmar stürzen.

Herr der Ringe Online - Die Schatten von Angmar (Windows-PC)
Herr der Ringe Online - Die Schatten von Angmar (Windows-PC)
Das Online-Rollenspiel "Herr der Ringe Online - Die Schatten von Angmar" entführt den Spieler nach Mittelerde, um dort gemeinsam mit anderen Spielern Abenteuer zu bestreiten. Zu Beginn des Spiels steht einem die Region Eriador für die Erkundung zur Verfügung. Im späteren Verlauf wollen Turbine und Codemasters die Welt noch erweitern, sei es über kostenlose Erweiterungen oder Erweiterungen, die separat angeboten werden.

Herr der Ringe Online
Herr der Ringe Online
Fängt der Spieler auf einem der insgesamt vier deutschen Server (drei reguläre und einer speziell für Rollenspieler) an, kann dieser zwischen vier Heldenrassen des Universums von Herr der Ringe wählen: Menschen, Zwerge, Hobbits und Elben. Die Möglichkeit, auch weibliche Helden zu spielen, hat der Bewohner von Eriador nur als Mensch, Hobbit und Elb.

Gandalf
Gandalf
Nach der Auswahl der Rasse geht es zur Klassenwahl. Hier findet sich größtenteils Bekanntes und jede Klasse wird jeweils mit einem Video näher betrachtet, das vor allem auf die Stärken im Teamspiel eingeht. Der klassische Magier findet sich jedoch nicht als Klasse, auch wenn andere Klassen diese Rolle mehr oder weniger simulieren. Magier sind der Welt von Herr der Ringe nicht allzu häufig anzutreffen, hier zieht die Romanvorlage enge Grenzen. Deshalb beschränken sich die Magier auch in dem Online-Rollenspiel auf Nicht-Spieler-Charaktere wie etwa Gandalf, den man durchaus zu Gesicht bekommt.

Alle Klassen haben gemein, dass sie vor allem auf das Gruppenspiel ausgerichtet sind und sich so ergänzen. In höheren Leveln beschweren sich jedoch schon einige Spieler, weil einige notwendige Klassen kaum Nachwuchs bekommen, hier muss der Entwickler Turbine wohl noch nachbessern, um einige Klassen attraktiver für die Spieler zu machen. Vor allem Barden, Schurken und Kundige sollen den Spielern zufolge Mangelware sein.

Ered Luin
Ered Luin
Bei der ersten Reise nach Mittelerde stellt man schnell fest, dass sich die Entwickler viel Mühe gemacht haben, um eine passende Atmosphäre zu schaffen. Wer die Filme kennt, wird merken, dass Herr der Ringe Online eine eigene, aber durchaus gelungene Interpretation des Tolkien-Universums bietet, angefangen bei der Musik- und Toneffektuntermalung über zahlreiche, die Welt belebende Personen in Mittelerde bis hin zu beeindruckenden Aussichten.

Thorins Hallen
Thorins Hallen
Die Grafik von Herr der Ringe Online gehört zum Besten des Genres: Die Welt ist detailliert und liebevoll gestaltet und die jeweiligen Regionen unterscheiden sich doch sehr deutlich. Überall gibt es neue Höhlen, Sehenswürdigkeiten und lebendig wirkende Städte zu erkunden. Dennoch fehlt es manchmal etwas an Atmosphäre, wenn etwa gepflasterte Gehwege etwas übertrieben die Sonnenstrahlen zurückwerfen, als seien sie gerade poliert worden. Einige Probleme mit zu viel Details gibt es zudem in Verbindung mit der Kamera, gerade bei dichter Vegetation sieht man zuweilen den Gegner vor lauter Bäumen nicht.

Herr der Ringe Online
Herr der Ringe Online
Die Welt selbst - auch wenn sie bisher nur einen Teil der Romanvorlage darstellt - ist sehr groß. Manchmal so groß, dass die langen Märsche schwer fallen. Zum Glück gibt es Reitpferde, mit denen größere Distanzen überbrückt werden können. Diese kann man entweder für eine feste Route mieten oder ab dem 35. Level selbst kaufen. In jedem Falle gehen größere Touren vor allem am Anfang ziemlich an die Silberstücke. Besonders wichtige Punkte werden jedoch besonders günstig verbunden und stehen auch ohne vorherige Entdeckung zur Verfügung.

