Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0611/48904.html    Veröffentlicht: 13.11.2006 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/48904

VMware: Keine Angst vor Xen

Diane Greene im Gespräch mit Golem.de

Als Virtualisierungs-Event des Jahres pries VMware die eigene Hausmesse VMworld an und zeigte sich tatsächlich sehr offen. Etwa 80 Aussteller zeigten ihre Lösungen den knapp 7.000 Besuchern - darunter auch Konkurrenten wie XenSource, Virtual Iron und Microsoft. Die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Produkten sei auch ein wichtiges Anliegen von VMware, so VMware-Präsidentin und -Mitbegründerin Diane Greene im Gespräch mit Golem.de.

Diane Greene
Diane Greene
Diane Greene gründete VMware 1998 zusammen mit einer Hand voll Partnern. Heute ist Greene, die Schiffsbauingenieurin, Informatikerin und Maschinenbauerin ist, noch immer Präsidentin bei VMware, auch wenn sie ihre Firma 2003 an EMC verkaufte. Davon ist allerdings bis heute nicht viel zu merken, VMware agiert immer noch sehr selbstständig. Zuvor war Greene bei Silicon Graphics und Tandem tätig und außerdem CEO von VXtreme. Mit Golem.de sprach sie unter anderem über Xen und künftige Virtualisierungsentwicklungen.

Im Juni 2006 gaben Microsoft und XenSource ihre Zusammenarbeit bekannt und schon damals hagelte es Kritik von VMware. Brian Byun, Vice President of Products and Alliances bei VMware, warf XenSource unter anderem vor, sich von den Open-Source-Wurzeln zu entfernen. Microsoft würde XenSource benutzen, um Linux unter Windows zum Laufen zu bringen, im Gegenzug jedoch nichts zurückgeben.

Diane Greene sieht dies genauso: "Ich denke, Microsoft scheut sich davor, Open Source anzufassen." Daher verlagerten die Redmonder die notwendigen Arbeiten, um Linux mit der im Longhorn-Server enthaltenen Virtualisierung laufen zu lassen, nach außen und würden XenSource dazu nutzen. "Es sieht nicht so aus, als hätte dies irgendetwas mit Xen zu tun. Letztlich hätte es also jede Firma sein können, allerdings beschäftigt XenSource eine Reihe ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter", so Greene weiter.

Selbst fürchte man die Open-Source-Virtualisierungen jedoch nicht. VMware habe kostenlose Produkte angeboten, bevor XenSource die erste Version von XenEnterprise veröffentlicht habe. Zwar gibt Greene zu, dass es vorher bereits die Versionen des Xen-Projektes gab, allerdings "keine Software, die für eine Produktionsumgebung geeignet gewesen wäre", zeigt sich Greene überzeugt und steigt damit in die Kritik an Xen ein, die zuvor schon der Linux-Distributor Red Hat äußerte.

Die kostenlosen VMware-Produkte hätten vor allem den Zweck, Virtualisierung zu verbreiten. Laut Greene funktioniere dies, es hätte bereits mehrere Millionen Downloads gegeben. Die vorgefertigten virtuellen Appliances - fertige Images, die neben einem vorkonfigurierten Betriebssystem eine spezielle, eingerichtete Anwendung bieten - würden gar 300 Mal pro Minute von dem VMTN-Portal heruntergeladen.

"Wir haben bei VMware gleich mehrere Geschäftsmodelle, die alle gut funktionieren", erklärt Greene. So gebe es die erwähnte kostenlose Software, für die Geschäftskunden zusätzlich Support kaufen können. Ferner gebe es die kostenpflichtigen Versionen, die mehr Funktionen und die neuen Entwicklungen von VMware böten und gleichzeitig dafür sorgten, dass weitere Forschungen betrieben werden könnten. Zusätzlich bietet VMware auch ein Shared-Source-Modell an und gewährt anderen Firmen so Zugriff auf den eigenen Quellcode, um die Zusammenarbeit mit anderen Produkten sicherzustellen.

