Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0610/48263.html    Veröffentlicht: 09.10.2006 19:06    Kurz-URL: https://glm.io/48263

OLPC: Revolutionäres Sicherheitskonzept für Bildungs-Laptop

Abgeschottete Anwendungen mit Abfragen beim Benutzer

In einem Interview und einer Mailing-Liste hat der Software-Chef des für eine Bildungsoffensive in der Dritten Welt gedachten 100-Dollar-Laptops ein für bisherige Betriebssysteme revolutionäres Sicherheitskonzept angedeutet. So sollen die Rechner nicht einmal einen ständig aktualisierten Virenscanner benötigen, da sich die Software selbst heilen kann.

Der Mitte 2006 als "Präsident für Software und Inhalte" von der gemeinnützigen Organisation OLPC berufene Entwickler Ivan Krstic unterrichtet eigentlich an der Harvard-Universität und war zuvor Forschungsleiter für medizinische Informatik am Zagreber Kinderkrankenhaus. Wie der Programmierer gegenüber der Nachrichtenagentur AP sagte, was unter anderem die australische Tageszeitung "Syndey Morning Herald" meldet, wird das Sicherheitskonzept des OLPC-Notebooks von Grund auf neu entwickelt, obwohl immer noch Linux als Basis der Software dient.

Dabei sollen die Rechner sich zwar auch in einem Netzwerk Programme teilen können, dabei aber dennoch gegenüber Angriffen immun sein. Wie Krstic in der OLPC-Mailingliste für Sicherheitsfragen erläuterte, geht sein Konzept auf theoretische Überlegungen anderer Wissenschaftler zurück, die teils schon seit sechs Jahren im Umlauf sind. So sollen die Anwendungen strikt voneinander abgeschottet werden und stets nur Zugriff auf die Dateien haben, die sie gerade brauchen. Erfolgt ein Zugriff auf eine Datei, muss das vom Benutzer stets genehmigt werden. Dass dabei aber nicht eine Flut von Anfragen bei den Kindern landet, die mit den Rechnern letztlich lernen sollen, kann derzeit nur vermutet werden.

Wie Ivan Krstic AP sagte, soll das Konzept aber nicht im Geheimen entwickelt, sondern offen mit Security-Experten getestet werden. Wie Krstic in der Mailing-Liste der OLPC auch mitteilte, will er das Sicherheitskonzept noch im Oktober 2006 ausführlich vorstellen, nachdem die ersten Anhörungen abgeschlossen sind. Der Software-Designer hält seine Lösung aber jetzt schon für so robust, dass sie keinen Virenscanner braucht - das würde eine Aktualisierung der Signaturdateien, die ohne Internetanschluss nicht denkbar ist, überflüssig machen. Vor diesem Hintergrund braucht das OLPC-Notebook auch dringend Sicherheitsfunktionen, die sich von PCs in der industrialisierten und vernetzten Welt unterscheiden. Auch das BIOS der Computer soll sich nicht direkt überschreiben lassen, da es auf neue Art und Weise verschlüsselt wird. Der Rechner soll in jedem Fall, auch nach einem Angriff, booten können.  (nie)


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Links zum Artikel:
OLPC - One Laptop Per Child (.org): http://laptop.org/
Sydney Morning Herald: "$100 Laptop May Be at Security Forefront": http://www.smh.com.au/news/Technology/100-Laptop-May-Be-at-Security-Forefront/2006/10/07/1159641558609.html

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