Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0607/46507.html    Veröffentlicht: 14.07.2006 08:38    Kurz-URL: https://glm.io/46507

Test: Core 2 Duo schlägt Athlon X2

Conroe-Prozessor E6700 im Golem-Test

Die Tage des Athlon 64 X2 als Preis-Leistungs-Sieger sind gezählt: Am 27. Juli 2006 kommt Intels "Core 2 Duo" auf den Markt, der den AMD-Prozessor in allen Bereichen schlägt. Vorab erlaubt Intel endlich auch vollständig unabhängige Tests - Golem.de hat nachgemessen.

Wohl kein Prozessor wurde seit dem Erscheinen des Pentium 4 vor fast sechs Jahren oder dem Athlon 64 so heiß erwartet wie der unter dem Codenamen "Conroe" bekannte Core 2 Duo von Intel. Er stellt nach den Server-Prozessoren der Xeon-5100-Serie ("Woodcrest") die Desktop-Ausgabe der 2006 nach und nach erscheinenden CPUs mit Core-Architektur dar - und läutet das Ende der Netburst-Ära und der Marke Pentium ein.

Die Conroes: Core 2 Duo und Core 2 Extreme
Die Conroes: Core 2 Duo und Core 2 Extreme
Die Netburst-Architektur des Pentium 4 und seiner zahlreichen Derivate war von Anfang an umstritten. Die Prozessoren arbeiteten mit einer im Lauf der Revisionen immer länger werdenden Pipeline und waren so auf extrem hohe Taktfrequenzen angewiesen. Intel hatte jedoch den enormen Strombedarf unterschätzt und lief schon 2004 mit rund 130 Watt typischer Leistungsaufnahme gegen die Wand dessen, was mit Lufkühlung in Standard-PCs noch machbar ist. Schließlich musste auch der ursprünglich schon für 2005 angekündigte Pentium 4 mit 4 GHz abgesagt werden. AMD hingegen hatte sich mit der Hammer-Architektur schon früh auf niedrigeren Takt und dafür mehr Effizienz ausgerichtet und brauchte stets weniger Strom für - auf den Preis bezogen - mehr Leistung. Mit der Marke "Cool'n'Quiet" hatte man das Manko des Konkurrenten auch noch clever genutzt, um das Bewusstsein für den Stromverbrauch von PCs beim Kunden zu schärfen.

Da wundert es nicht, dass der Core 2 Duo als Nachfolger der Pentiums aus der Entwicklung der Mobilprozessoren abgeleitet wurde. Sein Design ist eine Weiterentwicklung des Pentium M, der in zahllosen Centrino-Notebooks steckt. Für diese neue Architektur hat Intel den Namen "Core" auserkoren. Die aktuellen Mobil-Prozessoren heißen zwar auch schon "Core Duo", arbeiten aber noch mit einem anderen Kern - die Verwechslungsgefahr ist offenbar gewollt.

Cache als Leistungsträger

Über die Core-Architektur hat Golem.de bereits ausführlich berichtet. Daher an dieser Stelle nur die wichtigsten Neuerungen, die der folgende Test mit Messwerten belegt. Der Core 2 Duo arbeitet vierfach multiskalar, kann also stets mindestens vier Befehle gleichzeitig ausführen. Seine beiden Kerne können auf einen bis zu 4 MByte großen Cache zugreifen, den sie sich dynamisch teilen. Intel nennt das "Advanced Smart Cache". Eine Anwendung, die nicht auf mehrere Cores optimiert ist, kann den Cache fast exklusiv nutzen, was sich als einer der wesentlichen Faktoren für die Leistung des Conroe herausgestellt hat.

32-Bit-Transfers des Core 2 Duo E6700
32-Bit-Transfers des Core 2 Duo E6700
So zeigt auch der nicht dual-core-taugliche Benchmark tecMem unserer Kollegen von tecChannel.de, wie fix der Smart Cache arbeitet. Schon bei 32-Bit-Zugriffen kann Conroe seine Stores mit knapp 13.000 MByte pro Sekunde ausführen - doppelt so schnell wie ein Athlon 64 X2. Intel macht hier seinen externen Speichercontroller durch den Cache wieder wett. Die beeindruckende Cache- und Speicherperformance mag auch ein Grund sein, warum selbst die neue Gamer-CPU "Core 2 Extreme" zunächst nicht mit den angepeilten effektiv 1.333 MHz FSB-Takt erscheint. Die ersten Conroes arbeiten sämtlich mit 1.066 MHz FSB.

