Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0606/45717.html    Veröffentlicht: 04.06.2006 22:26    Kurz-URL: https://glm.io/45717

Neue Benchmarks von Intels Conroe-Prozessor

Core 2 Duo E6700 im kontrollierten Vorabtest

Ende Mai 2006 lud Intel ausgewählte IT-Publikationen zu einem unter Aufsicht durchgeführten Test des kommenden Core-2-Duo-Prozessors, Codename Conroe. Trotz der kontrollierten Veranstaltung und den nur von Intel installierten Systemen sind die Ergebnisse ebenso relevant wie beeindruckend.

Mit dieser Veranstaltungsreihe, die außer in Deutschland unter anderem auch in China und Singapur durchgeführt wurde, reagierte Intel auf die konspirativ durchgeführten Vorabtests von Conroe während des IDF Spring 2006. Damals hagelte es Kritik in der Presse und durch Anwender auch in zahlreichen Internetforen, da die Journalisten nur vorinstallierte Tests auf einem von Intel aufgesetzten System durchführen konnten. Zudem hatte Intel auch einen quasi "virtuellen" Athlon 64 FX-62 gebastelt, indem ein FX-60 über den frei einstellbaren Multiplikator von 2,6 auf 2,8 GHz übertaktet wurde.

Das Testsystem mit Conroe
Das Testsystem mit Conroe
Auch diesmal waren die Rechner und die Testprogramme von Intel installiert worden. Das Unternehmen bemühte sich aber um größtmögliche Transparenz. Die Tester konnten sich die Innereien der Maschinen ansehen, die BIOS-Einstellungen überprüfen und auch, etwa für andere Auflösungen bei den Spieletests, die Konfigurationsdateien der Programme ändern. Nicht erlaubt war hingegen das Installieren mitgebrachter Software. Das von Intel installierte Softwarepaket stellte jedoch einen guten Querschnitt der heute zum Testen von PC-Plattformen verwendeten Programme dar. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass sich bei völlig unabhängigen Tests noch die ein oder andere - vor allem ältere - Software findet, bei denen der Conroe nicht so sehr glänzen kann, wie er es in diesen Tests tat. Golem.de hat sich wegen der jetzt vertretbar transparenten Testbedingungen und der mehrstündigen Erfahrung mit den Systemen entschlossen, die Werte der von uns unter Intel-Aufsicht gemessenen Ergebnisse zu veröffentlichen.

Während der gesamten Veranstaltung liefen die zehn Prototypen-Systeme auch unter Last stabil. Keiner der Tester konnte sich über häufige Abstürze beklagen. Die in voluminösen Gehäusen untergebrachte Hardware blieb auch merklich kühl, obwohl zwei Grafikkarten verbaut wurden, der subjektive Lärmpegel blieb im Rahmen von Highend-Systemen.

Niedrige Temperaturen, direkt nach 3DMark06
Niedrige Temperaturen, direkt nach 3DMark06
In der Tat trat beinahe Intels zukünftig Schnellster an: Der Core 2 Duo E6700 verfügt über zwei Prozessorkerne mit Core-Architektur von je 2,66 GHz, die auf einen gemeinsamen L2-Cache von 4 MByte Größe zugreifen können. Er soll nach bisher unbestätigten Informationen das Top-Modell der Allround-Prozessoren für Desktop-PCs in Intels Programm darstellen. Noch einen Tick schneller sollen nur die "Core 2 Extreme" getauften CPUs für Technik-Fans und Computerspieler sein. Vermutlich arbeiten diese mit einem FSB-Takt von effektiv 1.333 MHz, der hier getestete E6700 lief mit 1.066 MHz. Auch höhere Takte sind für die neuen Extremisten nicht auszuschließen, der auf derselben Architektur basierende Server-Prozessor Woodcrest läuft mit bis zu 3.0 GHz. Andere Core-2-Duo-Prozessoren für den Desktop werden aber auch mit auf 2 MByte halbiertem L2-Cache erscheinen, so dass mit dem E6700 wohl schon die Oberklasse der neuen Intel-Prozessoren zum Test gelangte.

Speichertiming der Intel-Maschine
Speichertiming der Intel-Maschine
Der Core 2 Duo E6700 lief auf dem "Bad Axe"-Mainboard D975XBX in Revision 304 von Intel, das auch einen Pentium D aufnehmen kann - interessant wäre hier ein Vergleich mit dem Pentium D 960 (zwei Netburst-Kerne mit je 3,6 GHz und je 2 MByte L2-Cache) auf der gleichen Plattform gewesen - hier muss man sich aber noch gedulden, bis Intel die Conroes auch für unbeobachtete Tests in die Redaktionen schickt. Der 975X-Chipsatz steuerte zwei Speicherkanäle mit je 512 MByte DDR2-800-Speicher von Corsair. Das Gigabyte RAM lief mit recht aggressiven Timings von 4-4-4 Takten, die nur recht teure Module vertragen. Ebenfalls Highend: die beiden X1900-Grafikkarten von ATI mit je 512 MByte. Intel wollte für die Testsysteme nicht auf Nvidia-Karten zurückgreifen, da es für diese auf dem verwendeten Mainboard keine offiziellen SLI-Treiber gibt.

Zwei Grafikkarten sind bei Prozessortests durchaus sinnvoll, damit nicht die Grafikleistung zum limitierenden Faktor wird. Die SATA-Festplatte des Systems Diamond Max 6B300SO von Maxtor lief mit Native-Command-Queuing, alle unnötigen Windows-Dienste und Hintergrundprogramme wie Virenscanner waren abgeschaltet. Die Tests fanden unter Windows XP SP2 mit allen aktuellen Updates und Treibern statt, der ATI-Treiber 6.3 war allerdings noch eine Beta-Version, die wenige Tage später durch den offiziellen Catalyst 6.3 ersetzt wurde.

