Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0610/48583.html    Veröffentlicht: 26.10.2006 12:28    Kurz-URL: https://glm.io/48583

Ubuntu 6.10 "Edgy Eft" ist fertig (Update)

Virtualisierung und Desktop-Effekte müssen nachinstalliert werden

Die auf Debian basierende Linux-Distribution Ubuntu ist in der Version 6.10 erschienen. Die KDE-Variante Kubuntu, die auf den Einsatz in Schulen optimierte Edubuntu-Distribution sowie die Xfce-Variante Xubuntu stehen ebenfalls in der neuen Version bereit. Ubuntu 6.10 "Edgy Eft" bringt einige grundlegende Änderungen mit, von denen allerdings die meisten nicht unmittelbar für den Anwender sichtbar sind.

Galerie #1: Ubuntu 6.10
Galerie #1: Ubuntu 6.10
Die neue Ubuntu-Version "Edgy Eft" sollte vor allem eine Art Spielwiese für die Entwickler sein. Canonical, die Firma hinter der Distribution, gab ihnen nicht vor, was in die Distribution gelangen sollte, sondern trug ihnen auf, interessante Funktionen für Edgy vorzuschlagen. Daraus wurden die wichtigsten ausgewählt - darunter natürlich auch Techniken für Desktop-Effekte und Virtualisierung. Letztlich bringt Ubuntu 6.10 tatsächlich einige grundlegende Änderungen mit, der Anwender bekommt von vielen jedoch gar nichts mit.

Die Distribution nutzt in der neuen Version den Kernel 2.6.17, der wie immer auch Treiber enthält, die nicht im offiziellen Kernel zu finden sind. Dazu zählen auch die proprietären Grafiktreiber von ATI und Nvidia, die allerdings nicht in der Standardinstallation zu finden sind, sondern extra nachinstalliert werden müssen. Ferner nutzt Ubuntu 6.10 die Glibc 2.4 und den GCC 4.1.1. Mit X.org 7.1.1 enthält Edgy Eft darüber hinaus einen X-Server, der bereits Aiglx für 3D-Effekte und Transparenzen auf dem Desktop integriert hat.

Galerie #2: Kubuntu 6.10
Galerie #2: Kubuntu 6.10
Allerdings ist Aiglx deaktiviert und auch der Compiz-Window-Manager findet sich nur im Universe-Zweig der Distribution, für dessen Pakete keine schnelle Sicherheitsunterstützung garantiert wird. Das ebenfalls für 3D-Effekte zuständige Xgl ist ebenso in Universe enthalten. In Ubuntu kommt weiterhin GNOME als Desktop zum Einsatz, das nun in der Version 2.16.1 Bestandteil der Distribution ist. Kubuntu hingegen setzt auf KDE in der Version 3.5.5 und unterscheidet sich daher bei der übrigen Paketauswahl geringfügig. So nutzt Kubuntu beispielsweise die Fotoverwaltung Digikam, Ubuntu F-Spot. Die Basis der Distributionen ist hingegen identisch. Während Edubuntu ebenfalls GNOME nutzt wird Xubuntu voraussichtlich mit Xfce 4.4 bzw. einer Vorabversion davon als Standard-Desktop erscheinen.

Galerie #1: Ubuntu 6.10
Galerie #1: Ubuntu 6.10
Die Oberflächen präsentieren sich sowohl bei Ubuntu als auch bei Kubuntu in einem neuen Design und auch der enthaltene Firefox-Browser 2.0 nutzt ein Thema, das sich nahtlos in die Desktop-Oberfläche einfügt. Ubuntu umfasst ferner OpenOffice 2.0.4, Gaim 2.0.3.1beta und den Outlook-Konkurrenten Evolution 2.8, der mit einer vertikalen Nachrichtenansicht daherkommt. Darüber hinaus ist Software wie CUPS 1.2.4 und Thunderbird 1.5.0.7 enthalten.

In Kubuntu wurde neben dem bereits erwähnten Digikam der BitTorrent-Client KTorrent 2.0.3 neu aufgenommen. Ubuntu und Kubuntu bieten beide verschiedene Techniken wie Screenreader und Bildschirmlupen, die für Barrierefreiheit sorgen. Beim Absturz eines Programms erstellt Ubuntu automatische Fehlerberichte, die an die Entwickler gesendet werden können. Damit möchte das Ubuntu-Team den Aufwand zur Einreichung eines Fehlerberichts senken, was letztlich der Qualität der Distribution zugute kommt.

