Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0611/49015.html    Veröffentlicht: 17.11.2006 14:54    Kurz-URL: https://glm.io/49015

Bundesamt: Energieverbrauch privater Haushalte gestiegen

Dennoch Hoffnung auf Trendwende durch sparsamere Geräte

Das Statistische Bundesamt und das Umweltbundesamt haben die neue "Umweltökonomische Gesamtrechnung" (UGR) vorgelegt. Demnach stieg von 1995 bis 2005 der Energieverbrauch privater Haushalte insgesamt um 3,5 Prozent an. Grund sind immer mehr Elektrogeräte im Haushalt, auch wenn diese teils sparsamer sind.

Die Behörden führen den gestiegenen Energieverbrauch vor allem auf zwei Faktoren zurück: Zum einen gibt es immer mehr Single-Haushalte, was die genutzte Wohnfläche pro Kopf erhöht. Damit ergibt sich mehr Energieverbrauch beim Heizen, der aber im ausgewerteten Zeitraum nur um 2,8 Prozent gestiegen ist. Dennoch macht die "Bereitstellung von Raumwärme", wie das Heizen im Beamtendeutsch heißt, rund drei Viertel des Energieverbrauchs von Privatleuten aus.

Beim Elektrizitätsverbrauch haben die Haushalte jedoch noch kräftiger zugelegt: Sie zogen insgesamt über 17 Prozent mehr Leistung aus der Leitung. Das führt das statistische Bundesamt auf immer mehr Elektrogeräte zurück, die sich häufig nicht mehr ganz ausschalten ließen. Laut der Berechnungen nimmt die "Leerlaufleistung" 17 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr in Anspruch, was die Bundesbürger mit 3,3 Milliarden Euro bezahlen würden. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die häufig gescholtenen "Stand-by-Lämpchen" bei modernen Geräten oft mit nur unter einem Watt zu Buche schlagen - auch, wenn man den Fernseher partout mit der Fernbedienung einschalten will. Übler sind da schon billige Stecker-Netzteile, die teils mehrere Watt ziehen, auch wenn das Gerät über einen mechanischen Schalter ausgeschaltet scheint. Auch viele PCs brauchen im vollständig heruntergefahrenen Zustand dank eines schlechten Netzteils mehrere Watt Leistung, moderne Notebook-Netzteile dagegen oft deutlich unter einem Watt.

Bei den Elektrogeräten sieht das Bundesamt neben verbesserter Wärmedämmung auch die größten Sparpotenziale. Der europäischen Union will das Amt deshalb verbindliche Standards für die Energieeffizienz von Elektrogeräten vorschlagen. Die Standards sollen sich nach dem sparsamsten Viertel der auf dem Markt befindlichen Geräte eines Typs richten. Wie die EU dabei aber beispielsweise zwischen einem Notebook mit gleicher Office-Leistung wie einem Spiele-PC, der aber durch seine Bauweise ein mehrfaches an Energie verbraucht, unterscheiden soll, gab das Amt noch nicht an. Nach mehrjährigen Übergangsfristen sollen diese Regelungen verbindlich werden.

Insgesamt, so betonte das Umweltbundesamt im Rahmen der umweltökologischen Gesamtrechnung, müsse der gesamte Energiebedarf bis zum Jahr 2050 halbiert werden, um den Klimawandel aufzuhalten. Positive Nachrichten bringt die Untersuchung aber bei allen Warnungen auch mit. So hat sich der Schadstoffausstoß privater Haushalte durch verbesserte Heiztechnik deutlich reduziert, bei Stickoxiden etwa um über 60 Prozent. Das für den Treibhaus-Effekt hauptverantwortliche Kohlendioxid pusteten die Haushalte aber um fast 16 Prozent häufiger in die Luft.  (nie)


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Links zum Artikel:
Statistisches Bundesamt: http://www.destatis.de/
Umweltbundesamt (UBA): http://www.umweltbundesamt.de

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