Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0611/48995.html    Veröffentlicht: 16.11.2006 20:04    Kurz-URL: https://glm.io/48995

AMD Fusion: Grafik im CPU-Kern kommt zuerst für Notebooks

Erste Produkte sollen frühestens 2008 auf den Markt kommen

Im Rahmen einer Telefonkonferenz hat AMD der Presse einen kleinen Einblick in die ehrgeizigen Pläne zur Integration von Grafikfunktionen in Prozessoren gegeben. Das Konzept namens "Fusion" soll zuerst für Notebooks auf den Markt kommen und den Hauptspeicher des PCs als Grafikspeicher nutzen.

Damit ähnelt Fusion auch bisherigen Lösungen für "Shared Memory". Wie AMD-Fellow Steve Polzin auf Nachfrage von Golem.de erklärte, soll die Lösung im Jahre 2008 zunächst für Notebooks angeboten werden. Ziel ist dabei nicht unbedingt eine Kostenersparnis für die Hersteller, sondern vor allem ein nochmals geringerer Stromverbrauch. Auch Intel plant, die Leistungsaufnahme der CPU bis 2008 unter 10 Watt zu drücken, wie auf dem letzten IDF zu hören war.

Fusion: AMDs Vision für die neue Technik
Fusion: AMDs Vision für die neue Technik
AMD will hier kontern, indem die Grafik in die CPU wandert - das spart auch Platz auf den Notebook-Mainboards. Die Idee ähnelt damit Intels im Jahr 2000 wegen der Kosten für Rambus-Speicher eingestampftem Projekt "Timna", das auch bereits CPU, Speichercontroller und Grafik auf einem Chip vereinte. Im Prinzip, so Polzin, könne man die Grafik jederzeit in die CPU integrieren. Es sei aber eine Frage, wann für den Kunden der richtige Zeitpunkt dafür sei. Derzeit sei Grafikleistung - trotz der Anforderungen von Windows Vista - noch nicht eine der wichtigsten Anforderungen für Mainstream-PCs. Vor allem Netzwerkfunktionen seien bei Notebooks am meisten gefragt, meinte Polzin mit Anspielung auf die immer schneller werdenden WLANs und andere mobile Funklösungen. Dass sich AMD mit Fusion anfangs auf Notebooks beschränkt, mag auch daran liegen, dass dieses PC-Segment seit Jahren am stärksten wächst.

Fusion-Varianten: Soviel Grafik wie nötig
Fusion-Varianten: Soviel Grafik wie nötig
Derzeit sei noch nicht abzusehen, welche Anforderungen - ob DirectX 9 für die Oberfläche von Vista oder DirectX 10 für Next-Generation-Spiele - die Entwicklung von Grafik am PC am meisten antreiben würden. Auch, ob sich HD-DVD und Blu-ray als Standards-Medium so schnell durchsetzen würden, bezweifelte AMD-Vordenker Polzin. Vor fünf Jahren galt für ein Notebook als minimale Anforderung eine Akku-Laufzeit von 90 Minuten mit einer DVD-Video - eben genug für die meisten Spielfilme. Dass für ambitionierte Spieler auch in den kommenden Jahren kein Weg an einer dedizierten Grafikkarte vorbeiführt, stand in den Präsentationen von AMD außer Frage.

Fusion: Blockschaltbild mit Crossbar
Fusion: Blockschaltbild mit Crossbar
Frühestens Ende 2008 sollen also die ersten AMD-Prozessoren mit Grafikfunktionen auf den Markt kommen - vielleicht wird es auch 2009, meinte Steve Polzin. Er legte dafür ein Blockschaltbild für die Teile des Prozessors vor. Demnach kommunizieren CPU und GPU auf demselben Die über einen Crossbar, an den auch die HyperTransport-Links angebunden sind. Sowohl Grafik- als auch Rechenfunktionen greifen auf denselben Speichercontroller zu, der letztendlich den Hauptspeicher des PCs ansteuert.

Ob Fusion mit diesem Ansatz 2008 adäquate Leistung erzielen kann, hängt mit diesem Design wesentlich von der Leistungsfähigkeit des Speichers ab - das ist auch bei bisherigen Shared-Memory-Lösungen der Flaschenhals. Knappst man beispielsweise einem Intel-945GM-Chipsatz für Notebooks einen der beiden Speicherkanäle ab, sinkt auch die Grafikleistung um rund 40 Prozent. Dennoch setzt AMD voll auf Fusion. Laut Steve Polzin ist es für das Unternehmen die wichtigste Innovation seit der Vorstellung der Hammer-Architektur im Jahre 1999.  (nie)


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