Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0512/42413.html    Veröffentlicht: 30.12.2005 12:15    Kurz-URL: https://glm.io/42413

2005: Auch für PCs gilt - Doppelt hält besser

Von Tastaturen mit Display, Prozessoren mit mehreren Kernen und Wohlfühl-LCDs

Viele Themen bestimmten das Jahr 2005, einige davon wollen wir in unserem vierteiligen Jahresrückblick noch einmal Revue passieren lassen. Der Blick nach hinten mit etwas Abstand lässt das Eine oder Andere deutlicher werden und bietet zugleich Stoff zum Nachdenken, nachdenken über das, was 2006 zu erwarten ist. Dieser vierte und letzte Teil richtet seinen Blick auf die PC-Hardware, angefangen bei Maus und Tastatur über Prozessoren, die zunehmend mit mehr als einem Kern ausgestattet sind und Grafikkarten, die wieder im Doppelpakt auftreten, bis hin zu Visionen von Elektronik mit Bewusstsein.

Tastaturen mit und ohne Displays

Optimus-Display-Tastatur
Optimus-Display-Tastatur
Für viel Aufsehen sorgte das russische Designstudio "Art. Lebedev" mit der Ankündigung, jeder Taste seiner Optimus-Tastatur ein eigenes Display zu verpassen. Somit soll sich die Belegung der mit farbigen OLED-Displays ausgestatteten Tasten leicht verändern lassen, so dass auch unterschiedliche Tastatur-Layouts eingestellt werden können. Aber auch Spieler soll das Gerät ansprechen, indem sich beispielsweise die unterschiedlichen Waffen eines Shooters auf den Tasten einblenden lassen. Die Markteinführung der 200,- bis 300,- US-Dollar teuren Tastatur ist laut Hersteller für 2006 geplant.

Displays integriert auch United Keys in seine 205PRO-Tastatur, beschränkt sich dabei allerdings auf zusätzliche, monochrome Funktionstasten. Die Tastaturbelegung der 205PRO soll sich allerdings auch über Webseiten steuern lassen, so dass Website-Betreiber Aussehen und Belegung der Icons verändern können, sofern der Nutzer dies zulässt. Eine Markteinführung ist für Anfang 2006 geplant und das Gerät soll etwa 300,- US-Dollar kosten.

ABC-Tastatur statt QWERTZ
ABC-Tastatur statt QWERTZ
Eine Tastatur zum Selbstbauen bietet Ergodex mit der DX-1 an, bei der sich eigene Tastatur-Layouts mittels Klebetasten zusammenbasteln lassen. Das Ziel ist aber nicht, herkömmliche Tastaturen zu ersetzen, sondern eine Eingabemethode für spezielle Anwendungen zu bieten, bei denen man keine Volltastatur benötigt. Das New Standard Keyboard hingegen soll eine Alternative zum klassischen QWERTZ-Layout bieten.

Neben weiteren speziellen Tastaturen für Gamer, günstigen Design-Tastaturen oder Cherrys eBay-Tastatur mit extra Tasten für eBay-Funktionen, schuf Immersion eine interessante Eingabetechnik: Touchscreens wurden mit ForceFeedback ausgestattet. Diese mittlerweile von Volkswagen lizenzierte Technik macht das Drücken virtueller Knöpfe fühlbar, so dass der Benutzer beispielsweise das Gefühl hat, dass sich ein Knopf beim Drücken senkt und hebt. Volkswagen plant, die Technik für Navigationssysteme, Klimaanlagen und Unterhaltungselektronik einzusetzen, gab jedoch noch nicht bekannt, wann erste Autos damit auf den Markt kommen sollen.

Mäuse verwenden zunehmend Laser

Apples Mighty Mouse
Apples Mighty Mouse
Die Revolution der Maus verkündete Apple mit der Mighty Mouse, die auf Tasten verzichtet und stattdessen vier programmierbare Berührungssensoren nutzt. Neben einem kleinen Scrollball zum horizontalen und vertikalen Scrollen ist auch ein Lautsprecher in die Maus integriert, damit man das Klicken der nicht vorhandenen Maustasten hören kann.

