Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0703/50881.html    Veröffentlicht: 06.03.2007 10:05    Kurz-URL: https://glm.io/50881

Microsoft greift Google an

Thomas C. Rubin wirft Google vor, systematisch Urheberrechte zu verletzen

In einer Rede vor der "Association of American Publishers" will Microsofts Justiziar Thomas C. Rubin Google attackieren. Er wirft Google vor, systematisch Urheberrechte zu verletzen und sich daran bereichern zu wollen.

Rubins Redemanuskript wurde bereits vorab veröffentlicht, seine Rede wird der Microsoft-Mann erst im Laufe des 6. März halten. Dabei wird Rubin laut Redemanuskript unter anderem Microsofts Aktivitäten im Bereich der Buchsuche von Googles Vorhaben abgrenzen. Während Microsoft die Urherrechte der Autoren und Verlage achte, wolle Google alles, was die Verlage erschaffen, an sich reißen und "kostenlos anbieten, um drum herum Werbung zu verkaufen".

Microsoft scanne nur Bücher, deren Copyright abgelaufen ist oder aus anderen Gründen Teil der Public Domain sind. Darüber hinaus biete Microsoft Verlagen die Möglichkeit, auch aktuelle Bücher in Microsofts Buchsuche zu integrieren, wobei die Verlage bestimmen, wie viel Text die Suchmaschinen-Nutzer vorab einsehen können. Damit grenze sich Microsofts Ansatz von Google ab.

Google habe einige Bibliotheken überredet, dem Unternehmen uneingeschränkten Zugang zu ihren Sammlungen einzuräumen, sowohl zu urheberrechtlich geschützten Büchern als auch solchen in der Public Domain. Zwar habe Google darüber hinaus Arrangements mit Verlagen getroffen, diesen aber 2004 unter Verweis auf eine "neue 'fair use'-Theorie" den Rücken gekehrt: "Google verlieh sich selbst das einseitige Recht, ohne Genehmigung der Verlage komplette Kopien von urheberrechtlich geschützten Büchern anzufertigen, die nicht unter die Vereinbarungen mit den Verlagen fallen", so Thomas C. Rubin laut seinem vorab veröffentlichten Redemanuskript.

Google habe diesen Weg eingeschlagen, um in der Lage zu sein, mehr Bücher schneller online durchsuchbar zu machen als die Konkurrenz. Langfristig habe sich Google damit aber für den teureren Weg entschieden, da das Unternehmen damit systematisch das Urheberrecht von Autoren und Verlagen verletze.

Die Argumentation von Google vertritt unter anderem Berkeley-Ökonom Hal R. Varian, der Google in diesen Fragen berät. Im Interview mit Golem.de erklärte Varian Mitte 2006, das Opt-out-Prinzip, nach dem Google bei der Buchsuche, aber auch Internetsuchmaschinen allgemein verfahren, schaffe positive Anreize für einen universellen Zugang zu Wissen. Der Ansatz "umgeht negative Anreize, die zu übertriebener Vorsicht führen würden. Die Idee, auf eine Erlaubnis vorab zu verzichten, aber zugleich geistiges Eigentum über einfache Opt-out-Mechanismen zu respektieren, ist eine vernünftige Lösung und die macht sich Google zu Nutze."

Varian griff dazu ein Beispiel von Jura-Professor und Creative-Commons-Gründer Larry Lessig auf: "Denken sie an die Fotografie: Einst hat man kontrovers diskutiert, ob jemand eine andere Person ohne Erlaubnis fotografieren darf oder nicht. Wenn ich nun ein Foto vom Potsdamer Platz machen würde, während rund 200 Leute über den Platz laufen, soll ich dann jeden fragen und mir eine schriftliche Erlaubnis geben lassen, wenn ich das Foto veröffentlichen will? Das wäre lächerlich und so wurde entschieden, dass dies keiner Genehmigung bedarf - eine sinnvolle Lösung, die Transaktionskosten minimiert. Mit Seiten im Web verhält es sich nicht anders, denke ich. Es ist doch weitgehend akzeptiert, dass eine öffentliche Webseite von einer Suchmaschine erfasst wird. Bräuchte man dazu vorab eine Erlaubnis, würde dies ziemlich hohe Kosten verursachen und eigentlich wollen wir, dass gesellschaftliche Institutionen die Transaktionskosten minimieren und nicht maximieren."

Geht es nach Microsoft, verstößt dieser Opt-Out-Ansatz gegen das Urheberrecht. Dabei sei es für Google durchaus möglich, seine Buchsuche in legaler Form anzubieten, meint Rubin. Microsoft zeige, dass es geht.

Letztendlich bittet Google um Vertrauen, da es die digitalisierten Bücher schütze. Doch habe Google in der Vergangenheit gezeigt, dass es nur schlecht in der Lage ist, Urheberrechte zu schützen. Dazu braucht man nur einen Blick auf YouTube zu werfen, das Google im letzten Jahr gekauft hat. Darüber hinaus habe Google Werbekunden geraten, Kampagnen rund um Schlüsselworte mit Bezug auf Raubkopien von Microsoft-Software, aber auch Musik und Filme zu bauen. Allein vier Piratenseiten hätten Google so Einnahmen von rund 800.000 US-Dollar beschert. "Ein Unternehmen, das die Interessen von Urheberrechtsinhabern als wichtig erachtet, verhält sich nicht so", meint Rubin.

Anders als Microsoft habe Google selbst nicht ein einziges Werk beim US-Copyright-Office registriert, stichelt Rubin weiter gegen Google.  (ji)


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