128-Bit-Transfers des Core 2 Duo E6700
128-Bit-Transfers des Core 2 Duo E6700
Intel hat auch die Verarbeitung von SSE-Befehlen beim Core 2 Duo kräftig überarbeitet, was sich auch in der Praxis auswirkt. Der schnelle Cache hilft auch hier: Bei 128-Bit-Zugriffen erreicht der Conroe über 16.000 MByte pro Sekunde. Gerade bei komprimierten Audio- und Videodateien sorgt das für mehr Tempo. Die üblichen Funktionen aktueller Intel-Prozessoren, wie EM64T, die Datenausführungsverhinderung EDB und die Virtualisierungstechnologie VT, bringen alle Core 2 Duo mit.

Kontrahenten und Preise

Mit den ersten Testmustern hat Intel auch die Preise für den Core 2 Duo veröffentlicht. Golem.de hat sich daher entschieden, die derzeit etwa preisgleichen Prozessoren Core 2 Duo E6700 (2,66 GHz) und Athlon 64 X2 4800+ (2,4 GHz) gegeneinander antreten zu lassen. Beide kosten um 550,- Euro und stellen die gerade noch bezahlbare Oberklasse der Desktop-Prozessoren dar. Nach bisher unbestätigten Angaben will AMD aber auf den Conroe mit massiven Preissenkungen reagieren - ebenso wie Intel, die den Pentium 4 und Pentium D bald zu Auslaufmodellen erklären dürften. Schon ab 23. Juli 2006 sind die Pentium D gleich teuer oder deutlich billiger als die Core 2 Duo.


975XBX, Intels böse Axt
975XBX, Intels böse Axt
Beide Prozessoren dieses Tests arbeiten mit DDR-2-Speicher, so dass auch hier Vergleichbarkeit gegeben ist. Intel hat diesmal mit einer neuen CPU nicht gleich die Plattform renoviert - DDR-2 und PCI Express sind längst Standard, und auch der Sockel LGA 775 bleibt gleich. Dennoch läuft der Conroe nicht in allen existierenden Boards, diese müssen durch geänderte Spannungsversorgung für den Core 2 Duo fit gemacht werden. Mangels Alternativen kam zum Test das Highend-Board "975 XBX" ("Bad Axe") in Revision 304 von Intel zum Einsatz. Sein 975-Chipsatz kann ebenso wie der günstigere 965 im Prinzip mit Conroe umgehen. In den kommenden Wochen dürften zahlreiche Board-Hersteller "Conroe ready"-Produkte ankündigen. Neue Boards sind aber - trotz gleichen Sockels - in jedem Fall nötig, ein reines BIOS-Update reicht diesmal nicht.

CPU-Z erkennt Conroe bereits
CPU-Z erkennt Conroe bereits
Für den Athlon 64 X2 wurde ein K9A Platinum von MSI mit ATIs 3200-Chipsatz verwendet. Darin laufen die auch für die Intel-Plattform verwendeten X1900-Grafikkarten optimal, auch als CrossFire-Verbund - für das Intel-Board gibt es keine offizielle Unterstützung von SLI-Kombinationen von Nvidia, wohl aber für ATI-Lösungen. Für diesen Test kam jedoch stets nur eine Grafikkarte zum Einsatz, das Duell Core 2 Extreme gegen Athlon 64 FX zeigt Golem.de in einem späteren Test. Als Grafiktreiber diente der serienmässige Catalyst 6.6. Um praxisnah zu bleiben, wurden beide Systeme mit zweimal 512 MByte DDR-667-Speicher mit 5-5-5-Timing von Kingston ausgestattet - DDR-800-Module sind derzeit noch rar und sehr teuer.

Beide Systeme standen - anders als bei Intels Vorabtests - mehrere Tage zum freien Testen zur Verfügung. Intel lieferte dafür ein noch als Beta-Version bezeichnetes BIOS (Version 1209) für seine böse Axt mit, und auch die Prozessoren in Stepping 5 waren noch als "Engineering Sample" gekennzeichnet, dürften aber sehr nahe an der Serie sein.

Synthetische Tests

Mag der nicht auf einer echten Spiele-Engine basierende 3DMark06 noch so umstritten sein - er ist konsequent auf Dual-Cores optimiert und wegen seiner einfachen Bedienung und der fein abgestuften Ergebnisse bei Privatanwendern sehr beliebt. Das Gleiche gilt auch für den PCMark05, der sich immerhin echter Anwendungen wie dem Internet Explorer 6 und dem Windows Media Encoder 10 bedient.

