Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0604/44428.html    Veröffentlicht: 03.04.2006 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/44428

Piratenpartei: Copyright muss beschränkt werden

2006 will die Partei ins schwedische Parlament einziehen

Die schwedische Piratenpartei wirft der Regierung vor, 20 Prozent der Bevölkerung zu kriminalisieren. Sie will das Urheberrecht auf kommerzielle Aspekte beschränken. In einem Interview mit der Website LinuxP2P sagte Parteigründer Rick Falkvinge, das Recht bevorzuge inzwischen einseitig die Interessen der großen Film- und Musikkonzerne.

Die schwedische Piratenpartei hat einen scherzhaften Namen, aber ein ernsthaftes Ziel: Sie will das Urheberrecht in Schweden und Europa modernisieren. Gegründet wurde sie Anfang 2006 von schwedischen Aktivisten. Sie wollen den Kopierschutz abschaffen und das Urheberrecht ändern - und dafür 2006 ins Parlament einziehen. Außerdem wollen sie sich dafür einsetzen, dass die Privatsphäre der Bürger besser geschützt wird.

Parteigründer Falkvinge sagte LinuxP2P, seine Partei wolle den Trend "hin zum Überwachungsstaat stoppen. Jedoch sei zum Beispiel die Normalisierung des Urheberrechts eine Angelegenheit, die nur auf europäischer Ebene neu geregelt werden könne. "Wir sehen Schweden als Brückenkopf in diesem Fall. Irgendwo muss man ja anfangen.

Der Parteigründer fragte rhetorisch: Warum dauert zum Beispiel der Urheberschutz bis 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers an? Dieser lange Zeitraum existiere lediglich aus kommerziellen Gründen und nicht zum Schutz des Urhebers. Es gebe keinen vernünftigen Ausgleich mehr zwischen dessen Interessen auf der einen Seite und dem Interesse der Gesellschaft an der Verbreitung von Kultur auf der anderen Seite, so Falkvinge.

Er warf der Regierung vor, 20 Prozent der schwedischen Bevölkerung zu kriminalisieren. Ziel der Piratenpartei sei es deshalb, das Urheberrecht künftig auf kommerzielle Weiterverwertungen zu beschränken. Kopierschutz will Falkvinge komplett verbieten. Eine Gefahr für die kommerziellen Interessen sieht er darin jedoch nicht. Es gehe vielmehr darum, das Urheberrecht zu modernisieren und dem Internetzeitalter anzupassen. "Derzeit kriminalisiert die schwedische Regierung 20 Prozent ihrer Bevölkerung", so Falkvinge. Damit meint er die etwa 1,2 Millionen Schweden, die derzeit Dateitauschbörsen nutzen.  (nz)


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