Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0611/49137.html    Veröffentlicht: 27.11.2006 10:28    Kurz-URL: https://glm.io/49137

Urheberrecht: Keine Verlängerung in Großbritannien

BBC: Govers-Report empfiehlt keine Verlängerung der Schutzfristen

Das Urheberrecht in Großbritannien sollte nicht von 50 auf 95 Jahre verlängert werden, zu diesem Ergebnis kommt eine unabhängige Untersuchung im Auftrag der königlichen britischen Schatzkammer. Ende 2005 hatte Schatzkanzler Gordon Brown den ehemaligen Chefredakteur der Financial Times und Herausgeber der Financial Times Deutschland, Andrew Gowers, beauftragt, das Urheberrechtssystem in Großbritannien unter die Lupe zu nehmen.

Die BBC berichtet nun unter Verweis auf den noch nicht veröffentlichten Gowers-Report, das Urheberrecht auf Musikaufnahmen werde nicht verlängert. Dies wäre eine Niederlage für die Musikindustrie, die sich dafür stark gemacht hat, die entsprechende Schutzfrist von 50 auf 95 Jahre zu verlängern.

Ähnliche Forderungen gibt es auch in Deutschland. "Bereits heute müssen viele Künstler zusehen, wie ihre frühen Musikaufnahmen den Urheberrechtsschutz verlieren. Sie sollten aber das ganze Leben gerechte Vergütungen aus ihren Musikeinnahmen beziehen können", forderte Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände bereits im März 2005. Dabei verweist die hiesige Musikindustrie auf die deutlich längeren Schutzfristen in den USA. Diese wurden einst unter anderem mit dem Verweis auf die damals längeren Schutzfristen in Europa verlängert.

Ohne diese Verlängerung wird unter anderem das Urheberrecht auf die ersten Werke von Sir Cliff Richard 2008 auslaufen. Die ersten Aufnahmen der Beatles verlieren 2013 den Urheberrechtsschutz.

Aus ökonomischer Sicht ist eine Verlängerung des Urheberrechts wenig sinnvoll, erklärte Professor Hal R.Varian im September 2006 im Interview mit Golem.de: "Was zählt, sind doch die Anreize zu dem Zeitpunkt, zu dem ein Werk entsteht. Künstler wie Elvis oder die Beatles wussten doch damals nicht, wie viel Geld man mit ihrer Musik verdienen kann. Sie hatten damals aber ganz offenbar genug Anreize, Musik zu machen. Es ist nicht sinnvoll, diese Anreize im Nachhinein zu erhöhen".

In einer Stellungnahme an den Obersten Gerichtshof der USA erklärte Varian zusammen mit anderen namhaften Ökonomen wie Georg Akerlof, Kenneth Arrow, James M. Buchanan, Ronald Coase und Milton Friedman, eine Verlängerung des Urheberrechts um 20 Jahre erhöhe den Wert der Rechte nur um 0,33 Prozent.  (ji)


Verwandte Artikel:
EU-Urheberrechtsreform: Kompromissvorschlag hält an Uploadfiltern fest   
(22.02.2018, https://glm.io/132929 )
US-Gerichtsurteil: Einbetten von Tweets kann Urheberrecht verletzen   
(18.02.2018, https://glm.io/132838 )
Bildersuche: Google entfernt Direktlink auf Fotos   
(16.02.2018, https://glm.io/132823 )
Urheberrecht: Google und Getty legen Streit bei   
(12.02.2018, https://glm.io/132706 )
Crypto-Bibliothek: OpenSSL bekommt Patch-Dienstag und wird transparenter   
(22.01.2018, https://glm.io/132298 )

Links zum Artikel:
HM Treasury - Gowers Review of Intellectual Property (.uk): http://www.hm-treasury.gov.uk/gowers

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/