Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0609/47983.html    Veröffentlicht: 29.09.2006 14:37    Kurz-URL: https://glm.io/47983

Spieletest: Ninety-Nine Nights - Viele Goblins & Langeweile

Uninspiriertes Hack&Slay für die Xbox360

Der Software-Nachschub für die Xbox 360 tröpfelt weiter nur so vor sich hin, wirkliche Highlights sucht man meist vergeblich, und wenn dann mal etwas erscheint, handelt es sich oft nur um enttäuschende Stangenware. Das zunächst durchaus vielversprechend scheinende Ninety-Nine Nights ist da leider keine Ausnahme - und das, obwohl das Spiel exklusiv für die neue Microsoft-Konsole und zudem von zwei durchaus talentierten Teams entwickelt wurde.

Ninety-Nine Nights (Xbox 360)
Ninety-Nine Nights (Xbox 360)
Zuständig für Ninety-Nine Nights waren das koreanische Unternehmen Phantagram, das zuletzt mit Kingdom Under Fire: Heroes durchaus begeistern konnte, sowie Q Entertainment, die in der Vergangenheit für so kreative Programme wie Lumines verantwortlich waren. Das Endergebnis erinnert auch durchaus an Kingdom Under Fire oder auch Dynasty Warriors - nur dass alles, was das Spiel hätte interessant oder abwechslungsreich gestalten könnte, von den Entwicklern offensichtlich als überflüssiger Ballast angesehen wurde.

Ninety-Nine Nights
Ninety-Nine Nights
Das beginnt schon bei der stereotypen Hintergrundgeschichte: Ein wichtiges Artefakt wurde gestohlen, Goblins und Menschen beschuldigen sich gegenseitig, und schon beginnt mal wieder der bekannte Kampf Gut gegen Böse. Zwar gibt es im Spielverlauf mehrere unterschiedliche Charaktere, die der Spieler übernimmt, so dass die Story immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wird. Allerdings wird eine langweilige Geschichte nun mal auch durch unterschiedliche Perspektiven nicht spannender.

Das viel größere Problem von Ninety-Nine Nights ist allerdings das öde Gameplay: In bester Hack&Slay-Manier geht es im Grunde die ganze Zeit nur darum, Unmengen von Bösewichten vom Schirm zu fegen. Das sieht zunächst sehr beeindruckend aus, da die Kontrahenten wirklich in beachtlichen Massen auf den Spieler einstürzen; das Wort "episch" ist im Zusammenhang mit den Schlachten also durchaus zutreffend. Dumm nur, dass im Grunde nicht viel mehr getan werden muss als andauernd dieselben zwei Knöpfe zu drücken, um sich der visuellen Übermacht zu erwehren. Meist kann ein einzelner Schwerthieb gleich mehrere Feinde niedermetzeln, ganz so als würde man nicht gegen Goblins, sondern gegen Ameisen anrennen. Taktik und Strategie gibt es keine, und die zum Teil mit simplen Befehlen dirigierbaren Truppen, die sich dem Spieler anschließen, sind ähnlich dummes Kanonenfutter wie die Soldaten der Gegenseite.

Ninety-Nine Nights
Ninety-Nine Nights
Durch erfolgreiches Metzeln gewinnt der eigene Charakter zwar beständig an Stärke und levelt automatisch auf. Auch neue Kombos werden kontinuierlich erlernt; diese sehen zwar zum Teil nett aus, sind spielerisch aber kaum von Bedeutung. Immerhin darf zwischendurch einiges an Items auf dem Schlachtfeld aufgesammelt werden, von neuen Waffen bis hin zu Extra-Magie.

Ninety-Nine Nights
Ninety-Nine Nights
Auch in technischer Hinsicht ist Ninety-Nine Nights nicht gerade dazu angetan, Xbox-360-Besitzer vom Wert ihrer Konsole zu überzeugen: Sicherlich ist die schiere Masse an dargestellten Kämpfern beeindruckend und manche Combos sind zweifelsohne sehr ansehnlich in Szene gesetzt. Die Landschaftsgrafiken der Fantasy-Welt wissen hingegen kaum zu überzeugen und bleiben recht farb- und detailarm. Zudem gibt es den einen oder anderen Ruckler bei extrem viel Action auf dem Schirm. Da kann der klassische Bombast-Soundtrack auch nicht mehr viel retten.

Ninety-Nine Nights ist seit dem 1. September 2006 exklusiv für die Xbox 360 erhältlich.

Fazit:
Stupides Gameplay, fade Story, keine Überraschungen - auch wer verzweifelt nach neuer exklusiver Software für seine Xbox 360 sucht, wird nach den ersten 60 Minuten die Lust an Ninety-Nine Nights verlieren. Gute Ansätze sind zwar da, auf Grund mangelnden Tiefgangs in inhaltlicher und spielerischer Hinsicht aber eben längst nicht genug, um den Kaufpreis für dieses Spiel zu rechtfertigen.  (tw)


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