Des Weiteren waren Laser-Mäuse das Thema 2005 unter den Herstellern. So kamen Modelle von Microsoft und Logitech präsentierte spezielle Mäuse für Spieler, eine Maus, die eingetroffene E-Mails anzeigt sowie eine, die durch einen Doppellaser auf nahezu allen Oberflächen funktionieren soll. Eine zwar optische Maus, dafür aber mit Laserpointer ausgestattet, brachte Canyon auf den Markt.

Logitech MX610 - 'intelligente' Maus
Logitech MX610 - 'intelligente' Maus
Den Mauszeiger mit einem Laserpointer zu steuern ermöglicht View Touch des taiwanesischen Unternehmens Keytec. Gedacht ist diese Technik allerdings nicht für den Heim-PC, sondern um Mausfunktionen auf Displays, Projektionen und Fernsehern zu emulieren. Den Laser erfasst dabei eine Kamera und folgt den Bewegungen.

Mit dem Bio-Pen sollen sich Notebooks zudem biometrisch absichern lassen: Zugriff erhält nur, wer die richtige Unterschrift liefert. Die Datenübertragung zwischen Notebook und Stift erfolgt dabei drahtlos und ein spezielles Login ersetzt die Windows-Anmeldung. Basisfunktionen lassen sich jedoch auch ohne Unterschrift nutzen.

Festplatten werden vertikal beschrieben

Mikey alias 3K8
Mikey alias 3K8
Bei Festplatten steht ein weiteres Kapazitätswachstum ins Haus, das Zauberwort dazu heißt Perpendicular Recording, also die vertikale statt horizontale magnetische Aufzeichnung von Daten. Erste Platten mit der neuen Technik kamen 2005 auf den Markt, schöpfen das Potenzial des "Perpendicular Recording" aber nur zu kleinen Teilen aus. Die wachsenden Speicherdichten erlauben es, auch kleinere Laufwerke herzustellen, Hitachi gibt mit Mikey derzeit den Ton an: Bis zu 8 GByte passen auf die 1-Zoll-Festplatte. Noch kleiner ist Toshibas Handy-Festplatte im 0,85-Zoll-Format, die ganz neue Geräte ermöglichen soll.

Bewegung gab es 2005 auch, was den Anschluss von Festplatten betrifft. Eine neue SATA-Generation hielt Einzug, die mit neuen Funktionen den Datendurchsatz steigert. Auch Serial Attached SCSI (SAS) gewinnt an Fahrt und CE-ATA 1.0 widmet sich vor allem kleinen Geräten.

iPod nano
iPod nano
Unter anderem setzt Samsung auf Solid State Disks, also Flash-Speicher statt drehende Scheiben. Der enorme Preisverfall in diesem Bereich macht mittlerweile auch USB-Sticks mit 8 GByte erschwinglich oder Produkte wie den iPod nano möglich. Dank U3 sollen Programme zudem direkt vom USB-Stick starten.

Kleiner hingegen werden die Speicherkarten, trotz hoher Kapazität. So gibt es miniSD-Karten mit 2 GByte und mit microSD alias Transflash einen neuen Standard für besonders winzige Speicherkarten. Zudem findet man SD-Karten, die gleich einen integrierten USB-Anschluss mitbringen und der MMC-Bus soll bald auch das ATA-Protokoll unterstützen. Einige taiwanesische Unternehmen schickten sich zudem an, einen Konkurrenten zur SD-Card zu entwickeln.

IBMs Millipede
IBMs Millipede
Kapazitäten ganz anderer Größenordnungen hat unterdessen IBM mit Millipede im Auge, eine SD-Card auf Basis der Technik soll rund 100 GByte speichern können.

Holografischer Speicher soll 2006 kommen

2006 könnte dann das Jahr der holografischen Speicher sein. So will Inphase 2006 eine Holo-Disc mit 300 GByte auf den Markt bringen, einen Prototypen mit 200 GByte konnte man schon 2005 zeigen. Der japanische Hersteller Optware plant für 2006 den Marktstart seiner Holographic Versatile Disc (HVD) und arbeitet an einem Industriestandard für holografische Speicher.

