Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0705/52319.html    Veröffentlicht: 16.05.2007 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/52319

Spieletest: Two Worlds - Angriff auf Gothic 3 und Oblivion?

Fantasy-Rollenspiel mit großem Umfang und kleinen Macken

Die polnischen Entwickler von Reality Pump - unter anderem bekannt durch den Strategie-Titel Earth 2160 - hatten viel vor mit ihrem Action-Rollenspiel Two Worlds; der Titel sollte nicht weniger als die Stärken solcher RPG-Platzhirsche wie Elder Scrolls IV: Oblivion und Gothic 3 vereinen und neue Maßstäbe im Genre setzen. Voll und ganz geglückt ist den Entwicklern dieses Unterfangen dann letztendlich allerdings doch nicht.

Two Worlds (PC, Xbox 360)
Two Worlds (PC, Xbox 360)
Im Fantasy-Reich Antaloor herrscht Krieg - und zwar die Art von Krieg, die schon so vielen anderen Rollenspielen als Ausgangssituation diente. Auch hier stehen sich die Menschen und die Orks gegenüber und bekämpfen sich bis aufs Blut, und natürlich kommt letztendlich dem Spieler die heldenhafte Aufgabe zu, den Konflikt zu entscheiden.

Two Worlds (PC)
Two Worlds (PC)
Dazu darf zunächst an der Erstellung des eigenen Charakters gefeilt werden, was im Vergleich zu anderen Rollenspielen eher optionsarm ausfällt - zwar sind diverse unterschiedliche Rüstungstypen und andere Kleinigkeiten variierbar, der männliche Held sieht am Ende aber irgendwie fast immer gleich aus; Frauen dürfen zudem nur im Multiplayer-Modus ausgewählt werden.

Two Worlds (PC)
Two Worlds (PC)
Die Einführung in die Geschichte ist dafür durchaus spannend - eigentlich ist das Alter Ego des Spielers nämlich ein Kopfgeldjäger, der eines Tages mitansehen muss, wie seine Schwester entführt wird. Ein mysteriöser Mann in Kapuze gibt dann den Tipp, dass das Verschwinden der Dame mit einem mysteriösen Amulett zusammenhängt, und eben dieses ist im Reich verschollen - was natürlich eine Odyssee einmal quer durch Antaloor nach sich zieht.

Two Worlds (PC)
Two Worlds (PC)
Antaloor wartet übrigens nicht nur mit unterschiedlichsten Regionen auf, die jeweils eigene Gebäude-, Landschafts- und Bewohnertypen bieten, sondern ist wirklich beeindruckend groß: Die von Reality Pump angegebenen 55 Quadratkilometer glaubt man den Entwicklern gerne. Gut also, dass schon bald nach Spielbeginn ein Pferd als Belohnung winkt, mit dem sich größere Entfernungen zurücklegen lassen; schade allerdings, dass sich vom Reittier aus zwar auch kämpfen lässt, die Steuerung des Tieres aber eher störrisch vonstatten geht.

Two Worlds (PC)
Two Worlds (PC)
Recht frei ist der Spieler bei der Entwicklung des Helden: Mit jedem Levelaufstieg lässt sich wieder darüber entscheiden, ob es eher in Richtung kriegstüchtiger Barbar, mächtiger Magier oder schlauer Dieb geht. Neben vier Grundfähigkeiten warten zudem unzählige Nebenskills darauf, nach und nach ausgebaut zu werden. Insgesamt spielt sich Two Worlds dabei angenehm unkompliziert: Die einfach per Mausklick zu absolvierenden Kämpfe stehen ganz klar im Mittelpunkt des Spiels, Rätsel und Taktik sind eher zweitrangig.

Two Worlds (PC)
Two Worlds (PC)
Two Worlds glänzt vor allem durch Masse, lässt es dabei teils aber an Feinschliff mangeln: So gibt es unzählige Quests, die beständig zu erfüllen sind; einige davon sind recht einfallsreich, meist handelt es sich allerdings um typische Sammeln-&-Abliefern-Aufgaben. Auch mit NPCs wurde nicht gegeizt, Antaloor ist voll von den unterschiedlichsten Charakteren; Leben ins Spiel bringt das aber trotzdem nur begrenzt, da Gespräche mit all diesen Personen oft alles andere als wirklich interessant sind und sich schnell wiederholen.

Und während die Außenareale mit tollen Wettereffekten und viel Detailreichtum aufwarten, langweilen die Dungeons und Häuser innen schnell mit eintönigem und beständig gleich aussehendem Interieur.

Two Worlds (PC)
Two Worlds (PC)
Hinzu kommen diverse technische Probleme, die darauf schließen lassen, dass ein paar Wochen mehr Entwicklungszeit dem Titel durchaus gut getan hätten - es gibt unschöne Clipping-Fehler, ein paar Logik-Bugs, vor allem aber massive Hindernisse im Multiplayer-Modus - Verzögerungen und gekappte Verbindungen drücken hier massiv den Spielspaß, allerdings wird bereits mit Patches nachgebessert; unter 2-worlds.com stehen bereits die Updates 1.1 und 1.2 zum Download bereit, die unter anderem Probleme mit Radeon-Karten beheben.

Two Worlds: Die Spielkarte
Two Worlds: Die Spielkarte
Two Worlds ist für PC bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 40,- Euro. Zusätzlich ist auch eine Royal Edition verfügbar, die etwa 60,- Euro kostet und zusätzlich noch mit T-Shirt, Making-OF-DVD, Soundtrack und Brieföffner aufwartet. Die ebenfalls angekündigte Xbox-360-Version wurde kurzfristig verschoben.

Fazit:
Two Worlds hat viel mit Gothic 3 gemeinsam - die Entwickler hatten ähnlich hoch gesteckte Ziele, sind bei der Umsetzung zum Teil aber offensichtlich an ihre Grenzen gestoßen. Technische Mankos, teils stereotype Quests und monotone Dungeons zehren an der Motivation, an der Vormachtstellung eines Oblivion wird nicht gekratzt. Spaß - und zwar für wirklich viele Stunden - macht Two Worlds trotzdem: Der Spielumfang ist gigantisch, die Außenareale wunderschön anzusehen, die Charakterentwicklung vielfältig. Wer also nicht mit zu hohen Erwartungen an den Titel herangeht, wird im Reich Antaloor durchaus eine spannende Zeit verbringen.  (tw)


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