Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0609/47547.html    Veröffentlicht: 01.09.2006 15:11    Kurz-URL: https://glm.io/47547

IFA-Selbstversuch: Ist HDTV besser als PAL?

Direkter Vergleich mit digitalem Trickfilm

Als kleinen Gegenpol zum alles beherrschenden HDTV-Hype auf der IFA hat der Heise Verlag auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin einen Versuch aufgebaut, an dem jeder Besucher teilnehmen kann. Mit identischen und handelsüblichen Flachbild-Fernsehern kann man überprüfen, ob man den angeblich so großen Unterschied zwischen HD-Material und herkömmlichen PAL-Bildern überhaupt erkennt.

HD-Test am Heise-Stand
HD-Test am Heise-Stand
Zwar ist der Versuch der Kollegen mit einigen Gemeinheiten gespickt, aber er zeigt deutlich, dass es viel mehr auf die Qualität des Bildmaterials ankommt als auf die Wiedergabegeräte. Als Testfilm wählte Heise den computeranimierten Open-Source-Streifen "Elephants Dream".

Der rein digital produzierte Film liegt sowohl in PAL-Auflösung (720 x 576 Pixel) als auch als HD-DVD (1.920 x 1.080 Pixel) vor. Beide Versionen wurden auch von den Render-Rechnern in diesen Formaten erstellt, das Bild enthält also immer so viele Details und so viel Schärfe wie von den Filmemachern gewünscht. Selbst bei großen Hollywood-Studios ist das noch nicht immer gegeben, da häufig verschiedene Formate aus ein und demselben "Transfer", also einer ersten Abtastung des Filmmaterials generiert werden.

Die beiden Versionen von "Elephants Dream" zeigt Heise an seinem Stand 223 in Halle 1.2 auf je zwei identischen Fernsehern verschiedener Hersteller. Zwei LCD-Modelle mit 1.366 x 768 Pixeln stehen beispielhaft für viele preisgünstige "HD ready"-Geräte. Dazu kommen zwei große Plasma-Displays mit gleicher Auflösung und als Königsklasse "TrueHD" noch zwei LCD-Fernseher mit 1.920 x 1.080 Pixeln.

Die beiden Exemplare desselben Modells hängen jeweils übereinander, eines wird mit HD-Material, das andere mit PAL-Daten gefüttert. Das geschieht per HDMI über eine Verteilerbox, die beiden Zuspiel-PCs sind über eine selbstentwickelte Software nahezu Frame-genau synchronisiert. Aufgabe der Besucher des Heise-Standes ist es, zu erraten, welcher der Fernseher die HDTV-Version des Films zeigt. Dafür winkt als Preis ein Media-Center-Notebook.

Bei genauer Betrachtung ist dieser auf den ersten Blick trivial anmutende Test alles andere als einfach. Vor allem die Displays mit 768 Zeilen machen eine Bewertung schwer, da sie das HD-Material herunter- und den PAL-Film heraufrechnen müssen. Einen Eindruck der Bildschärfe und Artefaktarmut ergibt sich dabei eher durch die Skalierung des Fernsehers als durch das Bildmaterial - in manchen Szenen kann durch geglättete Kanten PAL deutlich besser aussehen als abskaliertes HDTV mit 1.920 x 1.080 Pixeln.

Auch bei den FullHD-Fernsehern lässt sich der Unterschied erst nach einigen Szenen und bei genauer Beobachtung von harten Kanten und Bilddetails feststellen. Bei einem ersten Test innerhalb einer Minute Betrachtungszeit für die 6 Monitore lag Golem.de in einem der drei Fälle glatt daneben.

Wie die Redaktion der Heise-Zeitschrift c't gegenüber Golem.de erklärte, geht es bei diesem Versuch aber nicht darum, HDTV global als nutzlos abzuqualifizieren. Vielmehr wolle man zeigen, dass gutes PAL-Material auf manchen Fernsehern durchaus einen ähnlich guten subjektiven Qualitätseindruck wie HDTV-Filme erreichen kann. Den umgekehrten Effekt kennen viele Käufer eines Flachbildschirms, die durch dessen digitale Schärfe oftmals erst feststellen, wie miserabel insbesondere das Bild von analogen Kabelanschlüssen sein kann.  (nie)


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Links zum Artikel:
Verlag Heinz Heise: http://www.heise.de

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