Blu-ray vs. HD DVD

Der Streit um ein Nachfolgeformat der DVD wird sich 2006 fortsetzen, denn auch wenn sich wiederholt eine Einigung zwischen Blu-ray auf der einen und HD DVD auf der anderen Seite abzeichnete, waren bislang alle Bemühungen zum Scheitern verurteilt. Während klassische PC-Unternehmen wie Intel und Microsoft sich hinter die HD DVD stellen und Bill Gates den Blu-ray-Kopierschutz als kundenfeindlich bezeichnet, setzen Inhalteanbieter und auch manche Gerätehersteller zunehmend auf beide Formate. Derweil wartet NEC mit einem ersten HD-DVD-Laufwerk für den PC auf, TDK kann erste Muster von Blu-ray-Medien liefern und Anfang 2006 will Pioneer einen ersten Blu-ray-Brenner auf den Markt bringen.
Erster Blu-ray-Brenner von Pioneer
Erster Blu-ray-Brenner von Pioneer


Aber auch Alternativen schicken sich an, vom Formatkrieg zu profitieren, beispielsweise die Versatile Multilayer Disc (VMD) oder Plasmons UDO-Laufwerke, die nun auch für den Desktop zu haben sind.

Von Dual-Core über Multi-Core zu Many-Core

Geht es um Prozessoren, so stand 2005 sicherlich unter dem Motto "Dual-Core". Sowohl Intel als auch AMD haben mittlerweile Prozessoren mit zwei Kernen im Angebot und entsprechende Systeme haben längst den Weg in den Mainstream gefunden. Dem Xeon mit nur einem Kern wird Intel bald ein Ende bereiten.

Zum Jahresende wartete Intel sogar mit seinem ersten Dual-Core-Prozessor in 65-Nanomenter-Technik auf, ihm soll Anfang 2006 der Mobilprozessor Yonah folgen. Zudem stellte Intel eine neue Prozessor-Architektur vor, die sich stärker am Pentium III denn am Pentium 4 oritieren soll. So soll Moore's Law noch 20 Jahre Gültigkeit behalten und ganz allgemein der Stromverbrauch der Chips sinken, wozu auch ein spezieller 65-nm-Fertigungsprozess für Stromspar-Chips beitragen soll. Außerdem will Intel die Spannungswandler abschaffen.

Viiv-Demo-PC (IDF Fall 2005)
Viiv-Demo-PC (IDF Fall 2005)
Ebenfalls erhältlich sind mittlerweile Chips mit Intels Virtualisierungstechnik Vanderpool, während AMDs Pacifica noch auf sich warten lässt und nur als Simulation bereitsteht. Intel will Vanderpool künftig noch erweitern, um darüber auch Sicherheitsfunktionen zu realisieren. Darüber hinaus sollen Chips künftig auch Schadsoftware erkennen.

Zudem darf sich Intel auf einen neuen Kunden freuen, denn ab 2006 will Apple seine Rechner mit Intel-Prozessoren ausrüsten. Weitere sollen hinzukommen, denn Intel will mit ViiV endlich das Wohnzimmer erobern.

Cell-Prozessor
Cell-Prozessor
Prozessoren mit vier Kernen planen sowohl AMD als auch Intel erst für 2007. Andere sind hier schon einen Schritt weiter: Der von Sony, IBM und Toshiba entwickelte Cell-Prozessor bringt neun Prozessorkerne und Bandbreiten bis 100 GByte/s mit und soll ab 2006 durchstarten. Suns UltraSPARC T1 alias Niagara bringt acht Kerne mit und IBMs Power5+ ist eher ein "Server auf einem Chip", bringt er doch eigentlich zwei Prozessoren, einen System-Switch mit hoher Bandbreite und großen Cache von bis zu 72 MByte mit. Der Weg der Multi-Core-Prozessoren soll aber weiterführen, am Ende stehen Many-Core-Prozessoren mit Dutzenden Kernen.

Software-Hersteller stellen die Multi-Core-Prozessoren vor neue Probleme, manche tun sich schwer, ihre Lizenzmodelle anzupassen, denn eine volle Lizenz pro Kern erscheint wenig wettbewerbstauglich.