Die wohl größte Änderung in Ubuntu 6.10 ist jedoch das neue Init-System Upstart, von dem der Anwender allerdings nicht viel merkt. Upstart ersetzt das alte Sysvinit und ist in Edgy Eft bereits für die Init-Skripte, die Dienste starten und stoppen, zuständig. In späteren Ubuntu-Versionen soll Upstart auch Cron-Jobs übernehmen, um Prozesse zu einem vorgegebenen Zeitpunkt auszuführen. Upstart arbeitet ereignisgesteuert, reagiert also beispielsweise auf Ereignisse wie das Anschließen eines neuen blockorientierten Gerätes oder das Einbinden eines Dateisystems. Als Reaktion auf solche Ereignisse führt Upstart Dienste aus oder stoppt diese wieder.

Galerie #2: Kubuntu 6.10
Galerie #2: Kubuntu 6.10
Wie schon mit Desktop-Effekten zeigt sich Edgy Eft auch an anderer Stelle modern und integriert die Virtualisierungstechnik Xen. Jedoch ist auch Xen - das neben Aiglx und Xgl die augenscheinlichste Neuerung wäre - nur in Universe enthalten. Damit handelt es sich nicht nur um Software, für die unter Umständen erst nach längerer Zeit Sicherheits-Updates zur Verfügung stehen, sondern der Nutzer muss sie auch nachträglich installieren. Die Standardinstallation verzichtet damit auf Software, die in anderen Distributionen bereits gang und gäbe ist.

Für den Einsatz auf Servern ist die Distribution mit dem Apache-Webserver 2.0.55, MySQL 5.0.24a, PostgreSQL 8.1.4, PHP 5.1.6 und Perl 5.8.8 gerüstet. Python 2.4.4, die freie .Net-Implementierung Mono 1.1.17.1, Samba 3.0.22, OpenSSL 0.9.8b und OpenSSH 4.3p2 stehen außerdem zur Verfügung.

Galerie #1: Ubuntu 6.10
Galerie #1: Ubuntu 6.10
Wie schon beim Vorgänger Dapper Drake gibt es die verschiedenen Ubuntu-Varianten auf einer so genannten Desktop-CD - einer Live-CD, von der sich auch eine grafische Installationsroutine starten lässt. Diese richtet das System weitgehend ohne Benutzerinteraktion auf einem Computer ein. Wer mehr einstellen möchte, greift daher besser zur Alternative-CD, die die Installation zwar im Textmodus durchführt, dafür aber beispielsweise RAID- und LVM-Partitionierung anbietet. Diese CD ist auch dafür gedacht, vorkonfigurierte OEM-Systeme einzurichten und automatische Installationen anzuwerfen. Zumindest bei Dapper Drake zeigte sich die Textinstallation daneben wesentlich stabiler als der grafische Installer. Eine spezielle CD zur Einrichtung von Servern gibt es nur von Ubuntu.

Ubuntu 6.10 wird von Canonical wieder 18 Monate lang unterstützt und in dieser Zeit mit Sicherheits-Updates versorgt. Damit richtet sich Edgy Eft an Anwender, die neue Techniken ausprobieren wollen. Wer hingegen Wert auf stabile Systeme mit langer Sicherheitsunterstützung und Zertifizierung legt, soll weiter Ubuntu 6.06 nutzen, das die Abkürzung LTS für "Long-Term-Support" im Namen trägt. Hierfür garantiert Canonical drei Jahre Unterstützung auf dem Desktop sowie fünf Jahre auf dem Server.

Ubuntu 6.10 steht ab sofort für x86, PowerPC und AMD64 zum Download bereit. Kubuntu und Edubuntu sind ebenfalls für diese Plattformen verfügbar. Die Images liegen allerdings noch nicht auf allen Mirror-Servern.

Unter help.ubuntu.com findet sich eine Anleitung, die die verschiedenen Update-Wege von einer bestehenden Ubuntu-6.06-Installation erklärt.

Unterdessen hat Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth auch schon einen Ausblick auf den Nachfolger gegeben, der wieder wie gewohnt nach sechs Monaten und damit im April 2007 erscheinen wird. "Feisty Fawn" soll vor allem neue Multimedia-Funktionen bieten.

Nachtrag vom 26. Oktober 2006, 16:00 Uhr:
Mittlerweile steht auch die Xfce-Variante Xubuntu in der neuen Version 6.10 zum Download bereit.  (js)


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Links zum Artikel:
Edubuntu (.org): http://www.edubuntu.org/
Kubuntu (.org): http://www.kubuntu.org/
Ubuntu (.org): http://www.ubuntulinux.org
Xubuntu (.org): http://www.xubuntu.org/

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