Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0601/42938.html    Veröffentlicht: 25.01.2006 15:39    Kurz-URL: https://glm.io/42938

Microsoft will Windows-Quelltext weiter öffnen

Forderungen der EU-Kommission sollen übererfüllt werden

Microsoft will den Forderungen der Europäischen Kommission nachkommen und Entwicklern Einblick in Teile des Windows-Quelltextes gewähren. Microsoft spricht von einer Lizenzierung des Quellcodes, erlaubt aber nur einen Einblick, nicht aber dessen Übernahme.

Die Europäische Kommission hatte Microsoft aufgefordert, Teile seiner APIs auch Konkurrenten zugänglich zu machen, so dass deren Software mit Windows-Systemen eng zusammenspielen kann. Lange hat sich Microsoft in dieser Frage geziert und will nun in die Offensive gehen: Microsofts Chef-Jurist Brad Smith kündigte an, Microsoft werde die entsprechenden Teile des Windows-Server-Quelltextes zur Lizenzierung anbieten.

Microsoft will dies als freiwilligen Schritt verstanden wissen und geht damit nach eigenen Angaben über die Forderungen der EU-Kommission hinaus, die die Kommission zuletzt im Dezember 2005 mit der Drohung einer weiteren Millionenstrafe untermauert hatte. Die Kommission hatte nur eine technische Dokumentation der Schnittstellen gefordert, mit deren Hilfe sich die Kommunikationsprotokolle implementieren lassen. Der Quelltext sei die ultimative Form einer technischen Dokumentation, so Smith.

Mit einer Referenzlizenz sollen Entwickler Einblick in die entsprechenden Teile des Windows-Quelltextes erhalten. Sie dürfen den Code aber nicht in eigene Projekte übernehmen, er soll lediglich als Referenz für die eigene Implementierung der Protokolle dienen. Zuvor hatte Microsoft eine rund 12.000-seitige Dokumentation erstellt.

Microsoft führt dafür eine neue Lizenz ein, die zugleich auch für Teile des Desktop-Codes gelten soll, den Microsoft in den USA im Rahmen der dortigen Beilegung des Kartellstreits anbietet.

Die Frage der Lizenzbedingungen bleibt aber offen, denn schon an den Lizenzbedingungen für die Nutzung der bisher angebotenen Dokumentation gab es Kritik, vor allem von Seiten der Free Software Foundation und des Samba-Teams. So sehen sich die Samba-Entwickler auf Grund der Lizenzbedingungen nicht in der Lage, bei der Entwicklung ihrer freien Software, die ein Zusammenspiel von Unix- und Windows-Rechnern erlaubt, auf die Dokumentation von Microsoft zurückzugreifen.  (ji)


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Links zum Artikel:
Microsoft - EU-Entscheidung (.com): http://www.microsoft.com/mscorp/legal/eudecision/

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