Derweil hat sich ein Prozessorhersteller aus dem Rennen verabschiedet: Transmeta. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung von Prozessortechnologie und deren Lizenzierung, der Crusoe wurde verkauft. AMD feiert derweil Achtungserfolge gegen Konkurrent Intel und kann den Chip-Riesen punktuell übertrumpfen. Zudem eröffnete AMD ein neues Spielfeld und verklagte Intel wegen Monopolmissbrauchs.

Grafikkarten: Ohne PCI-Express hat man das Nachsehen

Im Grafikkarten-Markt hat Nvidia seinen Konkurrenten ATI wieder auf den zweiten Platz verweisen können - anders als ATI hatte Nvidia sich trotz PCI-Express stärker um den AGP-Bus gekümmert. Dennoch war 2005 eher ein Trauerspiel für aufrüstwillige AGP-Mainboard-Besitzer, denn die neuen Grafikchip-Serien wie ATIs Radeon X1000 und Nvidias GeForce 7 waren PCI-Express-PCs vorbehalten. Eine Ausnahme sind GeCubes AGP-Grafikkarten mit Radeon X1300 und X1600, die allerdings bisher nur in Asien erhältlich und im unteren bis mittlereren Preis-Leistungs-Bereich angesiedelt sind. Erst Anfang 2006 soll es so weit sein, dass Partner beider Grafikchip-Hersteller wieder leistungsfähigere AGP-Produkte anbieten. Nvidia zufolge hat dies hauptsächlich wirtschaftliche Gründe, technisch hingegen sind seit Monaten PCIe-nach-AGP-Wandler-Chips erhältlich.

Asus EN7800GT Dual für Quad-SLI
Asus EN7800GT Dual für Quad-SLI
Wer schon auf PCI-Express umgestiegen ist, bekam 2005 noch mehr Möglichkeiten, gleich zwei Grafikkarten im Verbund arbeiten zu lassen - ATI hat sich mit seinem SLI-Konkurrenten Crossfire zwar Zeit gelassen, konnte aber damit eine nicht minder interessante Lösung zur Geschwindigkeitssteigerung realisieren. Nvidias SLI wird derweil auf den Einsatz von bis zu vier Grafikchips vorbereitet, wobei diese dann eher auf zwei als auf vier Grafikkarten stecken. Weitere Trends, die sich 2005 feststellen ließen: 512-MByte-Grafikkarten sind nichts Besonderes mehr und es gibt kaum noch neue Grafikhardware ohne Shader-3.0-Unterstützung. S3 Graphics und XGI haben 2005 zwar von sich Reden gemacht, aber weiterhin beide keine besondere Bedeutung im Markt für Grafikkarten.

Im High-End-Bereich fetzten sich ATI und Nvidia Anfang des Jahres 2005 noch mit Radeon X850 XT PE und GeForce 6800 Ultra. Im Mittelklasse-Bereich konnte Nvidia ATI mit dem GeForce 6600 und später dem 6800 Marktanteile abluchsen. Mitte des Jahres konnte Nvidia dann mit dem GeForce 7800 GTX die Leistungskrone eindeutig zurückerobern, zumal der Radeon X1800 XT sich erst im Oktober/November 2005 auf ersten Grafikkarten im Handel blicken ließ.

Um dem mehr entgegensetzen zu können, führte Nvidia noch den GeForce 7800 GTX 512 ein - mit angehobener Taktung, 512 MByte Speicher und exorbitantem Preis sind die entsprechenden Grafikkarten aber eher selten bis gar nicht anzutreffen. ATI will mit einem Radeon-X1800-XT-Nachfolger mit Codenamen R580 Anfang 2006 das Blatt wieder wenden.

Für das erste Halbjahr 2006 sind nur Produktverbesserungen seitens ATI und Nvidia zu erwarten, Nvidia wird seine GeForce-7-Serie zudem auf den Mid-Range- und Low-End-Bereich ausdehnen. Neue Grafikchip-Architekturen werden hingegen noch bis zum Herbst 2006 auf sich warten lassen: Der G80 getaufte Chip wird Nvidias erster Grafikchip, bei dem es keine Trennung von Pixel- und Vertex-Shadern mehr gibt, ähnlich wie es bei ATIs Xbox-360-Grafikchip der Fall ist, der ebenfalls eine Unified-Shader-Architektur aufweist. Windows Vista wird DirectX 10 mit sich bringen, das mit seinen Shader-4.0-Effekten ideal für Unified-Shader-Grafikchips sein soll. Für mehr Leistung werden ab 2006 zudem die neuen GDDR4-Speicher sorgen, auf die zumindest ATIs Radeon-X1000er-Chips schon vorbereitet sind.

