Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0612/49554.html    Veröffentlicht: 20.12.2006 14:23    Kurz-URL: https://glm.io/49554

Spieletest: Red Steel, Rayman & Co - Neues Wii-Futter

Launch-LineUp unter der Lupe

Während Nintendo frühere Konsoleneinführungen meist mit sehr guter eigener Software begleitete, Third-Party-Hersteller sich aber eher zurückhielten, sah das Bild zum Verkaufsstart der Wii etwas anders aus: Der japanische Videospielgigant veröffentlichte gerade mal drei Titel, andere Unternehmen füllten dafür die Regale.

Zwar stammt auch bei der Wii der bisher wichtigste und erfolgreichste Software-Titel - nämlich das neue Zelda - von Nintendo selbst, zahlreiche Dritthersteller wie Ubisoft, Activision, THQ oder Sega konnten trotzdem bereits zur Produkteinführung mit vielversprechenden Programmen aufwarten. Manches, wie etwa das mit Spannung erwartete Red Steel, blieb dabei etwas hinter den großen Erwartungen zurück, anderes - wie etwa Rayman Raving Rabbids - entpuppte sich dafür als absoluter Spielspaßknüller.

Nintendo Wii
Nintendo Wii
Wir haben einige der wichtigsten Third-Party-Titel genauer unter die Lupe genommen, nachdem die Nintendo-Spiele bereits im umfangreichen Wii-Test besprochen wurden.

Die Tests im Einzelnen:


Red Steel

Red Steel
Red Steel
Red Steel gehörte sicherlich zu den mit der größten Vorfreude erwarteten Wii-Titeln - neben Zelda gab es wohl kein anderes Wii-Spiel, das bei Messeauftritten ein ähnlich großes Medieninteresse verursachte. Vielleicht sind diese hohen Erwartungen letztendlich aber auch schuld daran, dass das fertige Produkt nicht hundertprozentig begeistert - auch wenn Ubisoft hier in vielerlei Hinsicht schon andeutet, wie die Zukunft von Action-Spielen aussehen kann.

Red Steel
Red Steel
Der Spieleinstieg ist alles andere als fröhlich: Die eigene Freundin wird entführt, ihr Vater umgebracht, und ehe man es sich versieht, steckt man selbst mitten in einem brutalen Bandenkrieg. Es dauert also nicht lange, bis die erste Handfeuerwaffe gezückt und etwas später dann sogar zum Schwert gegriffen wird. Bevor der Rachefeldzug beginnen kann, will allerdings zunächst der Umgang mit der Steuerung gelernt werden - und die ist stellenweise dann doch so überladen, dass es gerade in den ersten Spielstunden zu einigen Frustmomenten kommt. Laufen per Nunchuk klappt ebenso problemlos wie das Zielen und Schießen via Wiimote auf die Kontrahenten; auch andere Ideen - etwa das Nachladen von Waffen oder Öffnen von Türen via simples Schütteln des Controllers - funktionieren bestens.

Red Steel
Red Steel
An manchen Stellen haben es die Entwickler dann aber zu gut gemeint mit den technischen Fähigkeiten der neuen Konsole: Das Heranzoomen mit Zielfernrohr wird etwa durch das Vor- und Zurückschieben der Wiimote erledigt - und klappt nicht immer so störungsfrei, wie man es gerne hätte. Wer den Fehler macht, die Wiimote aus dem Bildschirmbereich zu bewegen, dreht die Sicht erstmal sekundenlang im Kreis und verliert komplett den Überblick, und auch die Schwertführungsbewegungen werden nicht immer so direkt und sauber umgesetzt, wie es im Vorfeld versprochen wurde. An mancher Stelle sind Latenzen spürbar und die Controller-Abfrage bleibt einfach ungenau; das hat man bei Nintendo - siehe Zelda - deutlich besser hinbekommen.

