Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0604/44657.html    Veröffentlicht: 12.04.2006 16:23    Kurz-URL: https://glm.io/44657

Spieletest: Call of Cthulhu - Was lange gärt, wird gut?

Survival-Horror-Spiel endlich auch in der PC-Version fertig gestellt

Fans des amerikanischen Fantasy- und Horror-Schriftstellers H. P. Lovecraft werden den Tag verfluchen, an dem sie das erste Mal von einer Spielumsetzung des berühmten Cthulhu-Mythos hörten - schließlich hieß es damals, dass das Programm voraussichtlich 2001 in die Läden kommen würde. Gedauert hat es letztendlich allerdings satte fünf Jahre länger; und nicht wenige werden die Hoffnung wohl schon aufgegeben haben, dieses Spiel überhaupt einmal in die Hände zu bekommen.

Call of Cthulhu (PC)
Call of Cthulhu (PC)
Glücklicherweise ist "Call of Cthulhu - Dark Corners of the Earth" nicht so antiquiert und zerfahren, wie man es auf Grund der unzähligen Release-Verschiebungen hätte befürchten können; technisch etwa reißt das Spiel auch auf dem PC sicherlich niemandem vom Hocker, wartet aber durchaus mit einer an sich stimmigen Optik auf. Allerdings lassen das Rätseldesign, die miese Gegner-KI und einige Bugs sowie Programmierschnitzer durchaus erkennen, dass während der letzten Jahre wohl nicht immer alles reibungslos lief bei der Entwicklung.

Call of Cthulhu (PC)
Call of Cthulhu (PC)
Dark Corners Of The Earth bezieht sich inhaltlich sehr stark auf Lovecrafts Werke und lässt den Spieler in die Rolle des Privatdetektivs Jack Walter schlüpfen, der in den USA in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wegen seltsamer Vorkommnisse in die Kleinstadt Innsmouth gerufen wird. Vordergründig geht es nur darum, das Verschwinden eines Ladenbesitzers zu ergründen, bald aber schon stößt Walter auf das Tor in eine längst vergessene Dimension - und muss sich fortan mit diversen Mutanten, aber auch seelischen Problemen und dem langsamen Verlust seiner Zurechnungsfähigkeit auseinander setzen.

Call of Cthulhu (PC)
Call of Cthulhu (PC)
Auf den ersten Blick wirkt Call of Cthulhu - Dark Corners of the Earth dank der Ego-Perspektive wie ein Shooter, und auch die Bedienung ist diesem Genre entnommen. Wirklich zur Waffe gegriffen wird allerdings vergleichsweise selten; Walter ist oft ohne Schießprügel unterwegs und muss dann an gefährlichen Stellen vorbeischleichen, vor den wild gewordenen Dorfbewohnern fliehen oder in bester Adventure-Manier Rätsel lösen. Eben die schlagen stellenweise allerdings ganz schön auf die Motivation, weil sie einerseits nicht besonders kompliziert sind, andererseits aber zu ständigem erfolglosem Ausprobieren zwingen; bald schon nervt es nur noch, mal wieder einen passenden Schlüssel ausfindig zu machen.

Call of Cthulhu (PC)
Call of Cthulhu (PC)
Wer nun befürchtet, dass die zuständigen Entwickler von Bethesda die Relevanz und Wirkung der Romanvorlage vernachlässigt hätten, kann glücklicherweise beruhigt werden: In Sachen Atmosphäre gleicht Dark Corners of the Earth viel von dem aus, was es in technischer und spielerischer Hinsicht vermissen lässt. Die Schockmomente sind gut und intelligent in das Spielgeschehen eingeflochten, diverse Verfolgungsjagden geben dem Spieler wirklich das Gefühl, um sein Leben zu rennen. Hinzu kommt, dass auf detaillierte Bildschirmanzeigen verzichtet wurde; wenn es Walter schlecht geht, merkt man das an erhöhtem Herzschlag, verliert er langsam den Verstand, verschwimmt das Bild.

Call of Cthulhu (PC)
Call of Cthulhu (PC)
Call of Cthulhu - Dark Corners of the Earth ist bereits seit Ende 2005 für die Xbox erhältlich; dieser Test bezieht sich allerdings auf die PC-Version, die seit Ende März 2006 im Handel steht und etwa 30,- Euro kostet. Die USK hat dem Spiel eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit:
Gameplay-Schnitzer, technische Probleme, maue KI - Dark Corners of the Earth ist mit Sicherheit nicht das vollkommen gelungene Survival-Horror-Erlebnis geworden, das man sich erhofft hatte. Von der Klasse eines Resident Evil 4 etwa ist der Titel deshalb weit entfernt. Trotzdem können Anhänger von Lovecraft und dessen Cthulhu-Mythos die Reise nach Innsmouth antreten; atmosphärisch wurde vieles richtig gemacht, einige Schock- und Gruselmomente entschädigen zumindest Lovecraft-Fans für das nicht immer runde Spieldesign.  (tw)


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