Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0703/51224.html    Veröffentlicht: 20.03.2007 19:39    Kurz-URL: https://glm.io/51224

Blu-ray und HD-DVD - Der Kampf ist vorbei

Koexistenz beider Formate absehbar

Auch auf der CeBIT 2007 spielte der "Kampf" der beiden konkurrierenden DVD-Nachfolger, der Blu-ray Disc und der HD-DVD, wieder eine Rolle. Doch während die Blu-ray Disc Association noch vom Sieg ihres optischen Datenträgers binnen drei Jahren träumte, haben sich die Hersteller hinter den Kulissen längst auf die Koexistenz beider Formate eingestellt.

Sowohl bei der Blu-ray Disc als auch der HD-DVD müssen die Versprechen, aus einem Tröpfeln von hochauflösenden Filmen einen stetigen Strom zu machen, noch eingelöst werden. Bis jetzt haben nur eine Hand voll hochauflösender Filme ihren Weg in den europäischen Handel gefunden. Und nur wer beide Formate abspielen kann, der wird nichts verpassen - denn nicht alle Filme erscheinen für beide Formate, vor allem nicht die von Sony. Ansonsten bleibt aber immer noch die deutlich günstigere DVD, welcher die Branche noch ein langes Leben prophezeit.

Von der Auflösung der hochauflösenden Filmen profitiert in der Regel nur, wer bereits einen Flachbildfernseher mit größerer Bilddiagonale und einer Auflösung ab 1.280 x 720 (720p) Bildpunkten hat. Wirklich auffällig wird der Unterschied zur DVD, wenn ein hochauflösender Projektor in Verbindung mit einer großen Leinwand zum Einsatz kommt - die Grenzen der DVD werden bei der starken Vergrößerung nämlich recht schnell deutlich.

Blu-ray Disc und HD-DVD sollen jedoch nicht nur mit ihrer Auflösung glänzen, sondern auch deutlich interessanteres Bonusmaterial ermöglichen. Und dazu war auf der CeBIT - zumindest im Rahmen der HD-DVD-Pressekonferenz - endlich mal zu sehen, wie das aussehen könnte. Gezeigt wurde das am Beispiel der ersten Folge der sechsteiligen japanischen Anime-Serie Freedom Project aus dem Jahre 2006.

Während bisherige HD-DVDs bisher kaum Nutzen aus den interaktiven Möglichkeiten des Mediums ziehen, fängt Bandai bei der Freedom-HD-DVD schon an, mit den in Aussicht gestellten Online-Funktionen zu spielen. Aus dem Menü der HD-DVD kann so etwa vom vernetzten HD-DVD-Player zusätzliches Filmmaterial heruntergeladen werden, in der Demonstration war es noch ein kurzes niedrig auflösendes Video. Für die Zukunft wären aber auch höher auflösende vollständige Serienfolgen oder Filme denkbar - abhängig von der Bandbreite.

Per Bild-in-Bild-Funktion konnten zudem Storyboard und Film gleichzeitig dargestellt werden. Außerdem lässt sich mittels eines neuen Skins die Bedienoberfläche der HD-DVD komplett verändern. Damit erhält dann die Freedom-HD-DVD ein neues Aussehen und eine Kapitelfunktion, die vorher nicht zu sehen war.

Mit allzu vielen unterschiedlichen HD-DVDs lässt sich das aber nicht machen, wenn der Speicher des Abspielgeräts zur Neige geht. Allerdings bietet der USB-2.0-Steckplatz von Toshibas HD-DVD-Playern wohl irgendwann die Möglichkeit, mehr Speicherkapazität in Form von USB-Laufwerken anzustöpseln.

Wer sich Filme gerne aus dem Ausland bestellt, um möglichst früh an sie heranzukommen, der wird besonders an einer weiteren Funktion der bisher noch nicht für Europa angekündigten Freedom-HD-DVD interessiert sein: Im Rahmen der Präsentation wurde über das HD-DVD-Menü eine deutsche Untertitelung per Internet nachgeladen.