Matrox hat sich auch 2005 nur dem Nischenmarkt für professionelle Multi-Monitor-Hardware gewidmet, aber immerhin als erster Hersteller eine PCI-Express-Grafikkarte ("Millennium G550 PCIe" für PCIe x1) mit Open-Source-Treibern für Linux und andere Unix-verwandte Betriebssysteme ausgeliefert. So können erfahrene Programmierer selbst Hand an den Treiber legen und ihn erweitern oder auf andere Betriebssysteme anpassen. ATI und Nvidia etwa liefern für ihre im Vergleich zu den Matrox-Chips deutlich schnelleren AGP- und PCI-Express-Grafikchips nur vorkompilierte Treiber, wie es auch bei Windows der Fall ist.

Der PC schrumpft

MiniPC von AOpen
MiniPC von AOpen
Bei den PCs zeichnet sich ein Trend zu kleineren Geräten ab, eingeläutet durch Apples Mac mini. Ihm folgten beispielsweise der miniPC2 fürs Büro, der noch kleinere CF700 oder AOpens Mini-PC, der hier zu Lande als cebop scope zu haben ist. Etwas größer sind die schon länger erhältlichen Barebones im nicht wirklich würfelförmigen "Würfel-Format". Alphacool bietet nun ein Gerät mit vorinstallierter Wasserkühlung an, Shuttle presst zwei SLI-Grafikkarten in das Kleinformat und auch das Auto sollen die kleinen Systeme erobern. Besonders klein gibt sich der JackPC, der in eine Netzwerkdose passt.

Ganz langsam scheint sich zudem eine Bewegung in Richtung freier Hardware abzuzeichnen. So wurde das Hardware-Design der Pegasos-Plattform veröffentlicht, IBM startete Power.org und Sun will seinen UltraSPARC T1 zu Open Source machen. Und während der nicht sonderlich freie BIOS-Nachfolger Unified EFI langsam flügge wird, ruft die FSF zur Entwicklung eines freien BIOS auf.



Neue Display-Technik im Anmarsch

BenQ FP93GX
BenQ FP93GX
Displays wurden 2005 deutlich schneller und erreichen mittlerweile angeblich Reaktionszeiten von 2 Millisekunden, gemessen allerdings von "grau zu grau". Zudem locken LCDs für HDTV mit Diagonalen von 30 Zoll. Ganz andere Qualitäten bringt Samsungs Wohlfühl-LCD mit, andere warten mit einem enormen Kontrast von 1.500:1 auf.

Wohlfühl-LCD von Samsung
Wohlfühl-LCD von Samsung
Auch bei der Hintergrundbelechtung tut sich etwas: Osram bietet eine LED-Hintergrundbeleuchtung für Laptop-Displays, Samsung setzt auf PHOLEDs, um Strom zu sparen und Philips will seine auf Glühkathoden basierende Technik Aptura stärken.

Neue Wege beschreiten auch Canon und Toshiba mit Surface-Conduction Electron-Emitter Displays (SEDs), die Plasma-Fernsehen und LCDs in den Schatten stellen sollen.

Die Universal Display Corporation hat derweil ein transparentes, hochauflösendes Aktiv-Matrix OLED (AM-OLED) entwickelt, das eine Auflösung von 200 dpi erreicht. Auch am Fraunhofer IAP wird an transparenten OLEDs geforscht. Cambridge Display Technology (CDT) druckt unterdessen auch größere Farb-OLEDs und verspricht Polymer-OLEDs mit einer halben Million Stunden Lebensdauer.

Der DisplayPort soll künftig VGA- und DVI-Anschluss ablösen.

