Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0701/50110.html    Veröffentlicht: 29.01.2007 14:27    Kurz-URL: https://glm.io/50110

Spieletest: Armed Assault - Betatest zum Vollpreis

Miserable künstliche Intelligenz sorgt für Frust

Der Taktik-Shooter "Armed Assault" (ArmA) vom tschechischen Entwickler Bohemia Interactive ist der lange erwartete inoffizielle Nachfolger zu "Operation Flashpoint" und soll mit einem riesigen Areal, einer neuen Geschichte und vielen steuerbaren Fahr- und Flugzeugen an die spielerische Qualität des Vorgängers anschließen. Leider ist das Spiel aber auch nach drei Patches noch immer nicht ganz fertig; der Wechsel des Publishers hat offensichtlich nicht dazu beigetragen, Armed Assault in einem vollendeten Zustand auszuliefern.

Armed Assault (Windows-PC)
Armed Assault (Windows-PC)
Armed Assault spielt auf der fiktiven Insel Sahrani, dessen nördlichen Teil die kommunistische SLA kontrolliert, während der Süden von US-Truppen gehalten wird, die jedoch gerade dabei sind von der Insel abzuziehen - bis der Norden mit seinen Truppen einmarschiert.

Wie auch schon Operation Flashpoint besticht Armed Assault vor allem durch seinen Realismus, die große Fahr- und Flugzeugauswahl, eine sehr große Insel, die man zu Fuß lieber nicht durchquert und eine beeindruckende Weitsicht, sofern die Hardware den hohen Anforderungen standhält. Eine größere Kampagne, die dank kleinerer Nebenmissionen durchaus abwechslungsreich gestaltet ist, sorgt für die notwendige Stimmung im Einspielermodus. Leider kommt die Kampagne qualitativ nicht an die von Operation Flashpoint oder die dafür erschienenen Erweiterungen heran.

Armed Assault
Armed Assault
Innerhalb der Kampagne bietet das Armed Assault jeweils eine Hauptmission und optional mehrere Nebenmissionen an. Die Nebenmissionen können die eigentliche Hauptmission vereinfachen, haben aber meist auch Nachteile. Zu einer Hauptmission darf maximal eine Nebenmission gewählt werden - so steht es zumindest in der fehlerhaften Kartenbeschreibung. Es ist jedoch trotzdem möglich, beide Nebenmissionen zu starten. Erst später in der Kampagne wird tatsächlich die zweite Nebenmission gesperrt.

Zwischensequenz
Zwischensequenz
Als einfacher Soldat gilt es der Invasion standzuhalten und den Feind zurückzudrängen. Aufgelockert mit einigen Zwischensequenzen im Nachrichtenstil, versucht das Spiel die Handlung voranzutreiben. Die Zwischensequenzen haben einen zumindest hier zu Lande ungewöhnlichen Sprachmix. Während die Soldaten durchweg Englisch sprechen, wurden die Reporter mit mäßig motivierten deutschen Sprechern unterlegt. Zudem ist das Spiel komplett mit deutschen Untertiteln versehen.

Für das kurze Spiel zwischendurch stehen einige Einzelmissionen zur Verfügung, die aber teils erst freigespielt werden müssen, am Anfang also gesperrt sind. Die Trainingsmissionen, die bei Operation Flashpoint noch in die Geschichte eingebettet wurden, sind diesmal ausgelagert.

Armed Assault ist nichts für zwischendurch, sondern insgesamt recht schwer: Alleingänge des gesteuerten Soldaten werden nur zu oft mit dessen vorzeitigen Ableben bestraft. Auf der anderen Seite sollte der Spieler nicht hinter seinen Kameraden die Deckung suchen sondern stattdessen diese kräftig unterstützen und im Verlauf des Spieles auch kommandieren - soweit die Theorie.

Armed Assault
Armed Assault
Leider ist das Spiel noch voller Fehler und auch die vergangenen drei Patches machen das Spiel teilweise zu einer Tortur. Um den gröbsten Problemen aus dem Weg zu gehen, ist die Installation des aktuellen Patches dringlich empfohlen, auf unserem Testsystem verbesserte sich die Bildrate bei Hubschrauberflügen von unteren einstelligen Bereichen auf einigermaßen spielbare zweistellige Werte. Die Grafikengine ist dennoch sehr hardwarehungrig und selbst auf mäßig aktuellen Grafikkarten nicht in der höchsten Detailstufe spielbar.

Die hier getestete Version von Armed Assault (1.02a, 1.02b behebt nur Probleme mit dem fehlerhaften Installer) unterscheidet sich von der Verkaufsversion vor allem durch ein überarbeitetes Flugmodell. So lassen sich Hubschrauber jetzt sehr viel besser fliegen. In der Ur-Version endete der Versuch einen Hubschrauber mit dem Joystick zu fliegen oft mit einem schwer nachvollziehbarem Absturz. Die Steuerung der Hubschrauber ist deutlich schwerer geworden, als es noch in Operation Flashpoint der Fall war.

Kampagnenübersicht
Kampagnenübersicht
Die meisten Probleme im Spiel hat die künstliche Intelligenz (KI). Panzerfahrer üben sich in Kreisfahrten, Teammitglieder hören nicht auf Kommandos, gegnerische Konvois geraten teils bereits bei Sichtkontakt in Panik und stürzen den Abhang herunter und auch Hubschrauber-Piloten stürzen ohne Grund ab. Letzteres ist besonders problematisch, wenn es die eigene Luftunterstützung ist, die da vom Himmel fällt und einen alleine auf dem Schlachtfeld stehen lässt.

