Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0601/42124.html    Veröffentlicht: 03.01.2006 09:55    Kurz-URL: https://glm.io/42124

Linux-Kernel 2.6.15 mit verbesserter NTFS-Unterstützung

Neuer Kernel erfordert udev 071

Nach insgesamt sieben Release Candidates hat Linus Torvalds die stabile Version des Linux-Kernels 2.6.15 freigegeben. Diese kommt mit mehreren neuen Funktionen daher, viele Änderungen erfuhr beispielsweise das Software-RAID und der neue NTFS-Treiber mit verbesserter Schreibunterstützung wurde integriert. Darüber hinaus erhält langsam die Unterstützung für den Linksys NSLU2 Einzug in den offiziellen Kernel. Wie immer wurden zudem zahlreiche Fehler der Vorgängerversionen beseitigt.

Noch im vierten Release Candidate führte Linus Torvalds die Funktion vm_insert_page() ein, die es Treiber ermöglicht, Speicherseiten in Virtual-Memory-Adressen einzufügen, die einem Nutzer gehören. Einigen Treibern soll diese Funktion zugute kommen. Als er sie mit dem fünften Release Candidate auch noch Nvidias Closed-Source-Treibern zur Verfügung stellte, stieß Torvalds allerdings nicht bei allen Entwicklern auf Gegenliebe - gerade, da im Vorfeld der Vorschlag für die Einführung eines stabilen API (Application Programming Interface) oder eines ABI (Application Binary Interface) auf einhellige Ablehnung unter den Entwicklern stieß. Auf der Linux Kernel Mailinglist (LKML) fragte Arjan van de Ven, der bei Red Hat für den Kernel zuständig war, Torvalds dann auch, ob dieser Schritt ein Statement für die Akzeptanz von binären Treibern sei.

Mit Kernel 2.6.15 wurde auch der neue NTFS-Treiber mit verbesserter Schreibunterstützung integriert. Mit der aktuellen Version des Treibers kann die Dateigröße geändert werden, so dass ein Bearbeiten von Dateien mit einem Editor möglich wird. Bei stark fragmentierten Dateien soll dies nicht funktionieren, der Treiber liefert in diesem Fall aber eine Fehlermeldung zurück, ohne dass die entsprechende Datei beschädigt wird. Dateien oder Verzeichnisse kann man allerdings noch nicht anlegen und auch löschen wird nicht unterstützt.

Eine Reihe von Änderungen erfuhr der Multiple-Device-Treiber, mit dem sich unter Linux Software-RAID-Arrays einrichten lassen. So kann man nun beispielsweise Arrays ohne Schreibzugriff einbinden. Normalerweise würde beim Starten des Arrays der Superblock geschrieben und die Synchronisation des Arrays eingeleitet, beim Laden eines Suspend-to-Disk-Images hingegen sollte dies nicht passieren. Der Schreibzugriff auf das Array wird vom Kernel automatisch reaktiviert, sobald er das erste Mal benötigt wird. Zudem wurde der Umgang mit Lesefehlern bei RAID-5-Arrays verbessert und Arrays lassen sich überprüfen, ohne dass direkt eine automatische Reparatur veranlasst wird.

Das erst mit der letzten Kernel-Version integrierte IEEE80211-Subsystem wurde aktualisiert, so dass nun auch Quality of Service (QoS) und Hardware-basierte Verschlüsselung unterstützt wird. Das System wird beispielsweise von den Treibern für Intels Centrino-WLAN benötigt, die ebenfalls aktualisiert wurden, vor allem in Bezug auf WEP- und WPA-Verschlüsselung.

Den alten "bluetty"-Bluetooth-Treiber entfernten die Linux-Entwickler zu Gunsten des BlueZ-Stacks aus dem Kernel. Nach Aussage der Entwickler wird bluetty ohnehin nur von einigen veralteten Closed-Source-Treibern benötigt und ist somit überflüssig. Nutzer sollten den "richtigen" Bluetooth-Treiber in Form von BlueZ einsetzen.

Der Kernel unterstützt nun außerdem die Marvell-Controller der SATA-6xxx-Serie inklusive DMA-Modus. Theoretisch sollen auch Controller der 5xxx-Serie funktionieren, die Entwicklung konzentriert sich jedoch zurzeit nicht darauf, so dass es unter Umständen zu Problemen kommen kann.

