Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0609/48042.html    Veröffentlicht: 27.09.2006 09:47    Kurz-URL: https://glm.io/48042

IDF: Wir sind wieder vorn

Intel-CEO Otellini zeigt Quad-Cores, neuen UMPC und Schulrechner

Beflügelt durch fünf Millionen verkaufte Core-2-Duo-Prozessoren zeigte sich Intel-CEO Paul Otellini bei seiner Eröffnung des "Intel Developer Forum Fall 2006" mehr als optimistisch. Schon 2007 sollen vier Kerne in Desktop-PCs zum Standard werden - und auch zäh angelaufene Projekte wie den UMPC will Intel noch jahrelang verfolgen. Auch einer der nach Stückzahlen kleinsten Intel-Kunden bekam Gelegenheit für einen Überraschungsauftritt.

Phil Schiller
Phil Schiller
Bevor Paul Otellini die Bühne betrat, spielte Intel eine Persiflage auf die in den USA derzeit auf allen Kanälen laufenden Apple-Fernsehspots als Video ein. Anders als im Original fielen sich die beiden Herren, die einen "Mac" und einen "PC" darstellten, am Ende des Clips in die Arme - schließlich hatte der Mac-Darsteller ein schlecht aufgeklebtes Tattoo-Imitat des Core-2-Duo-Logos auf dem Bizeps - und dafür musste ihn wohl der PC-Darsteller einfach gern haben.

Otellini führte im Anschluss Apple als besonders gutes Beispiel an, wie ein Unternehmen auf Grund der Intel-Bausteine erfolgreiche Produkte entwickeln und dabei innovativ sein kann. Trotz dieser tiefen Verbeugung betrat im Anschluss nicht Apple-Messias Steve Jobs, sondern sein Marketing-Chef Phil Schiller die Bühne. Er durfte erstmals in der Geschichte des IDF die gesamte Rechner-Palette eines Herstellers vorstellen, ohne dabei ein einziges neues Produkt zu zeigen.

5 Mio. Core 2 Duo in 60 Tagen
5 Mio. Core 2 Duo in 60 Tagen
"Wir sind im letzten Jahr oft kritisiert worden, weil wir unsere Technologieführerschaft verloren hätten", nun sei man wieder vorn, meinte Intel-Chef Paul Otellini. Er verwies darauf, dass Intel innerhalb von nur 60 Tagen mehr als 5 Millionen Exemplare des Core 2 Duo verkauft habe. Die hohe Leistung solcher Prozessoren sah Otellini für die Zukunft auch als zwingend erforderlich an. Mehrfach verwies der Intel-Chef auf YouTube, das nach seinen Angaben jeden Tag eine Milliarde Webseiten ausliefert. Die Videos von YouTube lasten laut Otellini einen Pentium M der ersten Generation (Banias-Kern) zu über 80 Prozent aus, ein Core 2 Duo soll bei der Wiedergabe nur zu 5 Prozent beschäftigt sein. Durch die extrem schnell wachsende Popularität solcher Angebote - Otellini vermied dabei das Hype-Wort "Web 2.0" - soll auch in Zukunft der Bedarf nach Rechenleistung rasant steigen.

Rechner mit Core 2 Quad
Rechner mit Core 2 Quad
Eine Intel-Lösung dafür ist der Quad-Core-Prozessor, den Intel bereits im November ausliefern will - allerdings vorerst nur als teure "Extreme"-Variante. Wie Otellini sekundenkurz zeigte, sollen die Vierkerner für den Massenmarkt unter dem Namen "Core 2 Quad" erst im ersten Quartal des Jahres 2007 folgen. Bisher war dafür der Name "Core 2 Quadro" vermutet worden. Unter diesem Namen hatte auch Tom's Hardware Guide (THG) seine unautorisierten Vorabtests des extremen Quad-Cores durchgeführt und wurde nun von Intel mit einer Erwähnung in der IDF-Keynote geadelt. Bisher hatte Intel solche unabhängigen Tests von nicht offiziell angekündigten Produkten mit aller Macht bekämpft. Angesichts des harten Wettbewerbs mit AMD ist auch dem größten Hableiterhersteller der Welt nun offenbar jedes Mittel recht. Bereits vor sechs Monaten hatte Intel Journalisten unter Aufsicht auf dem IDF Gelegenheit gegeben, den Core 2 Duo weit vor Markteinführung durchzumessen.

