Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0610/48514.html    Veröffentlicht: 23.10.2006 16:17    Kurz-URL: https://glm.io/48514

Spieletest: Caesar IV - Das alte Rom blüht neu auf

Viele optische, aber nur begrenzt spielerische Neuerungen

Die Caesar-Reihe mitsamt ihren Ablegern wie etwa Pharao gehört zu den wenigen Dauerbrennern im Aufbaustrategie-Genre - bisher konnte noch jeder Teil der Reihe einen Bestseller-Rang erreichen. Ähnliches dürfte auch für Caesar IV gelten: Zwar wurde das süchtig machende Gameplay kaum angetastet, dafür wartet das alte Rom nun aber mit sehr ansehnlicher und atmosphärischer 3D-Grafik auf.

Caesar IV (PC)
Caesar IV (PC)
Das grundsätzliche Spielprinzip von Caesar IV ist Veteranen der Reihe natürlich bekannt: Als Statthalter Roms obliegt es dem Spieler, in den Provinzen Städte zu errichten; je erfolgreicher diese Aufgabe verfolgt wird, desto schneller warten neue Aufgaben in anderen Provinzen und damit verbunden Ruhm und politischer Aufstieg - bis einem dann früher oder später Rom selbst zu Füßen liegt.

Caesar IV
Caesar IV
Insgesamt drei Kampagnen gilt es erfolgreich zu absolvieren, wobei jeweils eine andere Epoche des Römischen Reiches abgebildet wird. Zudem bestimmt der Spieler selbst, ob er sich eher wirtschaftlich oder militärisch auszeichnen will; wer sich also nicht mit dem Zurückschlagen von Barbarenhorden beschäftigen, sondern voll und ganz auf die eigenen Warenkreisläufe konzentrieren möchte, kann dies ungehindert tun.

Caesar IV
Caesar IV
Um Missionen innerhalb der Kampagnen erfolgreich zu absolvieren, muss die eigene Stadt meist bestimmte Werte in diversen Kategorien erfüllen - etwa bei der Einwohnerzahl oder in den Bereichen Kultur, Sicherheit und Reichtum. Und so wird von Anfang an fleißig gebaut: Von Straßen und Aquädukten über Mietskasernen bis hin zu Theatern, diversen Produktionsstätten und Märkten sind die Möglichkeiten sehr vielseitig. Schade nur, dass die Bedienung manchmal etwas zu hakelig ausgefallen ist; das Anlegen von Wegen oder das Platzieren von Gebäuden artet manchmal doch in wenig begeisternde Fummelarbeit aus.

Caesar IV
Caesar IV
In Caesar IV muss erstmals auf drei Bevölkerungsschichten Rücksicht genommen werden: Neben den armen Plebejern gibt es die Equites, die im Grunde die Mittelschicht bilden, sowie die wohlhabenden Patrizier. Letztere werden zwar nicht produktiv tätig, versorgen einen dafür aber mit dem nötigen Kleingeld - schließlich sind ihre Steuern eine bedeutende Einnahmequelle. Im Gegenzug gieren sie allerdings auch nach prächtigen Villen, eigenem Wasseranschluss und einem Wohnareal fernab der schmutzigen Produktionsstätten.

Caesar IV
Caesar IV
Die Equites übernehmen diverse medizinische Aufgaben, sind im Kulturbetrieb tätig oder überwachen die Warenabläufe. Die Plebejer hingegen werden mehr oder weniger zur Sklavenarbeit verdonnert; sie schuften in den diversen Produktionsanlagen und werden in wenig ansehnliche Mietskasernen gepfercht.

Caesar IV
Caesar IV
Reicht es zu Beginn noch, ein paar Arbeiter anzusiedeln und simple Grundelemente wie Essen, Wasser und Straßen bereitzustellen, offenbart Caesar IV schon bald seine vielfältigen Möglichkeiten in Sachen Produktion und Handel; vor allem die Patrizier verlangen schließlich nach Luxusgütern, und die sind teuer im Import - je autarker eine Provinz also ist, desto besser entwickelt sich die Laune der Bewohner und die eigene Staatskasse wird ebenfalls geschont. Mangelt es an Grundstoffen wie Holz und Eisen, gerät die Produktion aber schnell ins Stocken; es ist also durchaus eine Herausforderung, die perfekte Balance aus Arbeitern, Produktionsmöglichkeiten und Nachfrage herzustellen.

Um die trotzdem entstehenden Ungleichgewichte bei Angebot und Nachfrage auszubalancieren, helfen die Handelsrouten; über die werden dann problemlos Güter transportiert, was Geld einbringt, aber auch ausgefallenere Waren wie Gewürze einfacher zugänglich macht.

Caesar IV
Caesar IV
Natürlich darf bei alldem auch die militärische Komponente nicht völlig außer Acht gelassen werden; früher oder später verlangt die Bevölkerung nach einer mächtigen Stadtmauer, um sich sicherer zu fühlen, und auch um Kasernen und Waffen muss sich gekümmert werden; nichtsdestotrotz ist der Militär-Part im Spiel eher rudimentär ausgefallen und bietet nur begrenzte Aktionsmöglichkeiten.

Caesar IV
Caesar IV
Glücklicherweise gibt das Spiel jederzeit Hinweise und Hilfestellungen, was sehr hilfreich ist, um den Überblick über alle aktuellen Engpässe und Probleme zu behalten - so bleiben die Kampagnen trotz des schnell ansteigenden Schwierigkeitsgrades immer meisterbar. Zusätzliche Unterstützung bietet die Grafik: An kleinen optischen Details lässt sich nämlich ablesen, ob Arbeiter beschäftigt oder gelangweilt und die Wasserversorgung funktionstüchtig oder unterbrochen ist.

Caesar IV
Caesar IV
Überhaupt wurde diesmal viel Wert auf eine standesgemäße Präsentation gelegt: Dynamische Schatten- und Lichteffekte, ein beständiger Tag-/Nachtwechsel, sehr viele unterschiedliche und detaillierte Gebäude oder wechselndes Wetter garantieren eine dichte Atmosphäre; ein wenig steril wirkt das Szenario leider trotzdem immer noch.

Caesar IV ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 40,- Euro.

Fazit:
Mit großen spielerischen Neuerungen kann Caesar IV nicht aufwarten - das bekannte Städtebau-Prinzip wurde kaum angetastet, trotz neuer Bevölkerungsschichten muss eben weiterhin für Arbeit, Unterhaltung, Sicherheit und Handel gesorgt werden, so dass die eigenen Städte wachsen und gedeihen können; wirklich abwechslungsreiche Missionsziele werden nicht geboten. Dank deutlich aufpolierter Präsentation und vieler spielerischer Möglichkeiten bleibt Caesar IV trotzdem das Nonplusultra in Sachen antiker Städtebausimulation; Freunde der Serie dürfen sich jedenfalls über die bisher schönste Reinkarnation des alten Römischen Reiches am PC freuen.  (tw)


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Links zum Artikel:
Caesar IV - Offizielle Website zum Strategiespiel (.com): http://www.caesariv.com/de/
Vivendi Universal Games: http://de.vu-games.com

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