Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0602/43177.html    Veröffentlicht: 07.02.2006 08:54    Kurz-URL: https://glm.io/43177

Bericht: Verbotene Neonazi-Musik bei eBay-Versteigerungen

Zentralrat der Juden kritisiert eBay

Das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" hatte bei eBay in Deutschland verbotene Neonazi-Musik der Bands "Kommando Freisler", "Weiße Wölfe - Weiße Wut" und "Landser" sowie ein T-Shirt der Band "Landser" und eine Adolf-Hitler-Büste ersteigern können und berichtete in seiner Sendung am 6. Februar 2006 mit dem Beitrag "3 - 2 - 1 Mein Kampf" darüber. Das Internet-Auktionshaus handelte sich unter anderem scharfe Kritik durch den Zentralrat der Juden in Deutschland ein, der eBay schon jahrelang auf die Missstände hinwies.

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte im Interview mit Report Mainz: "Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat bereits 2002 an eBay geschrieben und darauf aufmerksam gemacht, dass es so nicht weitergehen kann. Das Gleiche geschah noch mal im Jahr 2004 und im Dezember 2005 ein drittes Mal und es stellte sich jedes Mal heraus, dass eBay zwar schöne Worte findet, aber das Problem nicht in den Griff bekommt. Ich denke, das Problem ist in den Griff zu bekommen."

EBay sagte gegenüber dem Fernsehmagazin, dass man Schwierigkeiten habe, den Handel mit solchen Artikeln einzudämmen, da ein großer Teil über die ausländischen eBay-Marktplätze nach Deutschland gelange. Der deutsche eBay-Marktplatz sei aber weitgehend bis völlig sauber, so das Auktionshaus.

Dies ist nach Angaben von Report Mainz aber nicht ganz korrekt: Man habe beobachtet, dass auch über den deutschen Ableger Artikel der Neonaziszene angeboten werden. In den eBay-Grundsätzen heißt es dazu aber: "Es ist verboten, bei eBay Artikel anzubieten, die den Nationalsozialismus ... oder verfassungsfeindliches Gedankengut verherrlichen oder verharmlosen."

Der Rechtsextremismus-Forscher Prof. Hajo Funke von der FU Berlin meinte gegenüber Report Mainz, dass eBay offenkundig ein wichtiges Vermittlungsinstrument für Neonazis geworden sei.

In einer Stellungnahme zu den Vorwürfen des Politmagazins teilte eBay mit, dass man in keiner Weise Angebote unterstütze, die Hass, Gewalt oder Rassenintoleranz fördern oder verherrlichen und sich klar und eindeutig von jeglichem Versuch distanziere, den eBay-Marktplatz für den Handel mit Artikeln zu missbrauchen, die einen nationalsozialistischen Bezug haben.

Man habe aber angesichts des Report-Berichtes erkannt, dass die bisherigen Kontrollmaßnahmen nicht ausreichen und will künftig die Zusammenarbeit mit externen Experten intensivieren. Außerdem will man prüfen, ob man in den Bereichen "Militaria" und "Bekleidung" die Angebotsbedingungen verschärft.

Es ist nicht das erste Mal, dass eBay mit volksverhetzenden und gewaltverherrlichenden Inhalten Probleme bekommen hat. Bereits Anfang 2001 hatte das ZDF-Magazin Frontal 21 auf eBay zahlreiche verbotene Ton- und Bildträger mit volksverhetzenden und gewaltverherrlichenden Inhalten gefunden. Damals drohten mehrere deutsche Verfassungsschutzbehörden mit juristischen Schritten gegen das Auktionshaus.  (ad)


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Links zum Artikel:
eBay: http://www.ebay.de
SWR: http://www.swr.de
SWR - Report: http://www.swr.de/report
Zentralrat der Juden: http://www.zentralratdjuden.de/

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