Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0603/44089.html    Veröffentlicht: 17.03.2006 10:20    Kurz-URL: https://glm.io/44089

Datenschützer greift Schufa an

Peter Schaar warnt vor informationeller Ausgrenzung

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisiert die Ausdehnung des Geschäftsfeldes der Schufa auf die Wohnungs- und Versicherungswirtschaft scharf. Schaar hält die aktuelle Entwicklung für datenschutzpolitisch und sozialpolitisch gefährlich und inakzeptabel.

Die Schufa hat in Deutschland bereits jetzt Daten von über 60 Millionen Personen gespeichert. Dabei werden die Betroffenen weitgehend ohne ihr Wissen in ihrem Verhalten abgebildet und so für Dritte berechenbar, kritisiert Schaar die Schufa. Da Daten aus vielen Branchen in den Datenbestand eingehen und abgerufen werden können, sei eine umfassende Profilbildung möglich.

"Die Konsequenz kann sein, dass ein Mensch, der im Alter von 20 Jahren auch nach einer Mahnung seine Handy-Rechnung nicht bezahlt hat, anschließend kein Konto mehr eröffnen kann, keine Wohnung mehr findet, keinen Versicherungsvertrag bekommt und ihm selbst der Zahnersatz nur gegen Vorkasse gewährt wird", so der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.

Schaar hält diese Entwicklung für datenschutzpolitisch und sozialpolitisch gefährlich und inakzeptabel. Ihm gehe es dabei nicht um den Schutz von Betrügern oder notorischen Schuldnern, sondern um den normalen Verbraucher, der sich einmal in seinem Leben auf einem Gebiet möglicherweise falsch verhalten hat: "Ich halte es nicht für richtig, dass zunehmend Branchen, die kein kreditorisches Ausfallrisiko eingehen, z.B. die Versicherungswirtschaft, nur noch mit den vermeintlich 'Guten' und 'Unbescholtenen' Geschäfte machen wollen und dabei nicht nur harte Bonitätsfakten für die Beurteilung heranziehen, sondern alle möglichen Daten, die zu einem Score-Wert zusammengefasst werden."

Der Datenschützer hält die Ausweitung des Geschäfts der Schufa auch nach dem geltenden Bundesdatenschutzgesetz für problematisch, fordert aber zugleich den Gesetzgeber auf, ggf. für eine Klarstellung zu sorgen.

Schaar kritisierte auch, dass die Erzeugung und die Verwendung von Score-Werten immer noch weitgehend intransparent sind: Es könne nicht angehen, dass die Wirtschaft über jeden Bürger immer mehr weiß, während sie sich hinsichtlich ihrer eigenen Geschäftsprozesse und die mit ihnen verbundenen Risiken für den Kunden bedeckt hält. Er fordert die Schufa auf, die Faktoren und ihre Gewichtung, die in Score-Werte eingehen, endlich öffentlich zu machen.

Besonders problematisch sei, dass in die Score-Werte auch solche Daten einfließen, die lediglich eine statistische Gruppe beschreiben, ohne dass ein Bezug zu dem individuellen Verhalten und den Verhältnissen des Einzelnen besteht. Der Betroffene habe hier kaum eine Chance - etwa durch vertragstreues Verhalten -, einer Negativbewertung zu entgehen.

Die Schufa bemüht sich derweil um mehr Transparenz und testet in weiteren Regionen die Eigenauskunft per Internet. Der Dienst meineschufa.de steht nun auch in der Kölner Region, Mettmann und Neuss zur Verfügung. Über diese Schufa-Wirtschaftsauskunft ist der Einblick in die eigene "Kreditbiografie" von zu Hause aus möglich - für 7,60 Euro im Quartal oder 15,20 Euro im Jahr. Dafür sollen dann alle positiven wie negativen Merkmale, die die Schufa über einen Verbraucher gespeichert hat, auf der Webseite einfach und verständlich erklärt werden. Rückfragen sind per Mausklick möglich.

Bis Mitte 2006 will die Schufa den Dienst in ganz Deutschland anbieten. Um sicherzustellen, dass kein Dritter Zugriff auf die Daten erhält, setzt die Schufa auf eine Registrierung mit anschließendem Post-Identitätscheck.  (ji)


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Links zum Artikel:
Bundesbeauftragter für den Datenschutz: http://www.datenschutz.bund.de
Schufa: http://www.schufa.de/

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