Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0611/49003.html    Veröffentlicht: 17.11.2006 10:13    Kurz-URL: https://glm.io/49003

Red Hat Enterprise Linux 5 Beta 2 verfügbar

Fertige Version kommt nun erst 2007

Red Hat hat die zweite Beta-Version seines Enterprise Linux veröffentlicht, womit auch klar ist, dass die fertige Version nicht mehr 2006 erscheinen wird. Red Hat Enterprise Linux (RHEL) gibt es nun nur noch in einer Client- und Server-Variante. Neben der Virtualisierungslösung Xen enthält RHEL 5 auch verschiedene Verbesserungen für SELinux und für den Desktop-Einsatz der Distribution.

Mit der zweiten Beta-Version von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 5 hat der Distributor den Umstieg auf Kernel 2.6.18 vollzogen und gibt einen weiteren Ausblick auf die Neuerungen in der Linux-Distribution. Die Kernkomponente bleibt dabei die Virtualisierung, wofür Xen zum Einsatz kommt. Mit dieser Software wird sowohl die volle als auch Paravirtualisierung von Betriebssystemen auf 32- und 64-Bit-x86-Systemen unterstützt. Zur Verwaltung der virtuellen Maschinen ist der - auch schon in Fedora Core 6 zu findende - Virt-Manager von Red Hat enthalten. Eine Technology Preview von Xen für Itanium 2 bringt RHEL ebenso mit.

Weiterhin wurde die Integration der Sicherheitserweiterung SELinux verbessert. Ein grafisches Programm informiert den Anwender zudem über auftretende Probleme mit SELinux, beispielsweise wenn eine Regel verletzt wurde. Auch eine Lösung schlägt die Software direkt vor, etwa ob eine andere Konfiguration helfen würde oder ob es sich um einen bekannten Fehler handelt. Stateless Linux lässt sich ebenfalls nutzen.

Für Nutzer von Netzwerk-Dateisystemen steht mit FS-Cache ein neuer Dienst zur Verfügung, der einen Zwischenspeicher zur Verfügung stellt und so beispielsweise NFS beschleunigt. Mit NFSv4 und iSCSI enthält RHEL 5 noch weitere Netzwerk-Dateisysteme. Hinzu kommen Änderungen wie die Unterstützung von Multi-Core-Prozessoren, bessere IPv6-Unterstützung und das Cluster-Dateisystem GFS2.

Ein überarbeitetes Installationsprogramm soll zudem die Einrichtung der Distribution erleichtern und es ist ein extra Programm zur Aktualisierung von Treibern enthalten. Darüber sollen sich auch Treiber von Dritten, also beispielsweise proprietäre Grafiktreiber von ATI oder Nvidia, beziehen lassen. Mit RHEL 5 nimmt Red Hat außerdem den Desktop als Plattform stärker ins Visier und integriert X.org 7.1 sowie die Oberfläche GNOME. Weiterhin sollen spezielle Laptop-Funktionen enthalten sein und damit einhergehend eine bessere ACPI-Unterstützung sowie einfacheres Suspend-to-Disk.

Durch X.org 7.1 ist auch Aiglx enthalten, wobei sich zusammen mit dem Compiz-Window-Manager allerlei grafische Effekte wie Transparenzen und Überblendungen einschalten lassen. Darüber hinaus wurde der Umgang mit Plug-and-Play-Hardware wie Digitalkameras und MP3-Playern verbessert, wobei RHEL im Gegensatz zu Fedora Core beispielsweise auch einen MP3-Codec mitbringt.

Einige der enthaltenen Techniken liefert Red Hat derzeit nur als Technology Preview aus und unterstützt diese damit nicht vollständig. Nur für als kritisch eingestufte Fehler gibt es dabei Updates. Sobald eine Technology Preview allerdings ausreichend von Partnern und der Community getestet wurde, nimmt Red Hat diese in künftigen Versionen als komplett unterstützte Funktion auf. Zu den derzeit als Technology Preview gekennzeichneten Techniken zählen beispielsweise Stateless Linux und GFS2 auf dem Server sowie Compiz und Aiglx auf dem Desktop.

Während es bei früheren Versionen von Red Hat Enterprise Linux noch mehrere Varianten gab, was teils verwirrend wirkte, liefern die Amerikaner nun nur noch eine Client- und eine Server-Variante aus. Der Server kommt in der Standardvariante mit Virtualisierungssoftware daher, bietet aber auch eine Installationsoption für die so genannte "Red Hat Enterprise Linux Virtualization Platform", die auch Techniken wie GFS2 für die Storage-Virtualisierung via Cluster-Technik umfasst.

Die Desktop-Version liefert Software wie OpenOffice.org und Evolution mit, die der Server nicht enthält, und bietet eine Virtualisierungsoption, um Xen nutzen zu können. Zudem gibt es eine Workstation-Option, die diverse Entwicklungspakete mitinstalliert.

Mit der Veröffentlichung der Beta 2 von RHEL 5 hinkt Red Hat dem ursprünglich gesetzten Zeitplan allerdings bereits hinterher und so wird RHEL 5 nun auch erst 2007 erscheinen, wie der Distributor gegenüber Golem.de auf der Linux World Expo in Köln bestätigte. Einen genauen Veröffentlichungstermin gebe es allerdings nicht, man liefere das Produkt aus, sobald es für den produktiven Einsatz geeignet sei. Dabei müsse die komplette Plattform stimmig sein, das teilweise in die Kritik geratene Xen alleine könne man nicht für die Verzögerung verantwortlich machen.

Die zweite Beta-Version steht für alle Red-Hat-Abonnenten ab sofort über das Red Hat Network zum Download bereit. Auf dem FTP-Server liegen noch keine frei zugänglichen Images. Der Client steht nur für x86- und x64-Systeme zur Verfügung, die Server-Version darüber hinaus auch für IA64, PPC64 und S390x.  (js)


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