Alan Wake auf dem IDF
Alan Wake auf dem IDF
Auch in anderen Bereichen haben sich die Segel bei Intel gedreht. Am ausführlichsten stellte Otellini den Quad-Core mit dem grafisch äußerst beeindruckenden Spiel "Alan Wake" von Remedy vor. Der Chef des Studios, Markus Maki, erklärte später gegenüber Golem.de, die wegweisende Engine des Spiels solle - anders als früher beim Titel "Max Payne" - aber nicht in die Benchmarks von Futuremark Einzug halten. Bei der auf vier Kernen laufenden spielbaren Demo von "Alan Wake" wurde einer der Cores ausschließlich für die überzeugende Physik verwendet - Intel erteilte damit dem von ATI und Nvidia bevorzugten Verarbeiten von Physik-Berechnungen in der GPU eine Absage. Wann der Titel erscheinen soll, verriet Maki wie auch bisher noch nicht.

Etwas ernsthaftere Anwendungen zeigte Intel mit einem Server-System von Rackable. Dabei war es gelungen, insgesamt 320 Cores in einem Rack unterzubringen - mit 80 Quad-Core-Prozessoren, deren Server-Variante mit Codenamen "Cloverton" noch 2006 erscheinen soll. Rackable wies darauf hin, dass man mit diesem Rechner durch die Leistung von 3,2 Teraflops locker einen Platz in den oberen 300 Supercomputern der Top500-Liste erzielen kann.

UMPC fürs Auto
UMPC fürs Auto
Ganz so schnell rechnen die UMPC-Systeme noch nicht - aber immerhin hat sich Intel, vor allem zusammen mit dem Unternehmen Streetdeck, dafür neue Anwendungsbeispiele ausgedacht. Bisher waren die UMPCs vor allem für zu kurze Akku-Laufzeiten und hohe Preise bei wenig Nutzen kritisiert worden. Also hat sie Intel kurzerhand an einen Ort verpflanzt, wo ein Blei-Akku tagelangen Betrieb garantiert: ins Auto. Ein in einen VW eingebauter UMPC tauschte dabei per WLAN mit einem losen UMPC Daten aus. Die Idee: Man sucht zu Hause einen Ort für die nächste Unternehmung aus und übermittelt die gefundenen Ziele dann an den UMPC im Auto, welcher dann die Navigation per GPS übernimmt. Auch Favoriten der heimischen Musikbibliothek, die man per WLAN-Stream auf dem UMPC durchgeht, kann man mit der Streetdeck-Software mit der Auto-Anlage abgleichen. Intel führte dies mit einem neuen UMPC-Design mit ausklappbarer Tastatur vor; wann dieses Modell auf den Markt kommt, wurde aber noch nicht bekannt gegeben.

Classmate
Classmate
Zum Schluss seiner Keynote-Ansprache widmete sich Paul Otellini noch dem sozialen Engagement von Intel. Im Rahmen seines Programms "World Ahead" will Intel in den nächsten fünf Jahren 100.000 Computer an Schulen verschenken, vor allem in der Dritten Welt. Zudem sollen 10 Millionen Lehrer für das Unterrichten mit Computern ausgebildet werden. Im genannten Zeitraum will Intel dafür 1 Milliarde US-Dollar ausgeben. Ein Pilotprojekt in Nigeria führte Intel mit einem Video vor, in dem die Schüler begeistert auf einem "Classmate" genannten Notebook arbeiteten und dabei kindgerecht aufbereitet auch Dinge wie chirurgische Operationen kennenlernen konnten - eine der Schülerinnen wollte schließlich Ärztin werden. Mit dieser Demonstration kann man wohl die Hoffnung endgültig begraben, dass Intel sich mit seinen Milliarden noch an der Inititiative "One Laptop per Child" (OLPC) beteiligt. Immerhin steckt in den Referenz-Designs dieser Organisation ja auch ein Geode-Prozessor von AMD.  (nie)


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