Trotzdem lohnt es, die vielleicht etwas frustrierende Anfangsphase durchzustehen - mit der Zeit geht die Handhabung immer mehr in Fleisch und Blut über, die Spannung ist dank guter Story und vieler Missionen unter Zeitdruck erheblich, und auch die Optik kann - vor allem in späteren Levels - überzeugen. Wer also darauf vorbereitet ist, ein nicht ganz einfach zu bedienendes, stellenweise aber wirklich innovatives Action-Erlebnis zu erfahren, sollte das Geld in Red Steel investieren.

Rayman Raving Rabbids

Rayman Raving Rabbids
Rayman Raving Rabbids
Mit Rayman Raving Rabbids hat Ubisoft das bis dato witzigste und unterhaltsamste Wii-Spiel erschaffen - derart viele abgedrehte Ideen, die zudem auch noch fast alle immensen Spielspaß bedeuten, hat man zuletzt selten in einem Spiel gesehen. Diesem Titel merkt man von der ersten bis zur letzten Minute an, dass die Entwickler sich kreativ austoben durften und diese Freiheit auch komplett genutzt haben. Das beginnt schon bei der - nicht wirklich relevanten, aber sehr spaßigen - Hintergrundgeschichte: Böse Alien-Hasen haben Rayman gekidnappt und lassen ihn nun zu ihrer Unterhaltung in einer Arena in diversen Mini-Spielen antreten. Dabei stört es sie auch nicht, dass sie zum Großteil selbst bei den einzelnen Disziplinen zu Schaden kommen - und Rayman mit jedem kleinen Triumph in einer der 75 Aufgaben seiner Freilassung näher kommt.

Rayman Raving Rabbids
Rayman Raving Rabbids
Die einzelnen Minispiele nutzen die innovativen Wii-Controller dabei auf die unterschiedlichsten Arten: Mal wird die Wiimote wie ein Lasso geschwungen, um eine Kuh zu werfen, dann wiederum müssen beide Controller immer im richtigen Moment im Takt geschwungen werden, um Rayman zu Songs wie "Girls Just Wanna Have Fun" tanzen zu lassen. In einer anderen Mission gilt es, Karottensaft auf die wilde Hasenmeute zu sprühen - die Wiimote ist dabei der Gartenschlauch, mit dem auf die wilden Tierchen gezielt wird, der Nunchuk muss hingegen ständig auf- und abbewegt werden, um die Saftampulle unter Druck zu halten. Auch Malen mit der Wiimote, das Ziehen von Würmern aus einem Gebiss und unzählige andere abgedrehte Aufgaben mehr sorgen immer wieder für Begeisterung und hektische Aktionen, die zum Teil auch mal durchaus schweißtreibend sein können.

Zwischendurch warten kleinere Shooter-Einlagen und Warzenschwein-Rennen, und ein toller Multiplayer-Modus lässt einen auch zu mehreren die Hände schütteln. Kurzum: Rayman Raving Rabbids sprüht nur so vor tollen, abgedrehten Ideen, bringt einen ständig zum Lachen und überrascht mit zahllosen kreativen Einsatzmöglichkeiten für Wiimote uhd Nunchuk - wer eine Wii besitzt, tut sich selbst keinen Gefallen, wenn er dieses Spiel nicht kauft.

Need For Speed Carbon

Need for Speed Carbon
Need for Speed Carbon
Need For Speed Carbon unterscheidet sich auf Nintendos Wii zunächst nicht sonderlich von den anderen erhältlichen Konsolenversionen - Intro-Sequenzen, Menüscreens und Ablauf sind komplett identisch und lassen den Spieler wieder einmal den Weg vom unbekannten Nachwuchsraser zum Star der illegalen Straßenrennen aufsteigen. Die Besonderheit auf dem Wii ist natürlich auch hier wieder die Steuerung - nur leider hat die so ihre Tücken.

