Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0706/52624.html    Veröffentlicht: 01.06.2007 16:26    Kurz-URL: https://glm.io/52624

Innenminister: Vorerst kein Verbot von Killerspielen

Herstellungs- und Vertriebsverbot soll aber überprüft werden

Die Innenminister von Bayern und Niedersachsen mögen es zwar gehofft haben, doch auch auf der am 1. Juni 2007 beendeten Innenministerkonferenz wurden weder eine Verschärfung der Regelungen zum Jugendschutz noch ein "Killerspielverbot" beschlossen. Eine Arbeitsgruppe der Länder soll nun klären, ob ein Verbot erforderlich ist oder nicht.

Seitens des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware e. V. (BIU) wird zwar begrüßt, dass sich auch die Innenpolitik mit dem Thema Jugendmedienschutz auseinander setze. Doch drängt der BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters als Vertreter der Spielebranche darauf, dass die bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten besser umgesetzt werden. "Ein zusätzliches Verbot ist nicht erforderlich", so Wolters.

Die Innenminister der Bundesländer hatten auch eine mögliche Verschärfung des Paragrafen 131 im Strafgesetzbuch diskutiert, der Gewaltdarstellungen in Computer- und Videospielen explizit verbietet. Das von Bayern und Niedersachsen geforderte Herstellungs- und Vertriebsverbot für Computer- und Videospiele fand keine Zustimmung.

Die Innenminister haben sich nur darauf geeinigt, mit Hilfe einer Arbeitsgruppe der Länder zu überprüfen, ob ein Verbot erforderlich ist oder nicht - und wollen dazu auch mit den Herstellern sprechen. Dennoch heißt es in einer Pressemitteilung, dass "erforderliche Verschärfungen des Jugendschutzes und ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele so schnell wie möglich umzusetzen" seien. Ein Zeitraum, innerhalb dessen die die Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse vorlegen muss, wurde hingegen noch gar nicht festgelegt, wie Golem.de auf Nachfrage erfuhr.

Bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) solle zudem darauf hingewirkt werden, "dass künftig im stärkeren Maße eine sehr restriktive Altersfreigabe von Gewalt verherrlichenden Computerspielen vorgenommen wird." Berlins Senator für Inneres, Dr. Ehrhart Körting, will das mit dem Vorsitzenden der Jugendministerkonferenz erörtern.

Die Spielebranche verweist darauf, dass sich einseitige Wirkungszusammenhänge zwischen virtueller und realer Gewalt wissenschaftlich nicht belegen lassen - was Verbotsforderungen sinnlos erscheinen lässt. "Es kann nicht sein, dass sich Verbotsforderungen auf eine Einzelstudie stützen, die von der Wissenschaft sogar als unseriös zurückgewiesen wurde", schießt Wolters in Richtung Prof. Christian Pfeiffer.

Pfeiffer ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) und seine dramatischen Einschätzungen werden immer wieder gern von Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) und Niedersachens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) zitiert. In Pfeiffers Forderungen nach einem "Killerspielverbot" wollten dessen Kollegen im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten gemeinsamen Forschungsberichts nicht einstimmen.

"Wir wissen zwar, dass interaktive Unterhaltung zeitlich begrenzte Auswirkungen auf die Spieler haben kann. Langfristige Effekte werden zwar vermutet, konnten bislang jedoch nicht nachgewiesen werden. Auf Grund der Wirkungsvermutung bietet die Industrie dennoch ein umfangreiches Jugendschutzsystem an. Das Alterskennzeichnungssystem, welches in Deutschland von den Obersten Landesjugendbehörden und der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle getragen wird, wird international als vorbildlich bezeichnet", so BIU-Chef Wolters. Das sei auch eines der Ergebnisse eines international besetzten Symposiums in Potsdam.

Darüber hinaus habe kürzlich eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Potsdam nachgewiesen, dass die Alterseinstufungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) im Grundsatz angemessen sind. Für den BIU ist die so genannte Leyen-Laschet-Initiative wegweisend, die die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und ihr nordrhein-westfälischer Amtskollege Armin Laschet im Februar 2007 angestoßen hatten.

"Wenn wir die Vorschläge der Minister aufgreifen und alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, können wir die Abgabe von nicht altersgerechten Computer- und Videospielen an Kinder und Jugendliche effektiv unterbinden", so Wolters. "Dazu gehört auch, die Eltern stärker in ihre Erziehungsverantwortung zu nehmen." Der BIU fordere deshalb eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung zum Jugendmedienschutz, keine Verbote.  (ck)


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Links zum Artikel:
BIU - Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. : http://www.biu-online.de/
Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle - USK: http://www.usk.de

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