Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0611/49201.html    Veröffentlicht: 29.11.2006 19:28    Kurz-URL: https://glm.io/49201

DSL per WLAN teilen - Es gibt auch noch Sofanet

Fon-Konkurrent bietet drahtlosen DSL-Zugang für die Nachbarn

Während Fon mit subventionierten bis kostenlosen Routern warb, ist der kleine deutsche Konkurrent Sofanet fast in Vergessenheit geraten. Nun meldet sich das Unternehmen mit einem neuen Tarif für Gastnutzer zurück, will die eigene Technik leichter bedienbar machen und verspricht mehr Sicherheit als bei Fon.

Anders als bei Fon ist Sofanet ausschließlich auf kostenpflichtige Nutzung durch Gäste ausgelegt und funktioniert nur mit T-DSL-basierten Internetzugängen. Darüber wird mit einem separaten Router per PPPoE-Verbindung eine eigene DSL-Kennung parallel zur bestehenden DSL-Kennung genutzt, über welche die Gäste dann per spezielle Software und verschlüsselten VPN-Tunnel surfen.

Der Sofanet-Partner hängt dazu per Switch einen selbst zu erwerbenden zweiten Router an das vorhandenen DSL-Modem. Alternativ kann per PPPoE-Pass-Through der zweite Router auch hinter einen DSL-Modem-bestückten Router gehängt werden. Anschlussinhaber können damit ihren vorhandenen Flatrate-Tarif weiternutzen, während die Sofanet-Kunden mit anderer IP-Adresse online unterwegs sind und im Zweifelsfall leichter nachgewiesen werden kann, dass ein Dritter Unerlaubtes über die DSL-Verbindung des Gastgebers getrieben hat.

"Sofanet ist bei der Bundesnetzagentur registriert und sorgt für das ordnungsgemäße Speichern der Verbindungsdaten. Eine anonyme Internetnutzung durch Mitsurfer oder Fremde ist nicht möglich. Ein weiterer Vorteil ist die permanente Verschlüsselung des Internetverkehrs durch den sofaLINK", heißt es seitens Sofanet. Bei Fon ist lediglich eine unverschlüsselte Verbindung vorgesehen, ein VPN für verschlüsselte Übertragung muss der Nutzer im Zweifelsfall selbst einrichten.

Durch die zusätzliche DSL-Kennung von Sofanet verhalte man sich zudem entsprechend den Nutzungsbedingungen des Haupt-DSL-Providers, da lediglich der T-DSL-Anschluss geteilt werde und nicht der Internetzugang. Allerdings gibt es noch eine Bandbreitenverwaltung, so dass Gastgeber und Gast sich bei hohem Bandbreitenbedarf dennoch gegenseitig die Nutzung vermiesen können.

Auch wenn Sofanet auf der eigenen Website etwas von Geldverdienen und einer Provision erzählt - das sind noch Überbleibsel vom alten Angebot ("hotspotDSL"), bei dem ein separater DSL-Tarif gezahlt werden musste. Stattdessen gibt es für Partner im Rahmen des neuen "NachbarschaftsDSL" nun "Gratisvolumen" zum Surfen über andere Sofanet-Hotspots oder für eine VPN-geschützte Verbindung über offene Hotspots. Ob das als alleiniger Anreiz zum Mitmachen reicht, erscheint fraglich. Bei Fon erhält der Nutzer hingegen weiterhin einen Teil der Einnahmen, aber auch nur dann, wenn es sich um einen zahlenden Gast und nicht um einen sozialen Mit-Fonero handelt, der sein Netz selbst kostenlos zur Verfügung stellt.

Wer als Gast den kostenpflichtigen Sofanet-Zugang nutzen will, findet dazu unter einer WLAN-Kennung (SSID) die nötige Anleitung und Anmeldemöglichkeit. Per Paypal - und leider nur über diesen Dienst - kann das neue und einzige Sofanet-Tarifpaket für 15,- Euro erworben werden. Innerhalb von 90 Tagen steht dann ein Übertragungsvolumen von 6 GByte zur Verfügung. Zum Vergleich: Wer als zahlender Nutzer ("Alien") über einen Fon-Router online gehen will, zahlt 3 Euro pro Tag.

Diesen Preis will Sofanet mit seinem aktuellen Angebot unterbieten - macht die Nutzung aber damit nur für ein Nachbarschaftsnetz oder das Café als Arbeitsplatz attraktiv - deswegen spricht Sofanet auch vom "nachbarschaftsDSL". Wer nur zeitweilig an einem Ort online ist, der bekommt keinen Tarif für eine kurzzeitige Nutzung geboten. Noch ein weiteres Problem ergibt sich beim Blick auf die Hotspot-Karte von Sofanet.de: Es mangelt dem Dienst noch an Partnern, das hofft das Unternehmen in Zukunft ändern zu können.

Währenddessen feiert das auch dank namhafter Partner finanzkräftigere Fon dank seiner subventionierten bis kostenlosen WLAN-DSL-Router weitere Erfolge bei der steigenden Mitgliederzahl und der damit auch eingehenden Ausbreitung von Fon-Hotspots. Allerdings hat Fon auch mit mehr Trittbrettfahrern zu kämpfen, die eher an den günstigen Fon-Routern als am Teilen ihres DSL-Zugangs interessiert sind.

Wer seinen DSL-Zugang lieber ohne kommerziell arbeitende Partner mit anderen teilen will, findet Gleichgesinnte auch über Freifunk.net.  (ck)


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Links zum Artikel:
Fon (.com): http://de.fon.com/
Freifunk.net: http://www.freifunk.net
Sofanet: http://www.sofanet.de

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