Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0703/51039.html    Veröffentlicht: 13.03.2007 14:51    Kurz-URL: https://glm.io/51039

Spieletest: Tortuga - Handzahme Piraten-Action

Neuer PC-Titel von Ascaron enttäuscht mit zu linearem Gameplay

Piraten sind weiterhin ein Trendthema - vor allem der Erfolg der "Fluch der Karibik"-Filme dürfte dafür verantwortlich sein, dass das Freibeuter-Dasein über alle Medienkanäle eine beeindruckende Renaissance erlebt. Auch die Entwickler von Ascaron kommen von der Karibik und den Totenkopf-Flaggen nicht los; mit "Tortuga - Two Treasures" dürften sie allerdings nur solche Spieler an Bord holen, die sich sonst eher selten zum Spielen an den PC setzen.

Tortuga (Windows-PC)
Tortuga (Windows-PC)
Die Story von Tortuga scheint direkt dem Karibik-Klischee-Handbuch entnommen zu sein: Thomas, Kapitän eines Piratenschiffes, ist auf der Suche nach einem legendären Schatz, wird unterwegs allerdings von seinem Chef Blackbeard verraten - und muss sich fortan nicht nur auf eigene Faust auf die Suche nach den legendären Wertgegenständen machen, sondern auch noch Rache am Vorgesetzten nehmen. Ein Geisterschiff und ein Fluch sind auch mit dabei, so dass die durchaus nett anzusehenden und recht zahlreichen Zwischensequenzen immer mal wieder doch deutlich durchblicken lassen, dass Captain Jack Sparrow und Co. hier durchaus inspirierend auf die Entwickler gewirkt haben dürften.

Tortuga
Tortuga
Spielerisch hingegen ist das Ganze deutlich an den Klassiker Pirates angelehnt: Auf dem glänzenden Wasser wird zwischen den Karibik-Inseln hin- und hergeschippert, und sobald andere Piraten oder Handelsschiffe am Horizont auftauchen, geht es ans Kapern. Prinzipiell wird dabei immer versucht, den Kahn so in Stellung zu bringen, dass mit den Kanonen eine satte Breitseite abgefeuert werden kann, ein paar Extras bringen allerdings Abwechslung ins Gefecht. Mit Kartätschen wird zunächst die gegnerische Besatzung reduziert, Kettenkugeln zerstören die Segel und somit die Manövrierfähigkeit des fremden Kahns. Auch durch geschickt platzierte Sprengfässer lässt sich der Moment der Zerstörung - was Gold, Reparatur-Kits und andere nützliche Items einbringt - oder je nach Spielsituation der des Kaperns schnell herbeiführen.

Recht monoton wird das Ganze dann allerdings, sobald es ans Kapern geht - von spannenden Fechtkämpfen will Tortuga nämlich nichts wissen. Die Gefechte verkommen recht fix zu wilden Klickorgien, da im Grunde nur abwechselnd die Maustasten zum Angriff und zur Verteidigung malträtiert werden müssen. Taktischen Tiefgang und spielerische Abwechslung sucht man da vergeblich, ebenso wie Spannung: Schon nach den ersten Spielstunden sinkt die Motivation, sich erneut durch die Gegnerhorden zu klicken, auf ein Minimum.

Tortuga
Tortuga
Dieser Effekt wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass auch bei den immer wieder anstehenden Landgängen nicht mehr zu tun ist als sich der feindlichen Piratenbrut mit der Maus in den Weg zu stellen; das Spiel ist hierbei äußerst linear und lässt im Grunde keinerlei Freiheiten zu. Zwar gibt es die eine oder andere Spezialattacke zu lernen, das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ascaron keinerlei Wert auf vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten gelegt hat - der Spieler kann von der ersten bis zur letzten Minute nur in einem sehr eng vorgegeben Rahmen agieren und muss dabei im Grunde immer dasselbe machen.

Tortuga
Tortuga
Wen die Sehnsucht dann nach mehr Tiefgang und spielerischer Freiheit packt, dem kann durch die beiliegenden Bonus-Klassiker geholfen werden - Ascaron hat noch drei weitere Spiele mit ins Paket gepackt, nämlich "Patrizier II Gold-Edition", "Port Royale Gold" sowie "Piraten - Herrscher der Karibik". Vor allem die Wirtschaftssimulation Patrizier II kann auch heute noch für zahlreiche Stunden an den Monitor fesseln - und begeistert auf jeden Fall deutlich mehr als der Titel, dem es eigentlich nur als kostenlose Zugabe beiliegt.

Tortuga - Two Treasures ist bereits im Handel erhältlich und kostet knapp 40,- Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren.

Fazit:
Trotz gelungener Karibik-Atmosphäre und stimmungsvoller Zwischensequenzen kann Tortuga wirklich nur absoluten Gelegenheitsspielern ans Herz gelegt werden - Ascaron hat den Umfang und die spielerischen Möglichkeiten dieses Titels derart beschnitten, dass sich schon bald Monotonie dank der sich ständig wiederholenden Kämpfe und mangelnder Abwechslung einstellt. Alleine die Tatsache, dass die alten, als Bonus beiliegenden Ascaron-Titel in puncto Spielspaß und Langzeitmotivation Tortuga deutlich überlegen sind, spricht nicht gerade für die Qualität dieses Titels.  (tw)


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