Neu hinzugekommen ist auch Unterstützung für den Linksys NSLU2, ein Gerät, das die Anbindung von USB-Festplatten als Network Attached Storage (NAS) ans Netzwerk erlaubt. Dabei werden nun sowohl Big- als auch Little-Endian-Kernel unterstützt, allerdings noch nicht alle Onboard-Komponenten des Gerätes. Somit stellt diese Neuerung nur einen kleinen Schritt in Richtung der vollständigen NSLU2-Unterstützung dar. Prinzipiell läuft Linux allerdings schon länger auf dem NSLU2, hierfür ist aber noch ein angepasster Kernel notwendig.

Ein neues uevent-Geräteattribut in sysfs kann dazu benutzt werden, manuell ein Hotplug-Ereignis für existierende Geräte auszulösen. So können Hotplug-Ereignisse auch für Geräte ausgelöst werden, die bereits beim Systemstart präsent waren.

Weiterhin behoben die Entwickler Leistungsprobleme, die bei AGP auftraten und aktualisierten diverse Treiber, darunter große Teile von Video4Linux für TV-Karten und DVB. Außerdem unterstützt der Direct Rendering Manager (DRM) nun ATIs Radeon-PCI-Express-Karten, so dass X-Applikationen über die Direct Rendering Infrastructure (DRI) direkten Zugriff darauf erhalten können. Verbessert wurde darüber hinaus die Unterstützung für den seriellen InfiniBand-Bus.

Mac-Nutzer hingegen dürften sich über die Unterstützung aktueller Powerbooks freuen. Zudem werden HFS+-Partitionen mit Journaling-Funktion nun nur noch schreibgeschützt gemountet, um Datenverlust zu vermeiden, da Linux Journaling bei HFS+ nicht unterstützt. Nutzer können dieses Verhalten bei Bedarf umgehen, wovon allerdings abgeraten wird.

Weitere Patches ändern Teile des Power-Management-APIs und die Unterstützung von Wakeup-Ereignissen durch Hardware wie Netzwerkkarten oder Tastaturen. Diese Funktionen können genutzt werden, wobei der Systemadministrator die Kontrolle darüber behält. Ferner unterstützt Linux das Aufwecken durch USB-Geräte. Auf Computern, die keinen S4-Schlafmodus unterstützen, funktioniert überdies Suspend-to-Disk mittels swsusp wieder korrekt.

Fehler in den Dateisystemen XFS, JFFS2 und ReiserFS wurden ebenso korrigiert wie Fehler im FUSE-Userspace-Dateisystem und v9fs, die beide erst mit 2.6.14 in den Kernel aufgenommen wurden. Am Journaling-Dateisystem Ext3 wurden ebenfalls Fehlerkorrekturen vorgenommen und ein Patch aufgenommen, durch den beispielsweise eine Veränderung der Partitionsgröße im laufenden Betrieb möglich wird. Bei Andrew Mortons experimentellen Kernel-Versionen war dies schon länger machbar. In Ansätzen erlaubt der neue Kernel nun auch Memory-Hotplug.

Tiefgreifender sind Änderungen am Gerätetreibermodell, die von Linux-Entwickler Greg Kroah-Hartman durchgeführt wurden und verschachtelete Klassen in sysfs nutzen. Dadurch setzt Kernel 2.6.15 zwingend udev 071 oder neuer voraus. Alte udev-Versionen funktionieren auf Grund von geänderten Symlinks nicht mehr.

Ferner behebt der neue Kernel zwei Sicherheitslücken, die es lokalen Benutzern ermöglichten, Denial-of-Service-Angriffe auszuführen.

Der aktuelle Kernel steht ab sofort als komplette Version oder als Patch zum Download von kernel.org oder einem der zahlreichen Mirrors bereit. Fehler, die in dieser Version auftauchen, werden, wie seit Kernel 2.6.11 üblich, in Unterversionen der Art 2.6.15.1 behoben. Dieses Veröffentlichungsmodell führte erst kürzlich wieder zu Diskussionen unter den Kernel-Entwicklern.  (js)


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Links zum Artikel:
kernel.org: http://www.kernel.org

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