Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0512/42206.html    Veröffentlicht: 15.12.2005 09:14    Kurz-URL: https://glm.io/42206

Kommunikationstechnologie: 75 Mrd. Euro Wachstumspotenzial?

Enormes Potenzial für Standort Deutschland prognostiziert

Einer Studie zufolge, die die Boston Consulting Group (BCG) durchgeführt hat, könnte in Deutschland bis 2008 eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von bis zu 75 Milliarden Euro erbracht werden, wenn man Informations- und Kommunikationstechnologien in Staat und Wirtschaft konsequent einsetzen würde.

Die Branche generiert der BCG nach in Deutschland eine jährliche Wirtschaftsleistung von mehr als 130 Milliarden Euro. Die Verfasser der Studie schlagen zum weiteren Ausbau dieses Sektors vor, auf Bundesebene einen nationalen Chief Information Officer (CIO) zu etablieren, der die Verwirklichung eines Masterplans zwischen Politik, Wirtschaft und Bürgern koordinieren könnte.

Zu den zentralen Forderungen des vorgeschlagenen Maßnahmenpakets zählen beispielsweise ein verstärkter Einsatz von E-Government und E-Health im öffentlichen Sektor, aber auch Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen oder Innovationsförderung.

Mit einem Anteil an der Bruttowertschöpfung von sechs Prozent soll der Informations- und Telekommunikationssektor hier zu Lande der bedeutendste Industriezweig sein und vor der Maschinenbau-, Automobil- oder Baubranche rangieren, die man landläufig als Speerspitze der deutschen Wirtschaft ansieht. Zudem soll der Sektor bereits jetzt mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten gut ein Drittel zur Produktivitätssteigerung in Deutschland beitragen, so die Studienautoren.

Im Vergleich zum Ausland ist die deutsche Informations- und Kommunikationstechnologie-Brance aber nur im Mittelfeld angesiedelt - wenn man die Produktivitätszuwächse als Kriterium heranzieht. Davor liegen bspw. Großbritannien, Schweden oder die USA.

Vor allem beim Einsatz von E-Government und E-Health in Deutschland konstatiert die Studie im Vergleich zu anderen Ländern erheblichen Nachholbedarf. Sowohl die Ausgaben der öffentlichen Hand (0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) in diesem Bereich als auch das Angebot an Online-Verwaltungsdienstleistungen sei hier zu Lande deutlich geringer entwickelt. Im öffentlichen Dienst vermuten die Studienautoren durch verstärkten Technik-Einsatz Einsparpotenziale von 27 Milliarden Euro jährlich. Bürger und Unternehmen könnten darüber hinaus durch eine effizientere Interaktion mit öffentlichen Stellen um rund 10 Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden, so die Boston Consulting Group.

Neben verstärkten Investitionen in diesen Bereich könnte ein nationaler Maßnahmenkatalog auch mehr E-Learning enthalten. Darüber hinaus wird eine verstärkte Förderung des Mittelstandes, der Aufbau von Gründerzentren und eine Intensivierung der Forschung sowie 5.000 zusätzliche Hochschulabsolventen für die Branche gefordert.

Die Studie der BCG wurde im Auftrag der Deutschen Telekom und Siemens Communications erstellt.  (ad)


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Links zum Artikel:
Boston Consulting Group: http://www.bcg.de/
Deutsche Telekom: http://www.dtag.de
Siemens Communications (.com): http://www.siemens.com/com

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