Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0612/49479.html    Veröffentlicht: 14.12.2006 16:10    Kurz-URL: https://glm.io/49479

Venice Project - Neuartiges Internetfernsehen in Beta-Phase

Beschränkte offene Beta-Phase mit Einladungen

Das von den Kazaa- und Skype-Gründern Janus Friis und Niklas Zennstrom aus der Taufe gehobene "The Venice Project" (TVP) soll das Beste am Internet und dem Fernsehen verbinden, den Inhalte-Anbietern dabei mehr Einfluss und den Nutzern Möglichkeiten zur Einflussnahme geben. Eigentlich sollte die auf Peer-to-Peer-Technik aufbauende Client-Software zum Empfang der Videostreams bereits fertig sein, die Entwicklung zieht sich jedoch laut dem Venice-Team etwas hin - immerhin wurde nun aber eine aktuellere Beta-Version zum Testen freigegeben und erste Screenshots davon veröffentlicht.

Client mit Mini-EPG
Client mit Mini-EPG
Laut eines der Entwickler trägt die nun für Windows freigegebene TVP-Beta die Versionsnummer 0.7.1. Über die offizielle Projekt-Homepage kann sie nicht direkt bezogen werden. Ähnlich wie bei GMail alias Google Mail werden Einladungen an Nutzer verteilt, die ihrerseits wiederum eine beschränkte Zahl anderer Nutzer zum Test des Clients einladen können.

Aufgeklappter Mini-EPG
Aufgeklappter Mini-EPG
Damit soll das Wachstum des Peer-to-Peer-Netzwerks besser beobachtet und bei möglichen Skalierungsproblemen leichter eingegriffen und der Code repariert werden können. Außerdem müssen noch die Server rund um die Welt online gehen. Der Leiter des Venice Project, Fredrik de Wahl, schreibt von vielen 1.000 Einladungen, die derzeit ausgegeben und bald aufgestockt werden.

Voller EPG
Voller EPG
Wie de Wahl weiter angibt, sind für die nächsten Monate weitere Versionen zu erwarten, mit denen das Streaming robuster, der Videodekoder weniger stocken, das Inhalte-Angebot ausgedehnt, die Interaktivität erhöht und weitere Verbesserungen hinzukommen werden. Der aktuelle Beta-Client soll bereits die wichtigsten Funktionen enthalten. "Wir sind zwar noch größtenteils in der Betaphase, aber wir können nun beweisen, dass das Konzept funktioniert", so de Wahl.

Einige von Janus Friis und weiteren TVP-Entwicklern veröffentlichte Screenshots geben schon einen Einblick davon, was von dem P2P-Internetfernsehen zu erwarten ist. Die nächsten Monate werden Fries zufolge neue Funktionen für Endanwender und Inhalte-Anbieter mit sich bringen. "Und vor allem viel viel mehr Inhalte", so Friis. Die Beta zeige nur einen Teil der geplanten Inhalte-Kategorien.

Kanal-Liste des Beta-Clients
Kanal-Liste des Beta-Clients
De Wahl zufolge wird "The Venice Project" ein sicheres Peer-to-Peer-Streaming-Netzwerk, das es Inhalte-Anbietern ermöglicht, Videos in Fernsehqualität und ohne für den Nutzer komplizierte Bedienung über das Internet einem Massenpublikum zugänglich zu machen. Dazu kommen eine elektronische Fernsehzeitung (EPG), Suchmöglichkeiten auch innerhalb der Videos und die Verlinkungs-, Kommentierungs- und Bewertungsmöglichkeiten des Webs. Das auf Open-Source-Software basierende Projekt setzt unter anderem auf Apache, Cocoon, Dojo, Jena, Mozilla, RDF, SVG, XML und XUL.

Einige Plug-ins: RSS-Ticker, Chat-Fenster und Nutzer-Bewertung
Einige Plug-ins: RSS-Ticker, Chat-Fenster und Nutzer-Bewertung
Die Inhalte stammen laut Beschreibung nur von ihren Besitzern und werden verschlüsselt. Sollten doch Urheberrechtsverletzungen auftreten, lassen sich Inhalte entfernen. Anders als bei Filesharing-Software behalten die Inhalte-Anbieter damit die Kontrolle.

Lassie: Auf den Video-Inhalt angepasste Einblendung.
Lassie: Auf den Video-Inhalt angepasste Einblendung.
Anders wäre es auch nicht möglich, die Industrie zur Mitarbeit zu bewegen, so de Wahl. Finanziert werden soll das Angebot durch Werbung, an deren Einnahmen die Inhalte-Anbieter beteiligt werden. Privat eingestellte Videos scheinen keine Rolle in dem TVP-Konzept zu spielen.

Eigentlich sollte das Venice-Projekt bereits Ende 2006 offiziell starten. Da die Entwicklung noch etwas Zeit koste und auch die Rechenzentren noch nicht so weit seien, wird die Beta-Phase wohl erst Anfang 2007 abgeschlossen sein - dann wird voraussichtlich auch der Codename einem richtigen Produktnamen weichen. Derzeit gibt es nur einen Windows-Beta-Client. Wie einer der TVP-Entwickler jedoch angibt, ist bereits ein MacOS-X-Client in Arbeit.

Eine Anmeldung zum bzw. eher eine Bewerbung für den Beta-Test des Windows-Clients ist unter www.theveniceproject.com möglich. Wer nicht angenommen wird, muss auf die Einladung durch andere Beta-Tester hoffen.  (ck)


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Links zum Artikel:
Janus Friis - Blog des Kazaa-, Skype- und Venice-Project-Mitgründers (.net): http://www.janusfriis.net/
The Venice Project (.com): http://www.theveniceproject.com

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