Zum Vergleich trat ein ebenfalls von Intel konfigurierter Rechner mit dem Athlon 64 FX-60 an, der auf 2,8 GHz übertaktet war. Der Speichertakt blieb dabei bei effektiv 400 MHz, die 1 GByte DDR-RAMs waren mit 2-2-2 Takten ebenfalls agressiv eingestellt. Hier kamen dieselben Grafikkarten und Festplatten zum Einsatz wie auf der Intel-Maschine, nur der Chipsatz war prinzipbedingt ein NForce 4 SLI. Auch an diesem Rechner gab es keine Auffälligkeiten, so dass Intel offenbar auch saubere AMD-Systeme konfigurieren kann.

Übertaktungsoptionen blieben abgeschaltet
Übertaktungsoptionen blieben abgeschaltet
Quer durch alle Tests erreichte der Intel-Rechner eine 10 bis 40 Prozent höhere Leistung als die AMD-Maschine. Das betraf sowohl die Anwendungs-Suite des PC Mark 05 Overall (7341 zu 6654 Punkten) als etwa auch spezifische CPU-Tests wie den aus 3DMark06 (2252 zu 2069 Punkte). Wie sehr sich der gemeinsame L2-Cache auswirkt, zeigten die Messungen mit Quake 4 bei 1.280 x 1.024 Pixeln in der Einstellung "High Quality". Wurde dem Spiel erlaubt, seine SMP-Funktionen und damit beide Kerne zu verwenden, erreichte es 286 Bilder pro Sekunde. Ohne SMP, also auf einem Kern des Conroe, kam es noch auf 198 Bilder. Der große L2-Cache kann also auch bei wenig in Threads aufgeteilten Anwendungen noch viel Leistung bringen. Der FX-60 mit 2,8 GHz erreichte hier mit SMP 229, ohne SMP 151 Bilder pro Sekunde.

FX-60 bei 2,8 GHz, ohne Speicher-Übertaktung
FX-60 bei 2,8 GHz, ohne Speicher-Übertaktung
Das gleiche Bild ergab sich bei deutlich CPU-lastigen Spielen wie der gemessenen Engine von Unreal Tournament 2004. Bei hoher Qualität in 1.024 x 768 Pixeln schaffte der Core 2 Duo 180 Bilder pro Sekunde, der übertaktete FX-60 kam hier nur auf 158 Bilder pro Sekunde - bisher war gerade dieses Spiel eine Domäne der AMD-CPUs gewesen.

Die Prozessorhersteller empfehlen die Dual-Core-Technik gerade für Multimedia-Anwendungen, die sich leicht in viele Threads aufteilen lassen. So kodierte im Test auch Apples iTunes eine 701 MByte große WAV-Datei auf dem E6700 in 75 Sekunden in ein MP3 mit 128 KBit/s, der FX-60 bei 2,8 GHz brauchte dafür 88 Sekunden - in der Praxis ist diese zusätzliche Wartezeit aber zu verschmerzen, als synthetischer Test aber aussagekräftig. Einen ähnlichen Geschwindigkeitsvorteil konnte der Intel-Prozessor beim Test mit dem Windows Media Encoder 9 für sich verbuchen, indem er denselben Videoclip in 69 Sekunden kodierte, während der übertaktete FX-60 83 Sekunden brauchte.

Windows XP kennt Conroe noch nicht
Windows XP kennt Conroe noch nicht
Noch etwas synthetischer, aber für die reine Rechenleistung sehr aufschlussreich waren die Ergebnisse mit dem Raytracing-Programm Povray. Die komplexe Szene "Chess2" berechnete der Core 2 Duo in 116 Sekunden, während der auf 2,8 GHz eingestellte FX-60 140 Sekunden brauchte. Bei diesem Test spielt nicht nur die Aufteilung in Threads, sondern auch die Leistung von FPU- und SSE-Einheiten eine Rolle - auch hier hat Intel offenbar deutlich zugelegt.

Mit diesen Ergebnissen zeichnet sich trotz der von Intel aufgesetzten Systeme und den Messungen unter Aufsicht ab, dass die Core-2-Duo-Prozessoren deutlich schneller arbeiten werden als die aktuellen AMD-Prozessoren. Immerhin trat hier das zum Testzeitpunkt verfügbare Top-Modell von AMD für rund 800,- Euro gegen eine Oberklasse-CPU von Intel an, die nach inoffiziellen Angaben nur um 500,- Euro kosten wird. Abzuwarten bleibt noch, wie sich die Conroes mit nur 2 MByte L2-Cache gegenüber dem hier getesteten E6700 mit 4 MByte im Vergleich zu den Athlons schlagen werden.

Intels Praxis dieser Vorabtests bietet bei allem Bemühen um Offenheit dennoch Raum für Kritik. Die Sperrfrist für diese Veröffentlichungen fiel genau einen Tag vor dem Start der zweitgrößten IT-Messe Computex in Taiwan. Da die Conroes laut Intels eigenen Angaben schon im Juli 2006 ausgeliefert werden sollen, hätten die potenziellen Kunden bis zu vollständig unabhängigen Tests nicht einmal mehr vier Wochen warten müssen. Man mag Intel zugute halten, dass der Vaterstolz über das so lang erwartete Baby manchmal zu seltsamen Aktionen treibt.  (nie)


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