Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0611/49214.html    Veröffentlicht: 30.11.2006 11:57    Kurz-URL: https://glm.io/49214

Quad FX: AMDs 4x4-Plattform offiziell vorgestellt

Quad-Core-System mit zwei CPU-Sockeln und enormem Stromverbrauch

AMD hat seine bisher unter dem Codenamen "4x4" bekannte Plattform aus einem Mainboard für zwei Dual-Core-Prozessoren nun als "Quad FX" auf den Markt gebracht. Erhältlich sind die Systeme aber bisher nur in den USA.

Was nun Quad FX heißt, ist AMDs Antwort auf den Core 2 Extreme QX6700 von Intel, der in einem Chip-Gehäuse zwei Dual-Core-Prozessoren vereint. Da Intel seine CPUs bereits massenweise in 65 Nanometern herstellt und AMD vorerst noch bei 90 Nanometern steht, war eine Integration von zwei Dies in einem Chip-Gehäuse unmöglich. AMD hat sich daher entschieden, quasi eine Workstation-Lösung mit Opterons für den Markt der Technik-Fans umzurüsten.

Blockschaltbild des nForce 680a SLI
Blockschaltbild des nForce 680a SLI
So ist auch, wie bereits berichtet, der Chipsatz nForce 680a SLI von Nvidia auf dem bisher einzigen Quad-FX-Board "L1N64-SLI" von Asus doppelt ausgeführt. Die beiden Prozessoren verfügen dabei über getrennte Speichersysteme, für Dual-Channel-Betrieb sind also vier Module fällig. Zudem empfiehlt AMD auch ein Netzteil mit 1.000 Watt, was die Plattform weiter verteuert. Immerhin kann man, anders als bei den Opterons, ungepufferte DDR2-800-Module einsetzen und ist nicht auf langsamere Registered-DIMMs angewiesen.

Die neue FX-70-Serie
Die neue FX-70-Serie
Die Prozessoren sind dennoch mit drei HyperTransport-Kanälen ausgestattete Opterons, die nun als FX-70-Serie umbenannt wurden. Sie passen auch nur in den Socket F, den mit 1.207 Kontakten im Prozessor-Sockel ausgestatteten Workstation- und Server-Steckplatz. Die CPUs sind nur paarweise erhältlich, die hier gelisteten Preise beziehen sich also auf zwei Exemplare und geben den Preis für 1.000er-Stückzahlen bei Abnahme durch PC-Hersteller und Wiederverkäufer an.



Asus L1N64-SLI
Asus L1N64-SLI
Die Quad-FX-CPUs werden allesamt mit einer typischen Leistungsaufnahme (TDP) von 125 Watt je Prozessor spezifiziert, die maximal zulässige Temperatur der CPUs sinkt jedoch beim 3-GHz-Modell auf nur 56 Grad, was ein neuer Tiefenrekord für x86-CPUs sein dürfte. Den Kühlungslösungen wird damit sehr viel abverlangt. Leise dürfte ein Quad-FX-System daher nicht werden - Asus liefert für das bisher einzige Mainboard drei Zusatzlüfter mit, die vor allem die Spannungswandler am Leben halten sollen.

AMD positioniert Quad FX mit dem neuen Schlagwort "Megatasking" und wendet sich, anders als bei bisherigen FX-Produkten, nicht vornehmlich an Computerspieler. Im Vordergrund sollen vielmehr, so AMD, "Enthusiasten" stehen, die viel mit gut in Threads aufgeteilter Multimedia-Software arbeiten. Folglich verteilte AMD die raren Testsysteme auch sehr genau.

AMD-Benchmarks: Mehr Tempo bei Multi-Threading
AMD-Benchmarks: Mehr Tempo bei Multi-Threading
In Deutschland findet sich der erste Test bei THG. Die Messungen der Kollegen zeigen, dass auch der FX-74 Intels Quad-Core nicht schlagen kann: Nur bei einigen rechenintensiven Grafikprogrammen wie dem Raytracer PovRay kommt Quad FX mit zwei Sockeln an die vier Kerne in einem Sockel des QX6700 heran. Bei Spielen, die in der Regel noch nicht so gut "gethreadet" sind, hat AMD mit allen Produkten das Nachsehen. Vor allem der Dual-Core-Prozessor QX6800 mit seinen zweimal 2,93 GHz und höherer Takteffizienz liegt hier vorne.

Käuflich erwerben kann man Quad-FX-Systeme laut AMD derzeit nur in den USA, unter anderem bei den High-End-Herstellern Alienware und Voodoo PC. In Deutschland sollen die Systeme - und auch die Prozessor-Pärchen - erst "Anfang 2007", so AMD, auf den Markt kommen. AMD verspricht, dass die für Ende 2007 geplanten CPUs mit vier Kernen auf einem Die, die bisher unter dem Codenamen "Altair FX" laufen, auch in den jetzigen Quad-FX-Systemen betrieben werden können.

Kommentar

Äußerst dünn gesäte Testsysteme, vier Kerne bei gleich welchem Stromverbrauch und Lärm - Quad FX scheint aus der Verzweiflung geboren, Intels Marketing-Hype um den QX6700 etwas entgegenhalten zu können. Dafür spricht auch die Ankündigung ohne weltweite Verfügbarkeit unbedingt noch vor Weihnachten. Teurer ist die Plattform nicht nur durch die hohe Leistungsaufnahme: Vier Speichermodule sind für volle Leistung nötig, zwei Kühler kosten mehr als einer und auch ein 1.000-Watt-Netzteil dürfte noch nicht jeder von AMD so genannte "Enthusiast" in seinem Hardware-Fundus haben. AMD bricht auch mit eigenen Regeln: Bisher galt für die FX-Prozessoren: "Es kann nur einen geben." Nun sind es derer vier, wenn man den FX-62 noch mitzählt. Nannten Spötter die erste "Extreme Edition" des Pentium 4, die Intel im Jahr 2003 in nur 60 Tagen aus einem Xeon schnitzte, noch die "Emergency Edition", um gegen den Athlon64 anzutreten, so taugt Quad FX nach den bisher vorliegenden Daten nicht einmal mehr als Notlösung: Es ist nämlich trotz massiven Hardware-Aufwandes an der Grenze des Machbaren nicht einmal schneller als konkurrierende Intel-Plattformen.  (nie)


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Links zum Artikel:
AMD (.com): http://www.amd.com

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