Höhere Werte sind besser
Höhere Werte sind besser
Beim 3DMark06 erreicht der Core 2 Duo E6700 5.993 Punkte, der Athlon 64 X2 4800+ liegt mit 5.575 Punkten nur knapp dahinter. In diesen Gesamtwert der Standardeinstellungen des Tests fließt die Grafikkarte aber sehr stark ein. Beim Blick auf den CPU-Score zeigt sich erstmals die Überlegenheit von Conroe: 2.321 Punkte stehen 1.835 Punkten gegenüber.

Höhere Werte sind besser
Höhere Werte sind besser
Ebenso beim PCMark05: Hier erreicht der E6700 6.443 Punkte in der Gesamtwertung und 6.745 für den Prozessor allein. Bei ansonsten gleicher Ausstattung kommt der 4800+ hier nur auf 5.249 Punkte und 4.908 für den Prozessor.

Höhere Werte sind besser
Höhere Werte sind besser
Besonders bei den Multi-Tasking-Tests, wenn PCMark mehrere Dateien gleichzeitig bearbeitet, kann der Core-Prozessor den Athlon X2 deutlich abhängen. Hier zeigt sich der Einfluss des schnellen Caches und der fixen SSE-Rechenwerke.

Geringere Werte sind besser
Geringere Werte sind besser
Dass die Integer- und Gleitkomma-Einheiten des Core 2 Duo auch mit älteren Single-Threaded-Anwendungen trotz gegenüber dem Pentium geringeren Takt viel schneller sind, haben wir mit dem bei Übertaktern sehr beliebten "Super Pi" ausprobiert, das die Kreiszahl auf mehrere Millionen Stellen nach dem Komma berechnet. Für eine Million Stellen braucht der Core 2 Duo nur 19,6 Sekunden, der X2 aber 37,3 Sekunden. Gerade für ein zehn Jahre altes Programm wie Super Pi zeigt das deutlich, wie effektiv die Core-Architektur x86-Code optimieren kann.

Multimedia-Leistung

Programme zur Bearbeitung von digitalen Medien lassen sich besonders gut parallelisieren und sind daher eine Domäne von Mehrkern-Prozessoren. Wir haben stellvertretend den MP3-Encoder von Apples iTunes 6 herausgegriffen, der eine 700-MByte-Datei - ensprechend einer ganzen CD - in ein MP3-File mit 128 kBit/s umwandeln musste. Der Core 2 Duo schaffte das in einer Minute und 15 Sekunden, der Athlon 64 X2 brauchte genau eine halbe Minute länger. Damit erledigt der Intel-Prozessor diese Aufgabe ganze 40 Prozent schneller.

Geringere Werte sind besser
Geringere Werte sind besser
Dasselbe Bild ergab sich bei einem anderen praxisnahen Test. Dabei wurde die nicht kopiergeschützte Original-DVD des Films "Kondom des Grauens" mit der deutschen Version von DVDShrink 3.2, die keine CSS-Entschlüsselung beherrscht, auf die 4,35 GByte eines Single-Layer-Rohlings eingedampft. Um die Qualität zu erhalten, wurde zunächst eine Tiefenanalyse des Films durchgeführt, die nicht in die Messung einging. Bewertet wurde schließlich das Auslesen und Komprimieren des Films bei einer gleichzeitigen Glättung der Artefakte. Das DVD-Laufwerk spielt dabei nur zu Beginn und beim Layer-Wechsel eine Rolle, bei rund 90 Prozent des Tests sind die Kerne der Prozessoren voll ausgelastet.

Geringere Werte sind besser
Geringere Werte sind besser
Der Core 2 Duo schaufelt den Film in 18 Minuten und 12 Sekunden auf die Platte, der Athlon 64 X2 braucht 31 Minuten und 32 Sekunden - er ist wieder rund 40 Prozent langsamer.