Während die Macken bei den Gegnern noch ganz amüsant sind, hört der Spaß bei den eigenen Teammitgliedern also recht schnell auf. Oft sitzt der Spieler in einem Wagen der von der KI gesteuert wird. In diesem Falle ist man der KI ausgeliefert und kann nur hoffen, dass diese ihren Weg findet. Im einschlägigen Foren finden sich dazu Tipps: Am besten erledigt man die eigenen Fahrer mit einem gezielten Schuss und fährt ggf. kritische Fahrzeuge selbst - sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Armed Assault
Armed Assault
Für den Gegner bietet sich das Verhalten leider nicht an, so gerne man für den Feind auch fahren möchte. Ein gutes Beispiel liefert die Mission "Dolores", bei der eine Brücke in die Luft gesprengt werden muss, nachdem die Gegner über diese gefahren sind. Ist ein gegnerisches gepanzertes Fahrzeug erst durch den Fluss gefahren - statt über die Brücke - sollte die Mission lieber gleich neu gestartet werden. Auch wenn das Fahrzeug es schafft den Fluss zu überqueren, bleibt das Sprengsignal aus, da das Fahrzeug den "falschen" Weg genommen hat. Sprengt man die Brücke trotzdem, ist die Mission verloren, da der Gegner "vorgewarnt" wurde.

Mit viel Glück schaffen die Feinde beim nächsten Mal die Wegfindung. Wohl dem, der oft speichert, um die (gegnerische) KI zu retten. In unserem Falle war es der KI auch bei gut einem Dutzend Anläufe nicht möglich, über die Brücke zu fahren, irgendein Fahrzeug fuhr immer gegen ein Gebäude und entschied sich danach für die Abkürzung.

Beeindruckende Weitsicht
Beeindruckende Weitsicht
Was die KI an Intelligenz vermissen lässt, macht sie mit ihrer Treffsicherheit wieder wett. In schummrigen Licht und auf weiter Entfernung ist diese auch ohne Nachtsichtgeräte äußerst zielsicher. Zudem stört sich die KI nicht an hohem Gras oder an Gebäuden. Nur allzu häufig meldet die KI Gegner hinter Gebäuden oder unter Brücken, die sich nicht in der Sichtlinie befinden. Weit entfernte Objekte können die Adleraugen der KI ebenfalls besser ausmachen, als der Spieler mit einem Fernglas. Gelegentlich gelingen der KI auch nahezu unmögliche Kopfschüsse, etwa wenn man sich in einem bewegenden Hubschrauber 500 Meter entfernt nach Sonnenuntergang auf sein Ziel zu bewegt und dann von einer AK47 einen tödlichen Kopftreffer einstecken muss.

Wem die missratene KI nicht ausreicht, der kann in den Optionen eine "Super KI" aktivieren - das ändert aber nichts an ihren Fahrkünsten.

Dass die Missionsbeschreibungen teilweise nicht lesbar sind, weil sie nicht in das Feld passen, HTML-Code und Platzhalter zu sehen sind ("Text hier") und Sekundärziele nicht lösbar sind, stört angesichts der anderen Fehler des Spiels kaum noch. Die Liste der Störungen lässt sich noch erweitern und stellt nur eine kleine Auswahl dar.

Abgeschnittener Text der Einsatzbesprechung
Abgeschnittener Text der Einsatzbesprechung
Wer nicht mehr gegen die KI spielen möchte, kann sich an menschlichen Gegnern probieren: Armed Assault bietet einen Mehrspielermodus, bei dem sich recht viele Spieler auf der Insel verteilen können. Nicht zuletzt durch die Entscheidung Armed Assault zunächst nur in wenigen Ländern herauszubringen, finden sich selbst abends nur um die 100 Spieler, so dass der Mehrspielermodus nicht der Rede wert ist. Zudem kämpft Armed Assault mit Abstürzen und Trennungen der Verbindung.

Die kostenlose Demo-Version 1.03 (erste Version) war im Test deutlich stabiler als das "vollständige" Spiel. Die Demo besitzt zudem kleinere Zusatzfunktionen, die der Verkaufsversion (noch) vorbehalten sind und vermutlich erst im Februar 2007 nachgefügt werden.

Armed Assault ist hier zu Lande bereits im Handel erhältlich und kostet 45,- Euro. Als Kopierschutz kommt Securom zum Einsatz, der während des Tests keine Probleme machte. In den Armed-Assault-Foren wird jedoch dringlich darauf hingewiesen, möglichst eine aktuelle Firmware auf dem DVD-Laufwerk zu haben und den Regionalcode 2 zu nutzen.

Fazit:
Auf Grund der vielen technischen Probleme gerät der Inhalt des Spiels zwangsläufig in der Hintergrund. Man hat eher das Gefühl, ein Betatester eines Spiels zu sein, das noch Monate vor der Fertigstellung steht und sich auch im Spielinhalt nicht von Operation Flashpoint abheben kann. Insbesondere die Missionen wirken lieblos zusammengesetzt, die kurze Geschichte ist nicht erwähnenswert und ein Hineinversetzen in eine Rolle findet nicht statt. Leider liegt der Fokus der Entwickler derzeit offensichtlich bei der Fehlerbereinigung der Demo-Version und der Vorbereitung für die Spielveröffentlichung in anderen Ländern Mitte Februar 2007. Nur leidensfähige Soldaten sollten derzeit zum Spiel greifen, denn der ungetrübte Spielspaß muss erst noch per Patch hinzugefügt werden.  (ase)


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Links zum Artikel:
Armed Assault - Offizielle Homepage (.com): http://www.armedassault.com/de_index.html
Bohemia Interactive (.com): http://www.bistudio.com

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