Need for Speed Carbon
Need for Speed Carbon
Prinzipiell sind mehrere Bedienungsoptionen möglich, im Standardmodus wird die Wiimote aber einfach seitlich gehalten, mit dem "2"-Knopf Gas gegeben und mit den anderen Aktionstasten sowie dem D-Pad gebremst, der Nitro aktiviert oder den Team-Kameraden Befehle gegeben. Gelenkt wird durch das Neigen der Wiimote - und genau hier hapert es in den ersten Rennen. Denn während leichte Kurven noch recht simpel zu nehmen sind, fühlt sich die Steuerung bei harten und engen Kurven einfach viel zu ungenau an; wer da nicht mit zusätzlichem Tastendruck zu Slides ansetzt, wird beständig in der Bande landen oder hektisch die Arme überdrehen. Nach einigen Proberennen bessert sich das zwar, richtig gut geht die Steuerung aber auch dann nicht von der Hand.

Technisch hingegen bleibt die Wii-Version von Carbon kaum hinter den Umsetzungen für Xbox 360 und Co. zurück - was vielleicht auch daran liegen mag, dass sich EA bei der Neuauflage der populären Rennspielreihe auf allen Plattformen nicht gerade mit technischem Ruhm bekleckert hat. Die wenigen fehlenden Details fallen jedenfalls kaum negativ auf. Rennspielfans sollten trotzdem nur bedingt zu dem Spiel greifen - auf Grund der Lenkungsproblematik ist es wohl empfehlenswerter, etwa auf Excite Truck von Nintendo zu warten.

Monster 4X4 World Circuit/GT Pro Series

Monster 4X4 World Circuit
Monster 4X4 World Circuit
Gleich zwei Rennspiele hatte Ubisoft zum Verkaufsstart der Wii parat: In GT Pro Series darf mit japanischen Serienwagen gerast, in Monster 4X4 World Circuit hingegen mit riesigen Trucks über die Piste gebrettert werden. Das war es dann aber auch fast schon an Unterschieden - ansonsten zeichnen sich beide Titel durch viele Gemeinsamkeiten aus; und zwar leider nicht unbedingt positive.

Monster 4X4 World Circuit
Monster 4X4 World Circuit
Als nettes Gimmick liegt beiden Spielen ein kleines, zusammensteckbares Hartplastik-Lenkrad bei; die Wiimote wird in dieses dann einfach seitlich reingedrückt, so dass man wirklich wie bei herkömmlichen Konsolen-Lenkrädern vor dem TV-Gerät sitzt - nur dass das Steuergerät eben nicht fest am Tisch verschraubt ist, sondern frei bewegt werden kann. Die Steuerung klappt von Beginn an erstaunlich gut und deutlich besser als etwa bei Need For Speed Carbon - gefühlvolle Schlenker und harte Kurven gelingen fast von Beginn an ganz intuitiv.

GT Pro Series
GT Pro Series
Wirklicher Spielspaß will sich allerdings bei beiden Titeln nicht einstellen - was einerseits an der spannungsarmen Inszenierung, den wenigen Modi und der schwachen Gegner-KI, vor allem aber an der miesen Technik liegt: Beide Titel sehen im Grunde nicht viel besser aus als N64-Spiele. Auch wenn immer wieder betont wird, dass es bei Wii-Software nicht auf die Optik ankommt - ganz so schlecht wie hier sollte das Ganze dann doch nicht aussehen.

Den Eindruck, dass Ubisoft hier schnell und ohne großen Aufwand ein paar der Launch-Käufer mitnehmen wollte, wird man leider die gesamte Spieldauer nicht los; trotz Lenkrad-Zubehör gilt also ganz klar: Finger weg von diesen Titeln!

Tony Hawk's Downhill Jam

Tony Hawk's Downhill Jam
Tony Hawk's Downhill Jam
Anstelle eine lieblose Umsetzung des aktuellen Tony-Hawk-Spiels für Nintendos Wii zu veröffentlichen, entschied sich Activision für eine an die neue Konsole angepasste Eigenentwicklung - weshalb das Programm hier auch nicht Project 8, sondern Tony Hawk's Downhill Jam heißt. Anstelle der typischen Stadtareale, in denen sich frei bewegt werden darf, warten hier im Grunde diverse Abfahrtsläufe; fast wie in einem Snowboard-Programm wird einen Hang hinuntergerast und dabei dann versucht, so viele Punkte wie möglich zu machen.

