Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0602/43338.html    Veröffentlicht: 13.02.2006 21:38    Kurz-URL: https://glm.io/43338

HD DVD und Blu-ray - Nur schlechte Auflösung am PC?

Die meisten Grafikkarten unterstützten HDCP nur theoretisch

Mit einem Großteil der bis dato erhältlichen Grafikkarten verspricht die legale Wiedergabe von in naher Zukunft auf HD DVD oder Blu-ray Disc vertriebenen hochauflösenden Filmen ein einziges Trauerspiel zu werden. Schuld daran ist nicht die Hardware-Leistung, sondern fehlende HDCP-Schlüssel in der Hardware, so dass - abhängig vom jeweiligen Filmstudio - unter Umständen nur eine Wiedergabe mit einem Viertel der möglichen Auflösung erlaubt wird.

HD DVD und Blu-ray Disc sind jeweils eng mit DVI plus HDCP-Verschlüsselung oder mit HDMI (DVI mit erweiterer Farbspezifikation, HDCP und Audio) verbandelt. Grafikkarten können am PC zumindest DVI mit HDCP liefern, bisher ist das allerdings eher theoretischer Natur. Seit Jahren versprechen Grafikchip-Hersteller die Unterstützung von HDCP, nur fehlen fast allen bisher erhältlichen Grafikkarten die nötigen HDCP-Schlüssel, die in einen zwingend nötigen Zusatz-Chip eingebettet werden müssen.

Fehlt die HDCP-Unterstützung in der Grafikkarte oder auch im Bildschirm, so können Filmstudios den Käufern ihrer HD-DVD- und Blu-ray-Filme eine drastisch reduzierte Bildqualität aufzwingen. Dies gilt auch für die analoge Bildausgabe per VGA- oder Komponentenschnittstelle. Dazu wird dann das in 1.920 x 1.080 Bildpunkten vorliegende Videobild auf eine wenig attraktive Auflösung von 960 x 540 Bildpunkte heruntergerechnet und erst dann ausgegeben. Das entspricht wenig beeindruckenden 25 bis 50 Prozent mehr Bildauflösung als bei der DVD (PAL: 720 x 576 Pixel, NTSC: 720 x 480 Pixel) und enttäuschenden 75 Prozent unter der vollen HD-Auflösung, nicht einmal die verbreiteten 720p-Displays oder -Projektoren werden damit ordentlich genutzt.

Letztendlich entscheidet das jeweilige Filmstudio bei seinen zum Kauf angebotenen HD-DVD- oder Blu-ray-Videos, ob die vom eingesetzten Kopierschutzsystem (Advanced Access Content System, AACS) angebotene Option zur Bildverschlechterung (Image Constraint Token, ICT) genutzt wird oder nicht. Wie gesagt, es handelt sich dabei um eine Option, von der noch nicht klar ist, ob sie auch genutzt wird. Einem Bericht von Video Business Online zufolge sollen Disney, Warner Home Video, Paramount und NBC Universal zu den wahrscheinlichsten Kandidaten für einen ICT-Einsatz gehören.

In verschiedenen Foren wird darüber schon seit langem geflucht, denn viele befürchten, dass die Filmindustrie diese Option ausreizen und der ehrliche Kunde der Dumme sein wird. Raubkopierer, so wird gegen ICT argumentiert, würden schnell einen Weg finden, um den Kopierschutz auszuhebeln, während ehrliche Kunden die Filme auf ihren HDTV-fähigen Fernsehern oder Projektoren ohne HDMI/DVI+HDCP nur in künstlich verschlechterter Qualität sehen könnten. Die Filmindustrie befürchtet unterdessen, dass auch per analoge Schnittstelle zu leicht hochqualitative Mitschnitte angefertigt werden könnten.

Eingeschränkter High-Definition-Videogenuss droht nun also auch Besitzern von PCs, die zwar genügend CPU- und Grafikleistung für die Darstellung der hochauflösenden HD-DVD- oder Blu-ray-Videos mit sich bringen, deren Grafik-Hardware aber nicht voll HDCP-konform ist. Wer also mit dem Erwerb eines Blu-ray- oder HD-DVD-Laufwerkes zwecks Spielfilmwiedergabe liebäugelt, sollte sich bewusst sein, dass für uneingeschränkte HD-Unterstützung der Erwerb einer neuen Grafikkarte vonnöten ist - was vor allem diejenigen erzürnen dürfte, die gerade erst teure High-End-Produkte auch mit Aussicht auf HD-Spielfilme gekauft haben. Selbst bei den Media-Center-PCs sollen nur wenige Geräte echte HDCP-Unterstützung bieten.

Wie die Hardware-Website Firing Squad auf Nachfrage bei ATI und Nvidia erfuhr, brauchen sich Kunden auch keine Hoffnungen auf BIOS- und Treiber-Updates zu machen. Fehlt der HDCP-Chip mit den Schlüsseln, dann bringt der beste HDCP-fähige Grafikchip nichts. Die Kosten für die Hersteller fallen dabei recht gering aus - 15.000 US-Dollar soll die HDCP-Lizenz jährlich kosten, pro Gerät werden 0,005 US-Dollar fällig. Dazu kommt dann allerdings noch der HDCP-Chip, der ebenfalls etwas kosten und zudem Platz verbrauchen wird.

Kommentar:
Letztlich liegt es nun an der Filmindustrie - wird die Option genutzt, sowohl bei der DVI- als auch analogen Video-Ausgabe künstlich die Bildqualität auf unter 720p und fast auf DVD-Auflösung zu kastrieren, so wird sich der Kunde um seine bestehenden Investitionen betrogen sehen. Dies könnte letztlich dazu führen, dass ein Teil der technisch interessierten und als Initialzünder für die Formate nicht unbedeutenden Käuferschicht das Vertrauen in beide konkurrierenden DVD-Nachfolger verliert, da sie sich zu sehr gegängelt fühlt. Trotz vieler im Netz zu findender illegaler Kopien verkaufen sich DVDs prächtig, mit zu drakonischen Maßnahmen könnten Blu-ray und HD DVD lange brauchen, um ebenfalls solche enormen Erfolge zu feiern.  (ck)


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Links zum Artikel:
Firing Squad - The Great HDCP Fiasco (.com): http://www.firingsquad.com/hardware/ati_nvidia_hdcp_support/default.asp
Video Business Online - High-def ‘down-converting’ forced (.com): http://www.videobusiness.com/article/CA6300812.html

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