Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0703/50996.html    Veröffentlicht: 10.03.2007 13:10    Kurz-URL: https://glm.io/50996

GDC: CryEngine 2 beeindruckt Designer

Neue Engine kann ab sofort lizenziert werden

Auf der GDC stellte Crytek seine neue, ab sofort für Spieleentwickler erhältliche Engine vor. Die zuhauf anwesenden Designer waren sehr angetan. Schon kurz vor Beginn der Messe wurde bekannt, dass Electronic Arts die CryEngine 2 lizenziert - sicherlich nicht schädlich für die deutsche Firma Crytek, die mit ihrem Debüt FarCry (Publisher: Ubisoft) einen internationalen Achtungserfolg erzielte und mit Crysis (Publisher: Electronic Arts) endgültig in den Action-Olymp aufsteigen möchte. Wir haben einige Bilder und ein Video der neuen Engine.

Depth of Field
Depth of Field
Der Crytek-Stand auf dem Showfloor West der GDC war dann auch einer der umlagertsten der ganzen Halle, selbst am letzten Messetag drängelten sich noch die Besucher vor den Monitoren oder lauschten den regelmäßigen Demonstrationsvorführungen. "Die haben schon ein Spiel rausgebracht, FarCry heißt das, glaube ich" war zu hören, oder auch "Das ist eine der Top-3-Grafikengines" und "Keiner macht eine schönere Vegetation." Wohlgemerkt, bei den Zitierten handelt es sich um US-amerikanische Programmierer, nicht um deutsche Spieler. Auch von dem Umstand, dass sich im Editor einfach Objekte und Gegner platzieren lassen und ohne Kompilierungsvorgang sofort auf sie geschossen werden kann, inklusive aktivierter Physik, kam gut an. Crytek nennt das, in Anlehnung an das alte Textverarbeitungsakronym WYSIWYG (What you see is what you get): "What you see is what you play."

Time of Day
Time of Day
Die Featureliste der CryEngine 2 ist lang, lässt sich aber in die vier Hauptbereiche Physik, Welt, Charaktere und Grafikeffekte einteilen. Die physikalischen Regeln innerhalb der Engine erreichen langsam die Wirklichkeit, wie auch im Video zu sehen. Da schlittern und vibrieren Panzer, da scheppern Granateneinschläge, da bewegt sich die Vegetation täuschend echt. Dank "Advanced Rope Physics" kann CryTek das partielle Auseinanderbrechen einer Hängebrücke simulieren, dank "Component Vehicle Damage" Fahrzeuge Stück für Stück auseinander nehmen lassen. Außerdem sind angeblich alle Gebäude zerstör- und die gesamte Vegetation zerfledderbar.

3D-Ocean-Technology
3D-Ocean-Technology
In Sachen Weltdarstellung legt die neue Engine im Vergleich zur Vorgängerin nochmal einen drauf, und das will etwas heißen: FarCry erregte schließlich insbesondere auf Grund seiner großen Weitsicht - im Hintergrund sichtbare Berge waren oft wirklich durch Laufen oder Fahren zu erreichen - Aufsehen. Entsprechend ist "Long Range View Distance" auch in der CryEngine 2 ein Gut, mit dem die Firma hausieren geht. Dank "Time of Day Lighting" können die Lizenznehmer ihre Spiele nun tageszeitabhängig ausleuchten, es ändern sich Farben, Helligkeit, Stand der Sonne und damit der Schattenwurf sämtlicher Objekte. Besonders schön in der Demonstration anzusehen ist die "3D-Ocean Technology": Wasser ist nicht nur eine Fläche oder, wie bei Segelsimulationen mittlerweile üblich, eine Ansammlung halbwegs ansehnlicher "Polygon-Wellen", sondern sieht realistisch bewegt aus, mit sanft am Strand auslaufenden Wellen.

Bei der Figurendarstellung liefert die neue Engine "Facial Animation" mit, so dass tumbe Gegner nicht immer wie tumbe Gegner aussehen, sondern auch mal wie wütende tumbe Gegner oder überraschte tumbe Gegner. An die glaubwürdige Mimik etwa der Mass-Effect-Charaktere kommt das zwar bei weitem nicht heran, aber wir sahen ja nur eine Engine-Demonstration. Mit "Parametric Skeletal Animation" umschreibt Crytek, dass sich die auf künstlichen Knochen basierenden Figuranimationen dem Untergrund anpassen: Bergauf ist die Körperhaltung eine andere als bergab, auf ebenem Boden anders als beim schiefen Gang parallel zum Hang. Und "Procedural Motion Warping" umschreibt, dass sich die Figuren etwa im Lauf plötzlich drehen können, um ein Ziel anzuvisieren: Die Beine laufen weiter, der Oberkörper dreht sich.

Viertens gibt es eine ganze Reihe von Grafikeffekten, mit denen die Lizenznehmer ihre Spiele verschönern können: Dazu gehören Lichtstrahlen, mit denen jeder Stück Wald und jede Bretterbude gleich wesentlich realistischer wirkt. "Depth of Field" erzeugt eine künstliche Tiefenschärfe, visiert der Spieler also etwa ein Ziel in der Ferne an, verschwimmt der Vordergrund. Bei "Object Motion Blur" verschwimmen sich schnell bewegende Objekte wie ein Helikopter oder Schockwellen werden visualisiert. Weitere Highlights aus Sicht von Crytek sind "Dynamic Soft Shadows" - lässt insbesondere Vegetation sehr schöne Schatten werfen -, "Real Time Ambient Maps" und "Parallel Occlusion Mapping" zur schöneren Oberflächendarstellung.

Mit der Lizenzierung der CryEngine 2 an Dritte tritt die deutsche Firma ganz klar in die Fußstapfen von Epic. Wie dieser Hersteller mit seiner Unreal-Engine, versucht sie nicht nur als Spielestudio, sondern auch als Middleware-Anbieter Erfolg zu haben. Nach den Reaktionen der anwesenden Designer zu urteilen, könnte ihr das gelingen. [von Jörg Langer]  (ji)


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Links zum Artikel:
Crytek: http://www.crytek.de

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