Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0704/51474.html    Veröffentlicht: 02.04.2007 14:43    Kurz-URL: https://glm.io/51474

DRM ade

Premium-Downloads ohne DRM und in höherer Audio-Qualität

Mit EMI kündigte heute die erste der vier großen Plattenfirmen an, künftig alle online verkauften Musiktitel auch ohne Kopierschutz anzubieten. EMI hofft, dass sich die Musikdateien ohne DRM und zudem in höherer Audio-Qualität besser verkaufen, lassen sie sich doch ohne Einschränkungen auf allen Abspielgeräten wiedergeben. Als Partner ist Apple im Boot.

EMI will Online-Anbietern die DRM-freien Downloads in verschiedenen Bitraten anbieten, bis hin zu CD-Qualität, heißt es in der Ankündigung. Als erster Anbieter wird Apple DRM-freie Musik von EMI über iTunes anbieten. Diese werden als "Premium Download" vermarktet und sollen bessere Audio-Qualität liefern als die derzeit mit DRM versehenen Titel.

Über iTunes soll es die Musik von EMI ab Mai 2007 in besserer Qualität geben - 256 KBit/s statt 128 KBit/s. Als Codec kommt wie bislang AAC zum Einsatz. Die Preise sind dafür dann aber auch höher als bisher: 1,29 Euro soll ein Titel dann kosten, während mit DRM versehene Titel mit 128 KBit/s weiterhin für 0,99 Euro zu haben sein sollen.

Wer über iTunes ein komplettes Album kauft, erhält es weiterhin zum gleichen Preis, aber in besserer Qualität und ohne DRM. Und wer bisher gekaufte Titel vom Kopierschutz befreien will, zahlt 0,30 Euro pro Song. Zudem sollen auch Musik-Videos von EMI ohne DRM angeboten werden.

EMIs Angebot an DRM-freier Musik bleibt aber nicht auf iTunes beschränkt, auch anderen Shops bietet EMI die neuen "Premium-Downloads" an - Einzeltitel gibt es dann zu höheren Preisen, ganze Alben bleiben ohne Preisänderung. Die Shops könne dabei die Bitrate und den Codec wählen, wobei AAC, WMA und MP3 angeboten werden, aber auch andere Formate genutzt werden dürfen.

Tauschbörsen und gebrannte CDs macht die Musikindustrie nach wie vor für den Rückgang ihrer Absatzzahlen verantwortlich. Um dies aufzuhalten, reagierten die Unternehmen zunächst mit Einschränkungen. So wurden CDs mit Kopierschutzsystemen versehen, die zwar ein Kopieren nicht wirklich verhindern konnten, dafür aber so manch ehrlichen Kunden ärgerten, da die Scheiben in manchen CD-Playern nicht korrekt funktionierten oder im Fall von Sony/BMG ungefragt Rootkits mit Sicherheitslücken installierten.

Während die Musikindustrie von Kopierschutzsystemen bei CDs eher wieder abgerückt ist, wird über das Internet verkaufte Musik mehr oder weniger gut durch DRM-Systeme geschützt, was dafür sorgt, dass z.B. bei iTunes gekaufte Songs nur auf Apples iPod laufen und umgekehrt, Musik, die mit Microsofts DRM versehen ist, eben nicht auf dem iPod funktioniert. Auf Basis dieser Einschränkung der Rechte bieten Unternehmen wie Napster mittlerweile Musik-Flatrates an. Dabei kann zwar unbegrenzt Musik heruntergeladen werden, wird das Abo gekündigt, soll das DRM ein weiteres Abspielen der Titel aber verhindern.

Zudem lässt sich mit DRM die Möglichkeit einer Privatkopie aushebeln. Zwar ist es erlaubt, auch Musik zu privaten Zwecken zu kopieren. Wird das Medium jedoch mit technischen Maßnahmen gegen ein Kopieren geschützt, ist dem Käufer einer CD oder einer Musikdatei dieser Weg versperrt, denn es ist gesetzlich untersagt, einen solchen Kopierschutz zu umgehen. Noch weitgehend ungeklärt ist die Frage, was unter die im Gesetz genannten "wirksamen technischen Maßnahmen" (UrhG § 95a) fällt (siehe auch, iRights.info: Privatkopie und Co. - Kopierschutz knacken verboten.

Einige kleinere Musik-Labels verzichten schon seit geraumer Zeit ganz bewusst auf Kopierschutzmaßnahmen. Der VUT (Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten) hat dazu die Aktion "Respect the Musik - copy protection free" ins Leben gerufen. Four Music, das ehemalige Label der Fantastischen Vier, ist nur ein Beispiel für einen Anbieter, der Musik seiner Künstler in Form DRM-freier MP3-Dateien zum Download bereitstellt.

EMI ist nun das erste große Plattenlabel, das sich auf DRM-freie Downloads einlässt und seinen Kunden damit mehr Freiheit gewährt. Flatrates, wie sie Napster anbietet, wird es ohne DRM bei EMI aber auch jetzt nicht geben, für "innovative Geschäftmodelle" werde man auch künftig auf DRM setzen. Käufer der DRM-freien Musik erhalten aber Musik-Dateien, die sie ohne Einschränkungen auf einen Player ihrer Wahl abspielen oder auf CD brennen können.  (ji)


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Links zum Artikel:
EMI Music: http://www.emimusic.de

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