Die Aufgaben für die Spieler sind ebenfalls mit viel Liebe zum Detail erstellt worden und erzählen selbst bei vergleichsweise langweiligen Aufgaben immer noch eine schöne Geschichte, die es lohnenswert macht, auch diese Quests zu vollenden. Dabei unterscheiden sich die Aufgaben zum Teil recht stark, auch regional. In der Nähe von Thorins Halle sind etwa als Zwerg Kanalreparaturen zu erledigen, während man im Auenland als Hobbit Nester nach Hühnereiern durchsuchen und aufpassen muss, nicht vom Hahn dabei entdeckt zu werden. Die von den Bewohnern Mittelerdes gestellten Aufgaben sind mit mit netten Ideen gefüllt, bei denen teilweise sogar auf die Tageszeit geachtet werden muss.

Herr der Ringe Online
Herr der Ringe Online
Bei dem Lesen der Aufgabenbeschreibungen sollte der Spieler ein wenig Aufmerksamkeit an den Tag legen. Ab und an findet sich die Lösung einer Aufgabe nur bei gewissenhafter Lektüre und guter Orientierung in der Umwelt. Das Questsystem bietet jedoch die Möglichkeit, eigentlich Vergangenes noch einmal durchzulesen. Wer beispielsweise mal eine Pause in einer Region einlegt, um neue Länder zu erkunden, findet durchaus wieder den Einstieg in eine länger anhaltende Aufgabenreihe.

Es reizt zudem durchaus auch, die Aufgaben anderer Regionen zu erfüllen, auch wenn diese für niedrigere Stufen gedacht sind. Geregelt wird das über das Buch der Taten, das noch zusätzliche Nebenaufgaben listet. Wer die Auftragsbeschreibungen einfach durchklickt, wird nicht weit kommen. Genauso wenig Spaß werden Spieler haben, die kein Interesse an der Geschichte haben.

Herr der Ringe Online
Herr der Ringe Online
Beendet man alle Aufgaben in einer Region, kann dies durchaus einen spielerisch nützlichen Bonus abwerfen, für das Rollenspiel gibt es zudem zahlreiche Titel, die man sich anheften kann. So kann den Mitspielern gezeigt werden, dass man sich etwa beim Schlachten von Goblins verdient gemacht hat. Einige Quests beziehen sich zudem auf das Crafting-System.

Weitblick im Auenland
Weitblick im Auenland
Gegenüber unserer Betavorschau wurde das Crafting-System, also das Herstellen von Gegenständen, etwas aufgebessert. Während es in der Beta mitunter Verwirrung stiftete, gibt es jetzt mehr Hilfen und Spieler bekommen bereits am Anfang seiner Crafting-Karriere einige einfache Werkzeuge mitgeliefert. Beim Herstellen von Gegenständen ist man recht abhängig von Waren anderer Spieler, so dass ab und an ein Blick ins örtliche Auktionshaus notwendig ist.

Wer genug von der Erledigung diverser Aufgaben für Hobbits, Zwerge oder Menschen hat, der kann ab der zehnten Spielstufe als Monster gegen andere Spieler kämpfen (Player vs Player - PvP) oder Aufgaben erledigen (Hobbit-Beine sammeln). Dabei spielen Monster in einem abgeschotteten Areal gegen die Helden von Mittelerde. Während man über ein Portal bereits ab dem zehnten Level in die PvP-Region kommt, kann man mit seinem Helden erst ab der 40. Spielstufe (von insgesamt 50) dorthin reisen. Das ausgewählte Monster fängt dabei grundsätzlich auf der 50. Spielstufe an und kann nur eingeschränkt verbessert werden. Ein Held-gegen-Held-Spiel ist nicht möglich und würde wohl auch nicht so recht in das Tolkien-Universum passen.

Monsterspiel
Monsterspiel
Wer an PvP nicht interessiert ist, kann darauf auch verzichten. Als Monster gibt es jedoch auch Belohnungen, die einem als Held weiterhelfen: Während des Erfüllens von Aufgaben auf der bösen Seite lässen sich so genannte Schicksalspunkte verdienen. Diese können auf beiden Seiten genutzt werden. Auf der Seite der Helden lassen sich damit etwa die Moral (Lebenspunkte) oder ähnliche Attribute temporär steigern. Die Zeitspanne reicht dabei von fünf Minuten bis zu einer halben Stunde. Auf der Seite der Monster lassen sich mit den Punkten dauerhafte Verbesserungen und Fähigkeiten kaufen.