Philips eReader
Philips eReader
Fortschritte gibt es auch beim elektronischen Papier, das dank Fujitsu langsam farbig wird. Philips konnte zur IFA mit dem Readius einen eReader mit einem rollbaren Display zeigen, basierend auf dem elektronischen Papier von E Ink, das es mittlerweile auch als Entwickler-Kit gibt. IRex will 2006 ein entsprechendes Lesegerät anbieten. Die Display-Größe nähert sich derweil der Größe von Subnotebooks. Displays ganz anderer Art stellen photonische Textilien dar, sie machen Taschen und Sofas zum Display.

Dank LEDs schrumpfen auch die Projektoren, die auch an Gewicht einbüßen, Live-Übertragungen sind nun auch in 3D möglich.

Chips aus Diamant und Elektronikprodukte mit Bewusstsein

Manche Forscher gaben 2005 aber schon einen Ausblick weit über 2006 hinaus: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM zeigten ihre Fortschritte in Sachen Miniaturisierung, schafften sie es doch, ein Gesamtsystem aus Sensor, Prozessor, Speicher, Funkbaustein, Antenne und eigener Energieversorgung auf einen Kubikzentimeter zu konzentrieren, also etwa auf die Größe eines Stück Würfelzuckers. Damit aber nicht genug: Geht es nach den Forschern, werden Computer künftig zu Elektrokrümeln. An der Natur orientiert sich ein technischer Tastsensor des Fraunhofer IFF, ein Fühler für Insektenroboter, der diesen die Orientierung ermöglichen soll. Am Imperial College London arbeitet man an Speicherchips, die den Prinzipien des Gehirns folgen, Intel will Elektronikprodukten gar ein Bewusstsein verschaffen. In Japan werden Roboter derweil zu Zimmergenossen. Forscher der Universität Massachusetts haben derweil eine extrem winzige biologische Struktur entdeckt, die elektrische Ladungen leitet: den Geobacter.

An funktioneller Tinte arbeitet man am Fraunhofer IFAM und zeigte einen Metalldrucker, mit dem sich dreidimensionale Metallteile im Rapid-Manufacturing-Verfahren zügig ausdrucken lassen. Mit Ensonido entwickelte das Fraunhofer IIS einen lageabhängigen Raumklang per Kopfhörer. In Bayreuth wurde eine Nanotechnik entwickelt, die extrem hohe Datendichten erlauben soll, so dass auf der Fläche einer 1-Euro-Münze die Kapazität von rund 80 DVDs untergebracht werden kann.

Auch die Materialforschung im Hinblick auf neue Materialien für die Chips der Zukunft vermeldete 2005 Fortschritte. Wissenschaftler der University of Illinois haben eine dehnbare Form eines Einkristall-Siliziums mit wenigen Mikron großen, wellenförmigen Strukturen entwickelt, die sich auf Gummisubstraten aufbringen lassen sollen. In Japan hat man erste Wafer für Chips aus Diamant gefertigt, eine Serienfertigung ist für Ende 2006 geplant. Einen Durchbruch bei transparenten Transistoren vermeldeten Forscher von der Oregon State University und Hewlett-Packard. Entsprechende Elektrogeräte sollen sich damit so günstig herstellen lassen, dass sie fast als Wegwerfprodukte genutzt werden können. Aber auch große Flachbildschirme sowie flexible und damit faltbare Elektronik sollen damit möglich sein.

In Sachen Quantencomputer wurde das erste Quantenbyte erzeugt und am NIST gelang es, QBits bis zu 10 Sekunden zu speichern. Unter Beteiligung der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde eine neue Lichtquelle für Quantencomputer entwickelt und das Max-Planck-Institut für Quantenoptik nutzt eine Laserquelle im extrem ultravioletten Licht (XUV) zur Entwicklung einer Atomkernuhr. Noch reine Theorie ist eine Idee von Andrea Alù und Nader Engheta für eine Tarnvorrichtung.

Akkus sollen künftig länger durchhalten, daran arbeiten unter anderem das US-Unternehmen Altair oder Lucent und mPhase.  (ji)


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Links zum Artikel:
2005: Freie Software, freies Wissen, freie Dokumente: https://www.golem.de/0512/42263.html
2005: Spielebranche im Umbruch: https://www.golem.de/0512/42409.html
2005: Web 2.0 mit Vorratsdatenspeicherung: https://www.golem.de/0512/42378.html

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