In diesem Rahmen habe man auch das Virtual-Machine-Format lizenzfrei geöffnet. "Es ist uns sehr wichtig, dass kein Hersteller die Kontrolle über ein solches Format hat, dies erzeugt einen Lock-in-Effekt und schädigt sowohl unsere Industrie als auch die Kunden", sagte Greene. Daneben arbeite man auch an einer offenen Spezifikation für die Schnittstelle zwischen Betriebssystem und dem Hypervisor für Paravirtualisierung unter Linux. An dieser Arbeit ist unter anderem auch Red Hat beteiligt. Im Detail geht es darum, dass ein Linux-Kernel, der nativ auf der Hardware läuft, auch virtualisiert auf einem Hypervisor laufen kann. Derzeit ist dies noch nicht möglich, Xen beispielsweise erfordert speziell für die Paravirtualisierung angepasste Linux-Versionen, die sich dann nicht mehr nativ betreiben lassen. Ferner soll es keine Rolle spielen, welcher Hypervisor genau zum Einsatz kommt, so dass nicht für jede Art der Paravirtualisierung wieder eine andere Kernel-Version benötigt wird.

Auch mit Sun arbeite man zusammen, um die x86-Variante von Solaris für diese Schnittstelle vorzubereiten. Die Arbeiten würden der Linux-Community zur Verfügung gestellt und laut Greene sehe es so aus, als würde eine leicht veränderte Version in den Linux-Kernel gelangen. Tatsächlich zeigten sich die Kernel-Entwickler in der Vergangenheit bereits offen für eine solche Schnittstelle und arbeiten aktiv daran, verschiedene Virtualisierungstechniken in den Kernel zu bringen.

Mit der Distributed Management Task Force (DMTF) arbeite man außerdem an APIs für die Systemverwaltung und habe die eigene Schnittstelle geöffnet, so dass jeder diese einsetzen kann. Ein weiteres Thema, bei dem man mit der SPEC-Gruppe zusammenarbeitet, sind laut Greene Benchmark-Techniken. "Einige unserer Benchmarks wird die SPEC vermutlich zum Industriestandard machen", so Greene.

Einen Einblick in die neuen Entwicklungen bei VMware gab bereits Dr. Mendel Rosenblum, der die Forschung bei VMware leitet, Mitbegründer von VMware ist und zusätzlich auch an der Stanford Universität lehrt. So werden sich künftige VMware-Workstation-Versionen beispielsweise merken, was der Benutzer getan hat. Stürzt dann ein Programm innerhalb der virtuellen Maschine ab, so kann VMware Workstation alle Schritte nochmals beschleunigt durchführen, so dass die Arbeit nicht verloren ist. Aber auch in der Software-Entwicklung soll dies helfen, da Anwender den Programmierern einen Schnappschuss ihrer virtuellen Maschine schicken können, falls bei einer Applikation ein nicht reproduzierbarer Fehler auftritt.

Greene fügte dem noch hinzu, dass VMware auch mit den Prozessor-Herstellern zusammenarbeite, um deren Virtualisierungserweiterungen zu unterstützen. Allerdings zeigten die VMware-Entwickler auf der Konferenz auch, warum einige Techniken bisher nicht unterstützt werden: Die eigene Software-Plattform sei in vielen Bereichen schlichtweg effektiver, die Hardware-Unterstützung bringe dort noch keine Vorteile. In anderen Bereichen hingegen können die neuen Prozessorgenerationen zur deutlichen Beschleunigung bei der Arbeit mit virtuellen Maschinenen beitragen.

Laut Greene sei die Automatisierung ein weiteres wichtiges Thema und man beschäftige sich damit, Energie einzusparen. Mit VMotion sollen Server, die nur wenig Last haben, zusammengelegt und die überschüssigen Maschinen einfach abgeschaltet werden. "Ich halte dies für sehr wichtig. Und wenn die Last wieder zunimmt, können die abgeschalteten Server hochgefahren werden und wir beziehen sie mit unseren Produkten in den virtuellen Pool mit ein, so dass genügend Leistung zur Verfügung steht", so Greene weiter. Dasselbe sei mit Desktops möglich.

In Zukunft wird sich Virtualisierung laut Greene noch weiter verbreiten: "Es explodiert förmlich. Leute setzen die Technik ein und merken dann, dass sie noch weitere Probleme damit lösen können und es gibt so viele Anbieter, die Lösungen rund um Virtualisierung anbieten.". Greene geht davon aus, dass sich Virtualisierung sehr rasch ausbreiten werde. Ein Beispiel sei das im Juni 2006 veröffentlichte Virtual Infrastructure 3, das bereits vier Monate später von einem Drittel der VMware-Kunden eingesetzt werde, weitere hätten den Umstieg angekündigt. Viele Unternehmen warteten jedoch auf eine standardisierte Virtualisierungsschnittstelle. "Es ist schwer vorauszusagen, wie schnell es wirklich gehen wird, aber die Akzeptanz der Technik nimmt auf jeden Fall zu", so Greene.  (js)


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