Wer hier etwas Fantasie hat, der wünscht sich schnell eine Möglichkeit, auch neue Audiospuren oder Fan-Übersetzungen laden zu können. Aber ganz so weit wird es dann wohl doch nicht gehen, denn ihren eigenen Fans trauen die Filmstudios oder deren Rechtsabteilungen selten über den Weg.

Bandai will "Freedom Vol. 1" Ende Juni 2007 zeitgleich in den USA und in Japan auf einer Hybrid-Scheibe herausbringen, wobei die von Memory-Tech und Toshiba entwickelte "HD-DVD/DVD-Twin" zum Einsatz kommt. Die eine Seite davon ist eine HD-DVD, in diesem Fall mit VC1-Codec kodiert, die andere Seite eine herkömmliche Single-Layer-DVD, die in jedem DVD-Player laufen soll.

Genauer gesagt: Die DVD-Seite läuft in den DVD-Playern, die den passenden Regional-Code vorweisen können, während die HD-DVD bisher keine Regional-Codes kennt, was sich aber in den nächsten Jahren ändern könnte.

Zumindest einige Filmstudios wollen nicht von dieser Kontrollmöglichkeit lassen, welche die Märkte voneinander trennen soll. Toshiba zufolge ist aber noch nicht einmal klar, wie die Regional-Codes umgesetzt werden - die aktuellen HD-DVD-Player sollen auch in Zukunft Regional-Code-frei bleiben und später nicht ausgesperrt werden.

Dass bisher kaum Blu-ray- und HD-DVD-Filme mit aufwendigem Bonusmaterial und Online-Extras existieren, liegt auch daran, dass der komplexe Code die Authoring-Studios vor neue Herausforderungen stellt. Es dauere etwa neun bis zwölf Monate, um die erste HD-DVD zu entwickeln, so die Erfahrung von Lubomir Celar, der Mitgründer und Chef der Prager Produktionsstudios Digital Media Productions (DMP) und Universal Production Partners (UPP) im Rahmen der HD-DVD-Pressekonferenz auf der CeBIT. Seine Studios haben unter anderem die europäische Sprachversion der Herr-der-Ringe-Spielfilm-DVDs produziert. Kritik übte Celar am Blu-ray-Lager, das sich kaum um europäische Produktionsstudios kümmere.

In diesem Bereich will die HD-DVD Promotion Group es eigenen Angaben zufolge besser machen - und gab anlässlich der CeBIT die Gründung einer "European Promotional Group" bekannt. Ziel sei es, europäische Filmwirtschaft - darunter die Film- und Authoring-Studios - einzubeziehen und letztlich auch für das Format und seine Möglichkeiten zu gewinnen. Auch unabhängige Filmproduzenten sollen umworben werden.

Bereits jetzt stammen laut HD-DVD Promotion Group mehr als ein Drittel der HD-DVD-Filme aus Europa und würden bisher nur auf HD-DVD, nicht aber auf Blu-ray vorliegen. Die Blu-ray Disc Association hofft, dass bald auch der europäische Markt auf ihren Zug aufspringt, in der Pressekonferenz ging es aber eher um Filme der großen Hollywood-Studios.

Man darf also gespannt sein, wie sich das Filmangebot im Laufe der nächsten Monate und Jahre entwickeln wird. Zumindest für den Moment sieht es so aus, als ob die HD-DVD nicht nur wegen des noch fehlenden Regional-Codes für Cineasten mit Hang zu Hollywood-fernen Filmen relevanter sein könnte. Letztlich gilt das aber vermutlich sowohl für Blu-ray als auch HD-DVD, denn wer außer Filmfans interessiert sich schon für die beiden DVD-Nachfolger, die vor allem erstmal Investitionen in ein ganzes Sammelsurium neuer Technik erfordern. Die DVD erfreut sich derweil weiter steigender Verkaufszahlen, während ihre Nachfolger im Verkaufsrang noch unter "ferner liefen" zu finden sind.  (ck)


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Links zum Artikel:
Bandai Visual (.us): http://www.bandaivisual.us/
Blu-ray Disc Association (.com): http://www.blu-raydisc.com/
HD DVD Promotion Group (.com): http://www.hddvdprg.com/
Toshiba: http://www.toshiba.de

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