Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0704/51609.html    Veröffentlicht: 11.04.2007 11:31    Kurz-URL: https://glm.io/51609

Palm entwickelt PalmOS-Variante mit Linux-Kernel

Erste Geräte mit neuer Plattform für Ende 2007 geplant

Auf einer Analysten-Konferenz hat Palm enthüllt, dass der Smartphone-Hersteller das bisherige PalmOS 5 alias GarnetOS so umbauen will, dass dieses auf einen Linux-Kernel setzen wird. Erste Geräte mit diesem angepassten PalmOS sollen Ende 2007 auf den Markt kommen und dann möglicherweise mit Operas Webbrowser bestückt sein.

Vor rund fünf Jahren hat Palm das Betriebssystem-Geschäft ausgelagert, um eine stärkere Verbreitung von PalmOS zu ermöglichen. Fortan hatte PalmSource die Weiterentwicklung und Vermarktung von PalmOS übernommen, während Palm als Lizenznehmer auftrat und Geräte mit PalmOS produzierte und auf den Markt brachte.

Dieses Vermarktungsmodell hatte einige Jahre gut funktioniert, so dass unter anderem Sony und Handspring als weitere PalmOS-Lizenznehmer neben Palm auftraten. Im Februar 2005 stellte Sony aber seine PDA-Reihe ein und Handspring verschwand vom Markt, nachdem Palm und Handspring im Juni 2003 fusionierten. Seitdem ist Palm der letzte große Lizenznehmer von PalmOS. Während PalmSource und Palm über Jahre hinweg erfolgreich zusammenarbeiteten, hat sich die Zusammenarbeit deutlich verschlechtert, nachdem PalmSource von Access im September 2005 aufgekauft wurde.

Seit Dezember 2006 hat Palm vollen Zugriff auf den Sourcecode von PalmOS 5 alias GarnetOS und darf das Betriebssystem nach Belieben verändern. Diese Möglichkeit nutzt Palm nun und versieht das Betriebssystem mit einem Linux-Kernel. Womöglich wird darin Opera als Standard-Browser verwendet. Das neue System wird aller Voraussicht nach kompatibel zu PalmOS 5 sein. Nähere Details sind bislang nicht bekannt, so wurde auch noch kein Produktname für die neue Plattform verraten.

Bereits im März 2006 gab es ein Gerücht, wonach Palm an einem Smartphone auf Linux-Basis arbeitet. Mit der jetzigen Ankündigung bestätigt sich diese Vermutung nun zumindest teilweise. Palm will bis Ende 2007 erste Geräte mit einem Linux-PalmOS auf den Markt bringen. Zudem will Palm im Laufe des Jahres neue Geräte mit dem normalen PalmOS 5 ankündigen. Palm wird diese Plattform nicht an andere Gerätehersteller lizenzieren, so dass es nur exklusiv in Palm-Geräten zu finden sein wird. Weiterhin will Palm Geräte mit PalmOS sowie Windows Mobile entwickeln und anbieten.

Um die Markteinführung neuer Produkte zu beschleunigen, hat Palm die Entwicklungsarbeit modifiziert. Die Entwicklungsabteilung erstellt nun Hardware-Plattformen, die sowohl mit PalmOS als auch mit Windows Mobile laufen. Durch diesen Schritt sollen im kommenden Jahr deutlich mehr Geräte von Palm als bisher auf den Markt gebracht werden können.

Für Access dürfte Palms Entscheidung eine herbe Niederlage darstellen. Denn mit der Ankündigung einer auf Linux aufsetzenden PalmOS-Variante wird klar, dass Palm den von Access entwickelten PalmOS-Nachfolger namens Access Linux Plattform (ALP) nicht verwenden wird. Derzeit ist Palm der wichtigste und mit Abstand bedeutendste Lizenznehmer von PalmOS.

Es erscheint unwahrscheinlich, dass andere Firmen ein gesteigertes Interesse an ALP zeigen werden. Das könnte bedeuten, dass ALP eine Totgeburt wird, weil keine Geräte mit der neuen Plattform auf den Markt kommen. Das gleiche Schicksal ereilte bereits das damalige PalmOS 6 alias Cobalt von PalmSource, das ebenfalls niemals in Geräte Einzug gehalten hat.  (ip)


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Links zum Artikel:
Palm Computing (.com): http://www.palm.com/

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