Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0605/45115.html    Veröffentlicht: 04.05.2006 18:02    Kurz-URL: https://glm.io/45115

AMD ruft 3.000 Opterons mit Single-Core zurück

Prozessoren werden in synthetischen Tests zu heiß

Wie AMD bekannt gab, weist ein kleiner Teil der Opteron-Modelle x52 und x54 einen Herstellungsfehler auf. Die Prozessoren können im Betrieb mehr Leistung aufnehmen als vorgesehen und zudem zu heiß werden. AMD tauscht sie kostenfrei aus.

Die fraglichen Prozessoren wurden 2005 und Anfang 2006 hergestellt. Dabei ist AMD beim Testen des fertigen Produkts ein Fehler unterlaufen, den das Unternehmen nach eigenen Angaben selbst bemerkt und bereits behoben hat. Die CPUs können unter bestimmten Bedingungen mehr als die spezifizierten 89 Watt elektrischer Leistung aufnehmen und werden dabei zu heiß. Dank des thermischen Überlastschutzes der Opterons sollen sie aber nicht abstürzen, teilte AMD gegenüber Golem.de mit.

Wie der Prozessorhersteller betont, tritt bei diesem Effekt kein Rechenfehler oder dergleichen auf. Das anormale Verhalten der Opterons lässt sich außerdem auch nur mit bestimmten Folgen an Gleitkommabefehlen provozieren, welche die FPU des Chips stark belasten. Derartige Codefolgen kommen laut AMD in real existierenden Anwendungen und Betriebssystemen nicht vor. Man habe auch eine Vielzahl von Serversoftware daraufhin untersucht und sei nicht fündig geworden, erklärt AMD.

Betroffen sind laut Angaben des Unternehmens ca. 3.000 Opterons mit einem Prozessorkern und den Modellnummern 152, 252, 852, 154, 254 und 854. Diese CPUs lassen sich aber nicht äußerlich identifizieren. Ob der Prozessor zu den Spezifikationsverletzern gehört, kann nur ein von AMD entwickeltes Testprogramm sicher feststellen, das vermutlich die heißen Codefolgen ausführt und über die thermische Überwachung in der CPU das Verhalten des Prozessors beobachtet. Öffentlich zugänglich macht AMD dieses Programm nicht. Es soll aber jedem besorgten Opteron-Anwender zugeschickt werden, wenn er eine der im Web gelisteten Austausch-Hotlines anruft.

Großer Bedarf dürfte ohnehin nicht bestehen. Wie AMD gegenüber Golem.de versicherte, habe man etliche der hitzigen Opterons bereits identifiziert und über die Serverhersteller, an die sie verkauft wurden, direkt Kontakt mit den Besitzern der betroffenen Systeme aufgenommen.

Was jedoch mit den ausgetauschten Opterons passiert, wusste AMD Deutschland bisher nicht - gut möglich, dass sie als Mahnmal neben der ursprünglich falsch eingestellten Teststation an die Wand genagelt werden.

Nachtrag vom 9.5. 2006, 10:40 Uhr:

Wie AMD nach Erscheinen dieser Meldung mitteilte, soll das hier erwähnte Prüfprogramm nicht allen Anwendern zugänglich gemacht werden. AMD gibt es nur an PC-Hersteller heraus, welche dann zusammen mit ihren Kunden die Tests durchführen sollen.  (nie)


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Links zum Artikel:
AMD Deutschland: http://www.amd.de
Opteron-Hotlines: http://www.amd.com/us-en/0,,3715_13965,00.html

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