Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0612/49313.html    Veröffentlicht: 06.12.2006 09:57    Kurz-URL: https://glm.io/49313

Kritik an Becksteins Verbotsvorschlägen für "Killerspiele"

Killerspielverbot: Hilflos und an den wahren Ursachen vorbei

Bayerns Innenminister Günther Beckstein stößt mit seinem Plan, Killerspiele durch eine Veränderung des § 131 StGB zu verbieten, auf teilweise heftige Kritik. Es sei "ein Irrglaube anzunehmen, dass sich durch Verbote von Spielen Amokläufe verhindern ließen", heißt es von Seiten der Grünen.

Becksteins Pläne packen die wahren Ursachen für Amokläufe wie den von Emsdetten nicht an der Wurzel, heißt es in einer Stellungnahme von Grietje Bettin, medienpolitische Sprecherin, und Kai Gehring, jugend- und hochschulpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die viel wichtigeren Fragen bleiben ungestellt, so die beiden: "Wie kam der Täter an echte Waffen? Wie konnte dieser junge Mensch einen solchen Hass entwickeln? Welche Sensoren und Frühwarnsysteme brauchen wir, um gefährdete Jugendliche aus sozialer Isolation herauszuholen?"

Auch wenn Gewalt in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen haben, so seien Gewaltdarstellungen in den Medien dennoch allgegenwärtig. Daher bedürfe es einer alle Medien betreffenden Debatte.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz nannte die Verbotsdebatte gegenüber Welt.de "vordergründig und hilflos". Vielen Politikern falle nach Vorfällen wie in Emsdetten einfach nichts Besseres ein.

Auch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) nannte die bayerische Initiative überflüssig. "Deutschland hat weltweit das strengste Jugendmedien-Schutzsystem", sagte USK-Chefin Christine Schulz der Netzeitung. Sie verwies dabei auf das bereits im Strafgesetzbuch verankerte Verbot von Gewalt verherrlichenden Computerspielen.

Bei dem Kölner Medienpädagogen Professor Wolfgang Kaminski stieß der Vorstoß Becksteins auf Skepsis. "Wir können in einer demokratischen Gesellschaft nicht, wenn Dinge einer Gruppe von Menschen nicht passen, alles verbieten", sagte Kaminski im ZDF. Auch sei das viel diskutierte Computerspiel "Counterstrike" nicht mehr als "Räuber und Gendarm auf dem Bildschirm". Dass da virtuell geschossen werde, sei nicht viel anders als das, was uns James Bond aktuell auf der Leinwand zeigt.

Beckstein hat einen Gesetzentwurf zum Verbot von "Killerspielen" zur Diskussion gestellt. Darin heißt es: "Wer Computerspiele, die es den Spielern als Haupt- oder Nebenzweck ermöglichen, eine grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeit gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen auszuüben, verbreitet, [...] herstellt, bezieht, liefert [...], wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft".  (ji)


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