Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0702/50755.html    Veröffentlicht: 27.02.2007 10:49    Kurz-URL: https://glm.io/50755

VMware greift Microsofts Lizenzpolitik an

Whitepaper zu Microsofts Virtualisierungsbestimmungen

Als bekannt wurde, dass Microsoft den Betrieb von Windows Vista als virtuelle Maschine einschränkt, kam bereits Kritik an diesem Verhalten auf. VMware weist in einem nun veröffentlichten Whitepaper auf weitere Probleme in Microsofts Lizenzbestimmungen hin, die beispielsweise die Nutzung kostenloser Images in anderen Virtualisierungslösungen als Microsofts Produkten verbieten.

Insgesamt sieben Punkte an Microsofts Lizenz- und Distributionsbestimmungen hinsichtlich Virtualisierung kritisiert VMware in dem Whitepaper. Dies beginnt damit, dass Microsoft nur Premium-Level-Kunden Support für den Betrieb von Microsoft-Produkten innerhalb virtueller Maschinen gewährleistet. Wer keinen Premium-Level-Support hat, muss für Microsoft ein Problem erst auf einer physischen Maschine reproduzieren, bevor er Unterstützung erhält.

Ferner erlaubt Microsoft den Betrieb der kostenlos zur Verfügung gestellten virtuellen Maschinen nur in den eigenen Produkten - also Virtual Server und Virtual PC. Dies bedeutet, dass Microsofts Software installiert werden muss, um den Lizenzbestimmungen der kostenlos verfügbaren Images gerecht zu werden. VMware hebt dabei hervor, dass man selbst das eigene Image-Format geöffnet habe und bereits andere Hersteller darauf zurückgreifen würden, um VMware-Images zu unterstützen. Zwar hat Microsoft das eigene VHD-Format auch freigegeben und VMware unterstützt dieses, durch die Lizenzbestimmungen dürfen die betroffenen Images dennoch nicht in VMware-Produkten gestartet werden.

Als dritten Punkt führt VMware an, dass es bereits virtuelle Maschinen von Microsoft gebe, die sich selbst deaktivieren, sofern sie nicht in Virtual PC oder Virtual Server gestartet werden. Dies sei ein aggressives Vorgehen, welches die Wahl des Kunden unterspülen würde, so VMware.

Auch verbieten die VHD-Lizenzbestimmungen, Images aus diesem Format in ein anderes Format umzuwandeln. Hiermit wolle Microsoft ebenfalls den Einsatz konkurrierender Virtualisierungsprodukte verhindern, kommentiert VMware diese Regelung. Ein bestehendes Server-System in eine virtuelle Maschine umzuwandeln und dann auf einen anderen Server umziehen zu lassen, bezeichnet VMware als einen der größten Vorteile der Virtualiserungstechnik. Doch Microsoft untersagt auch dies. Das installierte Betriebssystem soll demnach permanent auf derselben Hardware laufen. Steht ein Umzug der Installationen an, sind weitere Windows-Server-Lizenzen nötig, selbst wenn die Zahl der Installationen nicht erhöht wird.

Ähnliche Regelungen hat Microsoft auch im Hinblick auf Desktop-Systeme. Ein Desktop-Betriebssystem darf zwar auf ein anderes System verschoben werden, muss auf dem Ursprungssystem aber deinstalliert werden. Und: Dieser Schritt ist bei Windows Vista nur einmal möglich, während es bei Windows XP keine Transferbeschränkungen gibt, sofern XP von dem Ursprungssystem komplett entfernt wird. OEM-Versionen dürfen überhaupt nicht in virtuelle Maschinen umgewandelt werden. VMware weist auch nochmals darauf hin, dass die günstigen Vista-Versionen Basic und Home Premium nicht innerhalb virtueller Maschinen laufen dürfen.

Als letzten Punkt spricht VMware die für den Longhorn-Server entwickelten Programmierschnittstellen an, die Microsoft für die Kommunikation zwischen einem virtualisierten Windows und seinem Hypervisor verwendet. Zwar wurden diese offen gelegt, andere Anbieter und Open-Source-Projekte dürften die APIs aber nicht einsetzen, so VMware. Mit einer Ausnahme: Novell erhält durch das mit Microsoft geschlossene Abkommen das Recht, die Schnittstellen zu verwenden. Auch durch die Kontrolle der Schnittstellen für ein virtualisiertes Windows schränkt Microsoft die Wahl zwischen Virtualiserungslösungen für Kunden weiter ein.

VMware sieht den Grund für Microsofts Verhalten in der fehlenden Technik bei Microsoft. So gibt es mit Virtual Server und Virtual PC zwar zwei Virtualiserungsprodukte, an die Microsoft Kunden offensichtlich binden möchte. Andere Produkte, um beispielsweise physische Systeme in virtuelle umzuwandeln, fehlen hingegen. Und auch wenn Microsoft seinen Hypervisor "Viridian" bereits des Öfteren für den Longhorn-Server ankündigte, weiß noch niemand so genau, was sich hinter diesem Namen versteckt.

VMware fordert von Microsoft eine offene Lizenzpolitik, die den Einsatz von Windows in anderen Virtualisierungslösungen erlaubt, und die Möglichkeit, APIs auch als Drittanbieter zu verwenden. Im Sinne der freien Wahl durch den Kunden, so VMware. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass VMware Microsoft kritisiert. Auch als der Softwarehersteller seine Zusammenarbeit mit XenSource - ebenfalls in Hinblick auf die Funktionen von Viridian - ankündigte, gab es darüber Unmut bei VMware.  (js)


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