Tony Hawk's Downhill Jam
Tony Hawk's Downhill Jam
Zum Spielen wird die Wiimote seitlich gehalten, das Lenken des Skateboards funktioniert durch Neigen des Controllers. Mit den Ziffern-Tasten werden dann Tricks wie Grabs und Grinds ausgeführt. Für auffälligere Stunts wie etwa Flips wird die Wiimote nach vorne oder hinten gedreht.

Tony Hawk's Downhill Jam
Tony Hawk's Downhill Jam
Die Geschwindigkeit bei den Abfahrten ist teils recht hoch, Grafik und Detailgrad bleiben aber immer sehr ansehnlich. Zum Teil darf auch gerempelt und konkurrierende Skater von der Strecke gedrängt werden; ein Zweispieler-Modus via Splitscreen ist ebenfalls mit von der Partie.

Insgesamt also eine sehr unterhaltsame und kurzweilige Angelegenheit - wer auch mal ein Tony-Hawk-Spiel abseits der üblichen Stadtkurse und Skatehallen erleben möchte, wird hier zweifellos seinen Spaß haben.

Madden NFL 07

Madden NFL 07
Madden NFL 07
Normalerweise muss sich Electronic Arts beständig den Vorwurf gefallen lassen, die eigenen Sportspiel-Reihen Jahr für Jahr ohne große Neuerungen wieder in die Läden zu bringen und zudem nicht sonderlich viel Zeit für speziell an die jeweilige Hardware angepasste Portierungen aufzuwenden. Umso überraschender, dass derartige Kritik bei Madden NFL 07 für den Wii alles andere als angebracht ist: EA hat den Titel mit viel Liebe zum Detail an die neue Konsole und ihre technischen Fähigkeiten angepasst und zeigt so eindrucksvoll, wie sich Sportspiele auf sehr innovative Art und Weise steuern lassen.

Madden NFL 07
Madden NFL 07
Die Anzahl der möglichen Bewegungen ist enorm - und jede einzelne von ihnen verlangt eine spezielle Bewegung der Controller. Vieles ergibt sich allerdings derart intuitiv, dass nicht unbedingt umfangreiches Nachdenken nötig ist; sicherheitshalber sind allerdings auch umfangreiche Tutorials ins Spiel integriert, die beim Lernen der Bedienung helfen. Hochreißen der Wiimote etwa dient zum Fangen des Balls, zum Passen hingegen wird wirklich so getan, als werfe man den Ball, und wer in Ballbesitz ist, kann mit Nunchuk und Wiimote den eigenen Körper und die eigenen Arme getrennt neigen und bewegen. Wer gerne attackiert, drückt entweder die richtige Taste und rennt einfach in den Gegner oder bewegt die Wiimote in Richtung des Kontrahenten, und eine einfache Aufwärtsbewegung lässt auch einen Kick zum Erfolg werden.

Madden NFL 07
Madden NFL 07
Erstaunlich ist die schiere Anzahl an Bewegungsmöglichkeiten - mit der Zeit kommen immer mehr Aktionen dazu, überladen fühlt sich die Bedienung trotzdem nie an. Manches mag ein wenig hakelig umgesetzt sein; gerade in der Defensive klappen die eigenen Aktionen nicht immer hundertprozentig so, wie man es gerne hätte. Auch optisch ist Madden 07 sicherlich nicht unbedingt eine Augenweide; wer die letztjährige Umsetzung von den etablierten Konsolen kennt, wird Schwierigkeiten haben, Unterschiede festzustellen.

Rein spielerisch begeistert Madden 07 dafür rundum: EA hat es geschafft, die vielfältigen spielerischen und taktischen Möglichkeiten komplett beizubehalten, aber alles logisch auf die neue Hardware zu portieren - ohne irgendeine Bewegung aufgesetzt wirken zu lassen. Kurzum: Wer Football mag und eine Wii besitzt, braucht Madden 07.  (tw)


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Links zum Artikel:
Activision: http://www.activision.de/
Electronic Arts: http://www.electronicarts.de/
Ubisoft: http://www.ubisoft.de

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