Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0702/50603.html    Veröffentlicht: 19.02.2007 08:23    Kurz-URL: https://glm.io/50603

Wegen geschlossenem DRM droht Apple europäischer Ärger

FairPlay ist kein Fair Play

Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland könnte Apple mit seinem Musikladen iTunes bald in ganz Europa Ärger bekommen. Grund ist das geschlossene Digital Rights Management (DRM) Fairplay, welches das Unternehmen einsetzt: Es ermöglicht derzeit nur, die gekaufte Musik auf den iPod-Musikspielern wiederzugeben, nicht aber auf den Geräten der Konkurrenz. Das Gleiche gilt auch für Microsofts Zune-Musikspieler, den es in Europa aber noch nicht gibt.

Das Bundesministerium für Verbraucherschutz hatte mit Verbraucherschutzverbänden zusammen eine "Charta für Verbrauchersouveränität in der digitalen Welt" erstellt, die zwar keinen rechtverbindlichen Rahmen hat, aber als Grundsatzpapier fungiert, das die Rechte der Verbraucher stärken will. Zum Beispiel müssten demnach Anbieter geschlossene Systeme wie FairPlay den Mitbewerbern gegenüber öffnen, damit auch andere Musikspieler für Musik aus iTunes genutzt werden können.

Die Financial Times zitierte dazu nicht näher genannte Personen, die behaupten, dass die Charta "in den europäischen Prozess" eingebracht werden soll, d.h. hier ein Rechtsrahmen entstehen könnte. Der Entwurf der Charta solle Mitte März 2007 veröffentlicht werden, hieß es.

Apple-Chef Steve Jobs hat in einem Schreiben, in dem er zu den Vorwürfen, FairPlay nicht öffnen zu wollen, Stellung bezogen und die Musikindustrie aufgefordert, die Musik ohne DRM zu verkaufen. Die Öffnung seines DRMs gegenüber Drittanbietern will er jedoch nicht, da so das Knacken des Schutzes durch zu viele Wissende leichter und auch das Patchen von Lücken in kürzester Zeit kaum mehr machbar wäre. Er forderte die Musikindustrie deshalb auf, den DRM-Gedanken zu verwerfen, schließlich sei sowieso nur ein geringer Anteil der insgesamt verkauften Musik so geschützt - auf CDs beispielsweise gibt es gar kein digitales Rechtemanagement.

Die für das DRM letztlich verantwortliche Musikindustrie besteht jedoch darauf, online angebotene Musik entsprechend zu schützen.  (ad)


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