Die PvP-Kämpfe gestalteten sich zwiespältig und sind nicht zuletzt von dem Fortschritt der Server-Population abhängig. Es fällt derzeit schwer zu beurteilen, in welche Richtung sich das PvP-Erlebnis entwickeln wird. Während des Testzeitraums war erwartungsgemäß vor allem die Monsterseite im Vorteil und das gesamte Gebiet stand unter deren Kontrolle. Die Heldenseite war nur selten in der Lage, etwas Anständiges entgegenzusetzen.

Hobbit-Beine sammeln
Hobbit-Beine sammeln
Auf Grund des frühen PvP-Zugangs ab Level 10 gibt es bei noch dünn besiedelten Servern einen gewissen Überhang an Spielern, die sich am Monsterspiel versuchen. Später sollte sich das wieder ausgleichen. Angenehm ist zudem, dass auch frische Spieler recht schnell in den Genuss eines einigermaßen chancengleichen PvP-Systems kommen können, ohne dazu im regulären Spiel gezwungen zu werden. Dass ein Level-50-Charakter einen mit dem Level 20 mit ein paar Schlägen niederstreckt, kann hier nicht passieren.

Wer Herr der Ringe Online lieber im englischen Original anstatt auf Deutsch spielen will, findet auf der DVD lobenswerterweise auch die englische Spielversion. Obwohl die deutsche Version gut übersetzt wurde, ist die Originalversion noch einen Tick besser. Insbesondere bei der Sprachausgabe sind die englischen Sprecher deutlich motivierter bei der Sache.

Leider erlaubt die Installationsroutine es nicht ohne weiteres, beide Sprachen zu installieren. Der Client besitzt jedoch (nach einer Reparatur) eine Vorkehrung, um die Sprache zu wechseln. Theoretisch zumindest, denn im Test funktionierte das auch nach mehreren Installationen nicht. Bei den meisten Versuchen kam es zu kryptischen Fehlermeldungen, die nur noch mit einer Deinstallation behoben werden konnten.

Herr der Ringe Online
Herr der Ringe Online
Neben dieses kleinen Sprach-Wechsel-Problems, das zugegebenermaßen die wenigsten betreffen sollte, fielen nur starke Ruckler in den Videosequenzen unter Windows Vista auf, die von Soundaussetzern begleitet wurden. Im Unterschied zur Betaversion kommt Herr der Ringe Online aber mittlerweile auch mit Vistas User Account Control zurecht. Andere Probleme sind während des Tests nicht aufgetreten.

Herr der Ringe Online
Herr der Ringe Online
Die Hardwareanforderungen von Herr der Ringe Online sind für ein Online-Rollenspiel recht hoch, verglichen mit aktuellen Spielen abseits des Genres aber als moderat zu bezeichnen. Bei höheren Grafikeinstellungen sollte insbesondere auf genug Arbeitsspeicher geachtet werden. Mehr als 1 GByte RAM sollte es schon sein, besser spielt es sich mit 2 GByte Arbeitsspeicher.

Herr der Ringe Online ist für Windows-PCs bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 39,- Euro. Die Preise für das Abonnement liegen bei 9,- bis 13,- Euro. Ein lebenslanges Abonnement gibt es seit kurzem für satte 220,- Euro (plus Spiel). Ursprünglich hat Codemasters Vorbesteller mit dem "einmaligen" Angebot geködert, das jetzige Angebot ist dennoch teurer als die damalige Collector's Edition, die noch einige zusätzliche Inhalte bietet und die es vereinzelt noch für 250,- Euro zu kaufen gibt.

Fazit:
Herr der Ringe Online erfindet das Rad nicht neu. Das Spiel nutzt Bewährtes eingebettet in sehr schöne Geschichten und eine beeindruckende, liebevoll gestaltete Welt - für Abwechslung ist gesorgt und in wenigen Tagen soll über eine Erweiterung ein neues Gebiet freigeschaltet werden. Außerdem gefällt, dass Turbine durchaus Wert auf Charakterindividualisierung legt. Wie bei allen Online-Rollenspielen lässt sich auch mehr als ein Monat nach dem Start noch längst nicht beurteilen, wie lange der Spaß anhält. Zu viel ist von dem Reifegrad der jeweiligen Server-Population abhängig. Insbesondere eine Bewertung des PvP-Spiels ist nicht möglich, dies lässt sich vermutlich erst in einigen Monaten auflösen. Der Anfang von Herr der Ringe Online sieht jedoch vielversprechend aus und macht Spaß.  (as)


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Links zum Artikel:
Codemasters: http://www.codemasters.de
Codemasters - Der Herr der Ringe Online (.com): http://www.lotro-europe.com/
Turbine Entertainment Software (.com): http://www.turbinegames.com

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