Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0512/42433.html    Veröffentlicht: 30.12.2005 18:50    Kurz-URL: https://glm.io/42433

22C3: GUI-Entwurf mit Schere, Stift, Papier und Klebeband

Paper-Prototyping soll die Usability von Anfang an verbessern

Dass ein Programm auf dem Papier beginnt, lernen Informatiker bereits im Grundstudium. Dass es aber auch Vorteile haben kann, auch das grafische Interface zuerst auf dem Papier zu entwickeln und einem ersten Grundtest zu unterziehen, lernten die Teilnehmer eines Workshops auf dem 22C3 in Berlin.

Paper-Prototyping heißt die Technik, die Usability-Expertin Ellen Reitmayr von OpenUsability.org und die Designerin Antenne Springborn vorstellten.

Die erforderlichen Mittel sind absolut simpel: Papier, Schere, Stifte und Klebeband reichen aus, um ein Interface zu entwickeln. Auf ein mit Filzstift gezeichnetes Hauptfenster arrangiert der Entwickler die GUI-Elemente, die er vorher ausgeschnitten hat. Diese können entweder Screenshots entnommen oder ebenfalls gezeichnet sein, je nach gewünschter Detailstufe.

Workshop: GUI mit Papier und Schere
Workshop: GUI mit Papier und Schere
Veränderungen im User-Interface, wie etwa Benutzereingaben, werden auf abwischbarem Klebeband aufgemalt und dann auf das GUI-Element geklebt.

Paper-Prototyping ist vor allem für die frühe Design- und Implementierungsphase für neu zu entwicklende Programmteile geeignet. Bei Detailverbesserungen sind hingegen meistens Klick-Dummies die bessere Wahl, also im Interface-Designer erstellte Dialoge ohne dahinter liegende Funktion. Doch Papier ist nicht nur geduldig, sondern auch schneller und flexibler als ein Interface-Design-Programm, wie die Teilnehmer des Workshops feststellen konnten. Sie entwarfen in der Gruppe einen neuen PDF-Import-Dialog für das Grafikprogramm GIMP. Dabei konnte jeder der Freiwilligen seine Ideen spontan in Form von Papierschnipseln auf die Oberfläche aufbringen und die Veränderungen in der Gruppe diskutieren.

Auch zum Testen der Benutzerfreundlichkeit von Programmoberflächen kann Paper-Prototyping herangezogen werden. Dabei übernimmt ein Moderator die Aufgabe des Computers: Wählt der Testkandidat ein Menü an, verändert der Moderator die Oberfläche so, wie die Software es später tun würde. Zusätzlich kann ein Moderator auf Probleme des Testkandidaten unmittelbar eingehen und ihn zu Problemen befragen.

Eines aber kann auch Paper-Prototyping nicht ändern: "Auf jeden Fall braucht man viel Zeit", stellte einer der Teilnehmer fest. Usability-Expertin Reitmayr selbst äußerte sich sehr zufrieden zu dem Ergebnis des Workshops. In einem Interview mit Golem.de hatte sie teilweise bereits großes Interesse bei Entwicklern von Open-Source-Projekten feststellen können. [von Daniel Molkentin]  (ji)


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Links zum Artikel:
OpenUsability (.org): http://www.openusability.org/

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