Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0701/49768.html    Veröffentlicht: 05.01.2007 18:10    Kurz-URL: https://glm.io/49768

Pentagon fördert Hollywood im Dienst der Wissenschaft

Mehr Wissenschaft, mehr Wissenschaftler ins Kino

Das Pentagon zeigt sich besorgt: Weil zu wenige Studenten sich für wissenschaftliche Fächer einschreiben, mangelt es an qualifiziertem Nachwuchs. Mehr Filme mit wissenschaftlichen Themen - gefördert durch das US-Verteidigungsministerium - sollen die Attraktivität von "Science" erhöhen. Als Vorbild könnten diverse Ableger der populären US-Fernsehserie "CSI" dienen, berichtet der Christian Science Monitor.

Die Statistiken zeigen, wo das Problem liegt. Rund 50 Prozent der amerikanischen Wissenschaftler erreichen in den nächsten fünf Jahren das Rentenalter. Zugleich studieren immer weniger US-Bürger Fächer mit einem wissenschaftlichen Schwerpunkt. Sie widmen sich immer häufiger Berufen, die auf amerikanische Werte bauen: Recht, Risikokapital und Wettbewerb. Für die wissenschaftliche Allgemeinbildung bleibt das nicht ohne Folgen. Immerhin rund 30 Prozent der amerikanischen Öffentlichkeit sind laut einer aktuellen Umfrage der Meinung, dass die Sonne um die Erde kreist. Das berichtete eine amerikanische Wissenschaftlerin anlässlich eines vom Pentagon finanzierten Workshops für Drehbuchschreiber in Los Angeles. Etwa die Hälfte der Amerikaner weiß nicht, dass sich die Erde in einem Jahr einmal um die Sonne bewegt und ist zugleich der Überzeugung, dass die ersten Menschen zu Zeiten lebten, als Dinosaurier den Planeten bevölkerten. Das schrieb 2004 die Fachzeitschrift Neurosciences Report.

Aus Sicht des Pentagons und auch der American Association for the Advancement of Science (AAAS) sind solche Erkenntnisse alarmierend. Die "wissenschaftliche Illiteralität" könnte die militärische Forschung und auf lange Sicht die nationale Sicherheit der USA bedrohen. Der Grund dafür liegt für die Militärs in Vorschriften, denen zufolge Forschungseinrichtungen mit geheimen Programmen nur US-Bürger beschäftigen dürfen. Schon heute sei es, so Dr. Robert Barker von der wissenschaftlichen Abteilung der US-Luftwaffe, "sehr schwer, qualifizierte Studenten zu finden, die einen Abschluss haben und US-Bürger sind".

Einen Ausweg aus dem Dilemma sieht das Pentagon in der "wissenschaftlichen Beeinflussung" des Nachwuchses durch Film und Fernsehen. Um den Enthusiasmus für die Wissenschaft durch Hollywood-Produktionen zu fördern, sollen professionelle Drehbuchschreiber durch Pentagon-Mitarbeiter darin geschult werden, "Helden der Wissenschaft" in ihren Geschichten unterzubringen. Auf diese Idee gebracht hat die Militärs der Erfolg von Serien wie "CSI Miami", die sich auch in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen. [von Robert A. Gehring]  (ji)


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