Spieletests

Wer sich derart teure Prozessoren wie die Testmuster kauft, will damit in der Regel nicht nur arbeiten, sondern auch spielen. Dual-Core-CPUs haben dabei aber nur einen Vorteil, wenn die Spiele stark in Threads aufgeteilt sind. Bei der deutschen Version von Quake4 (Version 1.2) und dem Shooter Fear (1.05) ist das der Fall. Ob der sehr schnellen Grafikkarte wurden beide Spiele bei maximalen Details getestet, Quake4 lief dabei mit 1.280 x 1.024 Pixeln getestet, Fear erlaubt bei 1 GByte Speicher ob seiner extremen Texturmenge nur 1.280 x 960 Pixel. Beim Test mit einer eigenen Multiplayer-Demo war die SMP-Funktion von Quake4, die id Software in der Version 1.2 stark verbessert haben will, aktiviert.

Höhere Werte sind besser
Höhere Werte sind besser
Obwohl diese Tests sehr grafiklastig sind, versorgt der Core 2 Duo den Pixelbeschleuniger noch schneller mit Daten als der Athlon 64 X2. Bei Quake 4 erreicht die Intel-CPU 172 Bilder pro Sekunde, 138 FPS sind es mit dem AMD-Prozessor. Diese Werte sind zwar selbst für anspruchsvolle Spieler noch mehr als ausreichend, dennoch ist der E6700 hier 20 Prozent schneller und hat damit noch Reserven für künftige Spiele.

Höhere Werte sind besser
Höhere Werte sind besser
Dieser Vorteil relativiert sich, wenn man die Grafik bis zum Anschlag treibt. Das enorm leistungshungrige und optisch gegenüber Quake4 opulentere Fear kommt auch auf der Intel-Plattform nur auf 71 Bilder pro Sekunde - und bricht dabei in den aufwendigsten Szenen noch auf 23 FPS ein, was für viele Spieler schon viel zu langsam ist. Das AMD-System ist hier mit 61 FPS nur noch 14 Prozent langsamer. Bei diesem Titel ist ein Rechner mit zwei Grafikkarten allein um der Spielbarkeit willen offenbar bei hohen Auflösungen nötig, wenn man nicht auf Effekte wie Anti-Aliasing und die stimmungsvollen Schatten des Spiels verzichten will.

Fazit
AMD ist geschlagen - an allen Fronten. Gleich ob bei synthetischen Tests zur reinen Rechenleistung, der Arbeit mit Mediendateien oder bei Spielen: Der Core 2 Duo ist stets 14 bis 40 Prozent schneller als ein gleich teurer und nur 200 MHz geringer getakteter Athlon 64 X2. Sollte AMD seine bisher nicht bestätigten massiven Preissenkungen aber Realität werden lassen, so erhält man mit den X2-Prozessoren immer noch jede Menge Leistung für kleines Geld.

Testplattform mit Core 2 Duo
Testplattform mit Core 2 Duo
Intel hat die Preise des Core 2 Duo clever gestaffelt - ob die kleinen Versionen E6400 und E6300 mit nur 2 statt 4 MByte L2-Cache auch so schnell sind wie ihre großen Brüder, muss sich aber erst noch zeigen - sie standen zum Test noch nicht zur Verfügung. Die Verfügbarkeit der neuen Prozessoren dürfte zudem anfangs generell gering sein. Wie Intel mitteilte, rechnet man am 27. Juli 2006 nur mit PCs, die den 1.000-Euro-Prozessor Core 2 Extreme X6800 (2,93 GHz) enthalten. Erst 30 Tage später, so Intel, sollen auch die Core 2 Duo für Normalsterbliche in Rechnern zu kaufen sein - ob die von einigen Versendern schon vollmundig angekündigten Boxed-Prozessoren also schon zum Marktstart erscheinen, ist noch nicht abzusehen.

Ein Manko des Core 2 Duo ist die Notwendigkeit eines neuen Mainboards. Hier hat AMD klar Vorteile, da für die eben erst eingeführten AM2-Sockel noch lange neue CPUs erscheinen werden. Einen bisher großen Vorteil von AMD-Systemen hat Intel aber eingeholt: Den hier getesteten Athlon 64 X2 4800+ gibt AMD mit einer typischen Leistungsaufnahme von 65 Watt an - ebenso wie Intel für den Core 2 Duo E6700. Und die Effizienz pro Takt liegt nun auch auf Intels Seite. Wer seine Prozessoren also tatsächlich nach einer Bilanz aus Leistung, Preis und Stromverbrauch kauft und nicht nach dem Markennamen, wird nun umdenken müssen.  (nie)


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Links zum Artikel:
AMD Deutschland: http://www.amd.de
Intel: http://www.intel.de

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